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Berufskraftfahrer finden: Wie Du LKW- und Busfahrer in Logistik, Handel und Bau gewinnst

Ob Spedition, Großhandel, Busunternehmen, Bauunternehmen, Entsorger oder Lebensmittelhersteller: Berufskraftfahrer finden gehört heute in jeder Branche, die Waren, Material oder Fahrgäste bewegt, zu den schwierigsten Aufgaben der Personalgewinnung. Fahrzeuge stehen auf dem Hof, Touren werden zusammengelegt, und die vorhandenen Fahrer arbeiten an der Grenze der Lenkzeiten.

Dieser Leitfaden erklärt Dir, was einen Berufskraftfahrer rechtlich ausmacht, warum der Fahrermangel branchenübergreifend wirkt, was Fahrer von einem Arbeitgeber erwarten und welche acht Wege zur Einstellung führen. Dazu kommen ein Vergleich nach Kosten, Zeit und Eignung, Regeln für Anzeige und Telefonat und die wichtigsten Hebel, um neue Fahrer zu halten.

Stand: 1. Oktober 2026 · Zahlen und Rechtsstand prüfen wir jährlich im Dezember.

Disponentin bespricht mit einem Berufskraftfahrer die Tour neben seinem LKW auf dem Betriebshof einer Spedition

Kurzfassung

  • Berufskraftfahrer finden ist eine Aufgabe für Speditionen, Großhändler, Busunternehmen, Bauunternehmen, Entsorger und Lebensmittelhersteller zugleich. Sie alle suchen in demselben, schrumpfenden Pool.
  • Der Engpass wächst gegen den Trend. 2025 sank die Fachkräftelücke über alle Berufe laut KOFA um knapp ein Viertel, bei Berufskraftfahrern im Güterverkehr stieg sie um ein Fünftel.
  • Die Qualifikation ist genau geregelt. Führerscheinklasse, Grundqualifikation mit Schlüsselzahl 95, Weiterbildung alle fünf Jahre und Fahrerkarte entscheiden, ob jemand ab dem ersten Tag fahren darf.
  • Acht Wege stehen zur Wahl, von der Fahrerbörse bis zur Auslandsrekrutierung. Wechselbereite Fahrer, die nicht aktiv suchen, erreichst Du nur über aktive Ansprache.
  • Fahrer entscheiden nach der Tour. Heimkommen, Planbarkeit, Fahrzeug und Gehalt gehören in die erste Zeile der Anzeige. Danach zählt der Rückruf am selben Tag.

Was ist ein Berufskraftfahrer? Definition und Abgrenzung

Berufskraftfahrer ist, wer gewerblich Güter oder Fahrgäste mit Fahrzeugen der Klassen C1, C, CE, D1 oder D befördert und dafür neben dem Führerschein eine Qualifikation nach dem Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz nachweist. Diese Qualifikation entsteht durch die dreijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer, durch die Grundqualifikation mit IHK-Prüfung oder durch die beschleunigte Grundqualifikation. Wer sie besitzt, trägt die Schlüsselzahl 95 im Führerschein und muss sie alle fünf Jahre durch Weiterbildung erneuern.

In Stellenanzeigen und Gesprächen laufen mehrere Begriffe durcheinander. Für Deine Suche lohnt es sich, sie zu trennen, weil jeder Begriff eine andere Zielgruppe anspricht:

  • Berufskraftfahrer ist die rechtliche und berufliche Bezeichnung. Sie umfasst Güter- und Personenverkehr, also LKW- und Busfahrer.
  • LKW-Fahrer ist der Alltagsbegriff, nach dem die meisten Fahrer selbst suchen. In der Anzeige gehört er deshalb neben die offizielle Bezeichnung.
  • Kraftfahrer ist der ältere Oberbegriff, der in Tarifverträgen und bei Auslieferungsfahrern noch verbreitet ist. Er sagt nichts über Klasse oder Qualifikation.
  • Busfahrer brauchen Klasse D oder D1 und eine Grundqualifikation für den Personenverkehr. Ein LKW-Fahrer kann umsteigen, braucht dafür aber Führerschein und Umsteigerqualifikation.
  • Handwerker und Monteure mit LKW-Führerschein, die ihr Material oder ihre Maschinen selbst zur Baustelle bringen, fallen unter eine Ausnahme, solange das Fahren nicht ihre Hauptbeschäftigung ist. Sie brauchen die Klasse, aber keine Schlüsselzahl 95.

Klassen, Module und Fahrerkarte im Überblick

Bevor Du eine Anzeige schreibst, solltest Du wissen, welche Kombination die Stelle wirklich verlangt. Die wichtigsten Bausteine:

  • C1 für Fahrzeuge von 3,5 bis 7,5 Tonnen, typisch in der Auslieferung und im Großhandel. C für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen, CE zusätzlich mit schwerem Anhänger oder als Sattelzug. D1 für Kleinbusse, D für Linien- und Reisebusse.
  • Grundqualifikation mit theoretischer und praktischer Prüfung bei der IHK oder beschleunigte Grundqualifikation mit 140 Unterrichtseinheiten zu je 60 Minuten und schriftlicher Prüfung von 90 Minuten (BKrFQV § 2). Seit dem 18. August 2026 ist diese Prüfung neben Deutsch in neun weiteren Sprachen möglich, darunter Polnisch, Rumänisch, Türkisch und Ukrainisch (IHK, 2026).
  • Weiterbildung mit 35 Unterrichtseinheiten in Blöcken von mindestens sieben Einheiten, alle fünf Jahre (BKrFQG § 5, BKrFQV § 4). In der Branche heißen diese Blöcke „Module“. Nachgewiesen wird die Qualifikation durch die Schlüsselzahl 95 im Führerschein.
  • Fahrerkarte für den digitalen Fahrtenschreiber, persönlich und fünf Jahre gültig (EU-Verordnung 165/2014). Seit dem 1. Juli 2026 gilt die Fahrtenschreiberpflicht im grenzüberschreitenden Güterverkehr schon ab 2,5 Tonnen (IHK Limburg, 2026).
  • Lenk- und Ruhezeiten nach EU-Verordnung 561/2006 begrenzen die tägliche Lenkzeit auf neun Stunden, zweimal pro Woche auf zehn, und die Lenkzeit in zwei Wochen auf 90 Stunden. Sie bestimmen, wie viele Fahrer Du für Deine Touren brauchst.

Ein Bewerber mit CE, gültiger Schlüsselzahl 95 und Fahrerkarte kann deshalb sofort fahren. Ein Bewerber mit Klasse B und Interesse am Beruf braucht Monate und eine Finanzierung. Beides kann richtig sein, nur nicht für dieselbe Stelle.

Warum der Fahrermangel jede Branche trifft

Fahrermangel gilt oft als Problem der Speditionen. Die Statistik zeigt ihn breiter, denn wer Waren, Baustoffe, Abfall oder Fahrgäste bewegt, sucht Berufskraftfahrer. Fünf Zahlen beschreiben den Markt:

Der Fahrermarkt in Zahlen

+20,6 %Fachkräftelücke LKW2025 gegenüber 2024 auf 5.053 Stellen, alle Berufe minus 24,1 % (KOFA Kompakt 03/2026)
39 %der LKW-Fahrer 55+bei Bus- und Straßenbahnfahrern 44 %, alle Berufe 25 % (Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2023)
120.000+fehlende LKW-FahrerSchätzung des BGL, Januar 2026
25.000fehlende Busfahrerin ÖPNV und Gelegenheitsverkehr, Schätzung von bdo und VDV, September 2025
2,5 von 3Engpasswertfür Berufskraftfahrer im Güterverkehr, Engpass ab 2,0 (Bundesagentur für Arbeit, Engpassanalyse 2025)

Die Zahlen haben drei Ursachen, die sich in den nächsten Jahren nicht von selbst auflösen.

Der Ruhestand kommt in Wellen. Laut Statistischem Bundesamt waren 2023 knapp vier von zehn Berufskraftfahrern im Güterverkehr mindestens 55 Jahre alt. Der BGL rechnet mit 30.000 bis 35.000 Fahrern, die jedes Jahr in Rente gehen, und 15.000 bis 20.000, die neu dazukommen. Im Busverkehr gehen laut bdo und VDV jedes Jahr rund 6.000 Fahrer in den Ruhestand.

Der Engpass hält auch in der Konjunkturschwäche. Die Bundesagentur für Arbeit zählte 2025 nur noch 157 Engpassberufe, so wenige wie seit der Pandemie nicht. Berufskraftfahrer im Güterverkehr gehören mit 525.100 Beschäftigten trotzdem zu den beschäftigungsstärksten Engpassberufen, Bus- und Straßenbahnfahrer ebenfalls. Laut KOFA standen 2025 für 5.053 offene Stellen im Güterverkehr rechnerisch keine passend qualifizierten Arbeitslosen bereit.

Der Einstieg ist teuer und langsam. Ein Führerschein der Klasse CE kostet laut SVG meist 4.000 bis 6.000 Euro, die beschleunigte Grundqualifikation kommt hinzu. Für den Busführerschein nannten bdo und VDV 2024 Kosten von bis zu 14.500 Euro. Wer den Beruf wechseln will, braucht also Geld, Zeit und meist einen Betrieb, der beides vorstreckt.

Wie sich der Mangel konkret auswirkt, hängt von der Branche ab. Die Rolle ist dieselbe, der Arbeitstag nicht:

BrancheTypische TourKlassenWas Fahrer dort prüfen
Logistik und SpeditionNah-, Regional- und Fernverkehr, Wechselbrücke, SattelzugCEHeimkommen, Wochenenden, Wartezeiten an der Rampe
GroßhandelAuslieferung an Gastronomie, Handel, Handwerk; viele StoppsC1, C, CEStartzeit, Ladehilfen, Zahl der Stopps
BusunternehmenLinien-, Schüler- und ReiseverkehrD, D1Dienstplan, geteilte Dienste, Reisen mit Übernachtung
Tief- und StraßenbauBaustellenversorgung, Kipper, Tieflader, oft mit MaschinenbedienungC, CEBaustellenradius, Saison, Kombination mit Baggerarbeit
EntsorgungSammeltouren, Containerdienst, AbrollkipperC, CEfrühe Startzeit, feste Touren, Feierabend am Nachmittag
LebensmittelindustrieKühltransport zum Handel, Werkverkehr zwischen StandortenCESchichtzeiten, Kühltechnik, Zeitfenster beim Handel
Nutzfahrzeuge und BaumaschinenÜberführung, Maschinentransport, WerkstattfahrtenC, CEAbwechslung, Technik, Nähe zur Werkstatt

Alle Branchen, für die wir Fachkräfte suchen, stehen in der Branchenübersicht. Wie Logistikbetriebe die Digitalisierung im Recruiting nutzen, beschreibt der Beitrag Fachkräftemangel in der Logistik.

Was Berufskraftfahrer heute von einem Arbeitgeber erwarten

Ein erfahrener Fahrer kennt den Markt. Er weiß, welcher Betrieb in seiner Region pünktlich zahlt, welche Disposition anständig plant und an welcher Rampe man drei Stunden wartet. Er wechselt, wenn eines dieser Dinge woanders spürbar besser ist. In Erstgesprächen mit Betrieben aus Logistik, Handel und Bau hören wir immer wieder dieselben Punkte:

  • Heimkommen. Täglich zu Hause, am Wochenende zu Hause oder mehrere Nächte in der Kabine: Diese Frage sortiert die Bewerber, bevor das Gehalt zur Sprache kommt. Viele Fernfahrer wechseln in den Nah- oder Regionalverkehr, sobald Familie oder Gesundheit es verlangen.
  • Planbarkeit. Ein Dienstplan, der am Donnerstag für die nächste Woche steht, ist für viele Fahrer mehr wert als ein Zuschlag. Kurzfristige Touränderungen und Anrufe am Sonntagabend sind ein häufiger Wechselgrund.
  • Fahrzeug. Ein fester, gepflegter LKW mit guter Ausstattung, Standklimaanlage und funktionierender Technik zeigt Wertschätzung. Wer täglich ein anderes Fahrzeug bekommt, fühlt sich austauschbar.
  • Gehalt und Spesen. Fahrer vergleichen Grundlohn, Spesen, Zuschläge und Überstundenregelung sehr genau. Den regionalen Median für Deinen Standort zeigt der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit.
  • Respekt im Alltag. Laut einer Befragung des BGL unter über 4.000 Fahrern aus dem Jahr 2018 nannten 81 Prozent mangelnde Wertschätzung und ein schlechtes Image als Grund für den Fahrermangel. Ein Disponent, der zuhört, und eine Pause, die eingeplant ist, wirken stärker als jede Imagekampagne.
  • Weiterbildung im Betrieb. Module während der Arbeitszeit und auf Kosten des Arbeitgebers, ADR-Schein oder Kranschein als Entwicklung: Das senkt die Hürde zum Wechsel, weil der Fahrer nichts vorstrecken muss.

Busfahrer achten zusätzlich auf geteilte Dienste und Wochenendanteile, Fahrer im Großhandel und in der Entsorgung auf die Startzeit, weil sie über den Feierabend entscheidet.

Berufskraftfahrer finden: die 8 Wege

Jeder Weg erreicht eine andere Gruppe von Fahrern. Für jeden findest Du hier, für wen er passt, was er kostet, wie lange er dauert und welcher Fehler am häufigsten passiert.

1. Fahrerbörsen und Jobportale

Reichweite
aktiv suchende Fahrer
Kosten
Anzeigenpreis je Laufzeit
Dauer
Wochen bis Monate
Aufwand
mittel

Allgemeine Portale und spezialisierte Fahrerbörsen erreichen Fahrer, die gerade aktiv suchen, etwa nach einer Kündigung oder einem Umzug. Die Anzeige konkurriert dort mit Dutzenden ähnlicher Angebote aus der Region, bezahlt wird für die Laufzeit.

Typischer Fehler: Die Anzeige nennt Klasse und Anforderungen, verschweigt aber Tourart, Heimkommen und Gehalt. Genau danach filtern Fahrer.

2. Arbeitsagentur und Jobcenter

Reichweite
gemeldete Arbeitsuchende
Kosten
keine
Dauer
Wochen bis Monate
Aufwand
gering

Die Meldung kostet nichts und gehört zum Standard. Für fertig qualifizierte Fahrer ist der Pool klein, weil der Beruf ein Engpassberuf ist. Stärker ist die Agentur bei Umschülern: Mit einem Bildungsgutschein können Führerschein und Grundqualifikation für Arbeitsuchende vollständig übernommen werden. Wer früh mit dem Arbeitgeberservice spricht, kann Teilnehmer solcher Maßnahmen schon während der Ausbildung kennenlernen.

Typischer Fehler: Die Stelle nur melden und warten. Wer Umschüler will, muss aktiv nach laufenden Maßnahmen fragen und Praktika anbieten.

3. Personalvermittlung

Reichweite
Kartei des Vermittlers
Kosten
ein Fünftel bis ein Drittel eines Jahresgehalts
Dauer
Wochen bis Monate
Aufwand
gering

Ein Vermittler stellt Dir Kandidaten vor und erhält bei Einstellung ein Honorar. Für Disponenten oder Fuhrparkleiter kann sich das rechnen, für Fahrer ist der Weg teuer. Was Betriebe mit Vermittlern erleben, beschreibt Personalvermittlung im Handwerk; die Mechanik ist in der Logistik dieselbe.

Typischer Fehler: Den Vertrag ohne Regelung für die Probezeit abschließen. Geht der Fahrer nach acht Wochen, ist das Honorar trotzdem bezahlt.

4. Zeitarbeit

Reichweite
Fahrer im Pool des Verleihers
Kosten
Stundensatz deutlich über dem Lohn
Dauer
Tage
Aufwand
gering

Zeitarbeit füllt kurzfristig Lücken bei Urlaub, Krankheit oder Saisonspitzen vor Weihnachten. Für eine Dauerbesetzung ist sie teuer, und eine Übernahme kostet je nach Vertrag eine Ablöse.

Typischer Fehler: Eine Dauerstelle über Monate mit Leihfahrern besetzen. Die Kosten übersteigen dann schnell eine eigene Kampagne.

5. Social Recruiting

Reichweite
alle Fahrer im Umkreis, auch ohne Jobsuche
Kosten
ab 600 € Werbebudget je Stelle und Monat
Dauer
erste Bewerbung in Tagen
Aufwand
mittel oder abgegeben

Die meisten Fahrer, die Du willst, fahren gerade für einen anderen Betrieb. Sie lesen keine Stellenanzeigen, scrollen aber in der Pause oder am Abend durch Facebook und Instagram. Eine Anzeige mit einem kurzen Video vom eigenen Betriebshof, einem echten Fahrer und einer klaren Aussage zur Tour erreicht sie dort, im Umkreis Deines Standorts. Ein Klick führt auf eine mobile Kurzbewerbung mit wenigen Fragen und einer Telefonnummer.

Wie Du eine Kampagne aufsetzt, steht Schritt für Schritt im Leitfaden zum Social Recruiting; welche Kosten realistisch sind, in Was kostet Social Recruiting.

Typischer Fehler: Ein Stockfoto mit einem glänzenden Sattelzug und „Wir suchen Dich“. Fahrer erkennen fremde Fahrzeuge sofort und scrollen weiter.

6. Mitarbeiterempfehlung

Reichweite
Bekanntenkreis Deiner Fahrer
Kosten
Prämie je Einstellung
Dauer
Tage bis Wochen
Aufwand
gering

Fahrer kennen Fahrer, vom Autohof, von der Rampe, aus dem Funk. Eine Empfehlung bringt jemanden, der weiß, worauf er sich einlässt. Damit das regelmäßig passiert, brauchst Du eine Prämie in zwei Raten, bei Einstellung und nach der Probezeit, und die Frage in jeder Fahrerbesprechung. Bei zehn Fahrern ist der Bekanntenkreis allerdings irgendwann ausgeschöpft.

Typischer Fehler: Die Prämie steht am Schwarzen Brett, aber niemand fragt nach. Empfehlungen entstehen im Gespräch.

7. Führerschein-Förderung und Quereinsteiger

Reichweite
Interessierte ohne Fahrerlaubnis C
Kosten
4.000 bis 6.000 € für CE plus Grundqualifikation, teils gefördert
Dauer
mehrere Monate
Aufwand
hoch

Wenn der Markt keine fertigen Fahrer hergibt, bildest Du sie selbst aus. Lagermitarbeiter, Auslieferungsfahrer mit Klasse B oder Quereinsteiger aus Handwerk und Landwirtschaft bringen oft die Einstellung mit, die Du brauchst. Den Führerschein finanzierst Du vor und sicherst Dich mit einer Rückzahlungsvereinbarung ab, die arbeitsrechtlich geprüft sein sollte. Für Arbeitsuchende übernimmt die Agentur die Kosten über den Bildungsgutschein; für Unternehmen des Güterkraftverkehrs gibt es das jährliche Förderprogramm „Weiterbildung“ des Bundesamts für Logistik und Mobilität mit eigenem Maßnahmenkatalog.

Der Weg schafft zusätzliche Fahrer, hilft aber nicht für die Tour, die nächste Woche ausfällt. Er ist die zweite Schiene neben der Suche nach fertigen Fahrern.

Typischer Fehler: Die Rückzahlungsklausel ohne Staffelung formulieren. Unangemessene Klauseln halten vor Gericht nicht.

8. Auslandsrekrutierung

Reichweite
Fahrer aus EU- und Drittstaaten
Kosten
Anerkennung, Sprachkurs, Wohnung, Begleitung
Dauer
Monate
Aufwand
hoch

Fahrer aus EU-Staaten können mit ihrem Führerschein und ihrer Schlüsselzahl 95 direkt arbeiten. Für Drittstaaten erlaubt § 24a der Beschäftigungsverordnung eine Beschäftigung mit Qualifizierungsphase: Der Fahrer bringt eine einschlägige Fahrerlaubnis aus dem Herkunftsland mit und erwirbt die deutschen Voraussetzungen innerhalb von bis zu 15 Monaten beim selben Arbeitgeber. Seit dem 18. August 2026 können Führerscheine aus der Ukraine sowie die Klassen C und D aus dem Kosovo, Albanien und Montenegro ohne Prüfung umgeschrieben werden (IHK, 2026).

Der Weg lohnt sich für Betriebe, die mehrere Fahrer brauchen und Begleitung, Wohnung und Sprachkurs organisieren können.

Typischer Fehler: Fahrer holen und dann allein lassen. Ohne Ansprechpartner, Wohnung und Deutschkurs sind sie nach der Probezeit beim nächsten Betrieb.

Die 8 Wege im Vergleich: Kosten, Zeit, Eignung

Die Tabelle fasst zusammen, was Du oben gelesen hast. Entscheidend ist die letzte Spalte: für welche Stelle der Weg passt.

WegWen Du erreichstKostenBis zum ersten GesprächAufwand im BetriebPasst für
Fahrerbörsen, Jobportaleaktiv SuchendeAnzeigenpreis je Laufzeit, unabhängig vom ErgebnisWochen, oft ohnemittelErgänzung, Fahrer nach Umzug oder Kündigung
ArbeitsagenturArbeitsuchende, UmschülerkeineWochen bis MonategeringQuereinsteiger mit Bildungsgutschein
PersonalvermittlungKartei des Vermittlersein Fünftel bis ein Drittel eines Jahresgehalts je EinstellungWochen bis MonategeringDisposition, Fuhrparkleitung
ZeitarbeitPool des VerleihersStundensatz deutlich über dem Lohn, Ablöse bei ÜbernahmeTagegeringUrlaub, Krankheit, Saisonspitzen
Social Recruitingalle Fahrer im Umkreis, auch ohne Jobsucheab 600 € Werbebudget je Stelle und Monat, plus Zeit oder AgenturTagemittel oder abgegebenDauerstellen C, CE, D
MitarbeiterempfehlungBekanntenkreis des TeamsPrämie je EinstellungTage bis Wochengeringjede Stelle, begrenzte Stückzahl
Führerschein-FörderungQuereinsteiger, eigene Mitarbeiter4.000 bis 6.000 € für CE plus Grundqualifikation, teils gefördertsofort, Einsatz nach MonatenhochNachwuchs, zweite Schiene
AuslandsrekrutierungEU- und DrittstaatenAnerkennung, Sprache, Wohnung, BegleitungMonatehochmehrere Fahrer, langfristige Planung

Die Empfehlung aus dem Vergleich: Arbeitsagentur und Empfehlungsprogramm laufen immer mit, weil sie wenig kosten. Für die Dauerstelle, die jetzt offen ist, erreicht Social Recruiting die meisten wechselbereiten Fahrer in kurzer Zeit. Führerschein-Förderung und Auslandsrekrutierung bauen den Fahrerstamm für die nächsten Jahre auf. Einen Überblick über alle Kanäle außerhalb der Fahrerberufe gibt der Leitfaden zur Mitarbeitergewinnung.

Stellenanzeige und Ansprache: was in die erste Zeile gehört

Ein Fahrer entscheidet in wenigen Sekunden, ob eine Anzeige für ihn in Frage kommt. Er sucht vier Informationen, nämlich Tourart, Heimkommen, Fahrzeug und Gehalt, und die meisten Anzeigen liefern keine davon. Die Anforderungen dagegen kennt er, Klasse CE und Schlüsselzahl 95 stehen in jeder Anzeige.

Beispiel für die erste ZeileBerufskraftfahrer CE im Regionalverkehr, jeden Abend zu Hause, eigener Sattelzug, Start 6 Uhr, Festgehalt plus Spesen. Module zahlen wir.

Die Zahlen setzt Du für Deinen Betrieb ein. Jede Angabe muss im Gespräch bestätigt werden. Ein Fahrer, der auf ein Versprechen hin wechselt und nach drei Wochen merkt, dass es nicht gilt, geht wieder und erzählt es am Autohof weiter.

Für die Ansprache in Social Media gelten drei Regeln:

  • Echte Fahrzeuge, echte Fahrer. Ein Video vom eigenen Hof, gedreht mit dem Handy, wirkt stärker als jedes Agenturfoto. Ein Fahrer aus Deinem Team erzählt in 30 Sekunden, warum er bei Dir fährt.
  • Die Sprache der Fahrer. „Bock“, „Hängerzug“, „Nahverkehr mit festen Touren“ sind verständlicher als „Fahrzeugführer im Distributionsverkehr“. Busfahrer sprechen von Linien und Diensten, nicht von Touren.
  • Eine kurze Bewerbung. Name, Telefonnummer, Klasse, Wohnort und bevorzugte Tourart reichen für den ersten Schritt. Lebenslauf und Nachweise holst Du nach dem Telefonat ein.

Wie Du eine Anzeige Satz für Satz aufbaust, auch für andere gewerbliche Berufe, steht im Leitfaden zum Schreiben von Stellenanzeigen.

Den Bewerbungsprozess schnell machen

Fahrer bewerben sich oft bei zwei oder drei Betrieben gleichzeitig, meistens abends oder in der Pause. Wer am selben Tag anruft, hat den Vorsprung. Wer nach einer Woche eine E-Mail schickt, hat den Fahrer verloren. Ein Prozess, der funktioniert, hat vier Stufen.

Rückruf am selben oder nächsten Tag. Fahrer sind tagsüber auf der Straße. Plane Rückrufe am frühen Abend oder in den typischen Pausenzeiten und schicke vorher eine kurze Nachricht.

Telefonat mit fester Checkliste. 15 Minuten reichen, wenn die Fragen feststehen.

  • Führerscheinklassen und Ablaufdatum der Klassen C und D
  • Schlüsselzahl 95 und Datum der nächsten Weiterbildung, also welche Module noch fehlen
  • Fahrerkarte vorhanden und gültig, Zusatzqualifikationen wie ADR, Kran oder Stapler
  • Erfahrung nach Tourart, Fahrzeug und Ladung, etwa Kühlung, Kipper, Tankwagen oder Linienbus
  • Bereitschaft für Schichten, Wochenenden und Übernachtungen
  • Gehaltsvorstellung, Kündigungsfrist und frühester Starttermin
  • Wechselgrund in eigenen Worten

Gespräch und Mitfahrt in derselben Woche. Ein Termin auf dem Hof mit Fahrzeugbesichtigung und einer kurzen Probefahrt sagt beiden Seiten mehr als ein Bürogespräch. Lass den Disponenten dabei sein, mit dem der Fahrer künftig täglich spricht.

Zusage innerhalb von zwei Tagen. Vertrag, Starttermin, Fahrzeug und erste Tour gehören in eine Nachricht. Die Kopien von Führerschein, Fahrerkarte und Qualifikationsnachweis holst Du vor dem ersten Arbeitstag ein; die regelmäßige Führerscheinkontrolle gehört als Halter ohnehin zu Deinen Pflichten.

Welche Zeitvorgaben für jeden Schritt gelten und wer im Betrieb zuständig ist, beschreibt der Leitfaden zum Recruiting-Prozess. Die häufigsten Gründe, warum Bewerber unterwegs abspringen, stehen in 7 Recruiting-Fehler, die Bewerber kosten.

Fahrer halten: Bindung ab dem ersten Tag

Ein Fahrer, der nach drei Monaten geht, kostet Suche, Einweisung und ausgefallene Touren doppelt. Bindung beginnt deshalb vor dem ersten Arbeitstag und hängt stark an der Disposition.

  • Erster Tag vorbereitet. Fahrzeug zugewiesen, Tankkarte, Kleidung, Zugang zur Telematik, ein erfahrener Fahrer für die ersten Touren.
  • Fester Ansprechpartner in der Disposition. Fahrer kündigen selten wegen des Chefs und oft wegen des Telefons. Ein Disponent, der die Lenkzeiten ernst nimmt und Touren rechtzeitig ankündigt, hält mehr Fahrer als ein Zuschlag.
  • Planbare Heimfahrten. Im Fernverkehr verlangt das EU-Mobilitätspaket ohnehin, dass Fahrer regelmäßig zum Betrieb oder nach Hause zurückkehren können. Wer das als Versprechen formuliert und einhält, hat ein Argument im Wettbewerb.
  • Module als Leistung. Weiterbildung während der Arbeitszeit, bezahlt vom Betrieb, mit Erinnerung rechtzeitig vor Ablauf der Schlüsselzahl.
  • Gespräch nach 30 und 90 Tagen. Was stimmt, was nicht, welche Tour passt besser. Kleine Korrekturen verhindern Kündigungen in der Probezeit.

Weitere Ansätze, die für Fahrer genauso gelten wie für Monteure, stehen in Mitarbeiterbindung im Handwerk und Mitarbeiter-Benefits im Handwerk.

5 Fehler, die Betriebe bei der Fahrersuche Bewerber kosten

  1. Die Tour bleibt unklar. „Nah- und Fernverkehr“ in einer Anzeige schreckt beide Gruppen ab. Der Nahverkehrsfahrer befürchtet Übernachtungen, der Fernfahrer rechnet mit niedrigen Spesen, und beide bewerben sich woanders.
  2. Rückruf nach drei Tagen. Der Fahrer hat sich abends gemeldet und am nächsten Morgen den Anruf eines anderen Betriebs bekommen. Wenn Du anrufst, hat er bereits zugesagt.
  3. Gehalt erst im Gespräch. Fahrer vergleichen Zahlen. Wer keine nennt, wird übersprungen, auch wenn er gut zahlt.
  4. Qualifikation nicht geprüft. Die Schlüsselzahl 95 läuft in zwei Monaten ab, die Fahrerkarte fehlt. Der neue Fahrer darf dann am ersten Tag nicht fahren.
  5. Nur auf fertige Fahrer setzen. Wer keinen eigenen Nachwuchs aufbaut, sucht jedes Jahr wieder im selben, kleiner werdenden Pool. Die Kosten je Einstellung steigen so von Jahr zu Jahr.

Fazit

Berufskraftfahrer finden ist eine Aufgabe, die Logistik, Großhandel, Busverkehr, Bau, Entsorgung und Lebensmittelindustrie gleichermaßen betrifft, und die Zahlen von KOFA, Bundesagentur, Statistischem Bundesamt und Verbänden zeigen keinen Grund zur Entwarnung. Erfolgreich sind Betriebe, die Tour, Heimkommen, Fahrzeug und Gehalt offen nennen, wechselbereite Fahrer aktiv ansprechen und parallel eigenen Nachwuchs über Führerschein-Förderung aufbauen. Danach entscheidet die Geschwindigkeit: Rückruf am selben Tag, Gespräch mit Mitfahrt in derselben Woche, Zusage innerhalb von zwei Tagen.

Wie sich derselbe Engpass bei anderen Rollen zeigt, liest Du in den Leitfäden Elektroniker finden und Fachkräfte finden im Mittelstand.

Berufskraftfahrer finden lassen?

Alles in diesem Leitfaden kannst Du selbst umsetzen. Es braucht Zeit für Kampagne, Video und Telefonate, und jemanden, der Fahrer am Abend zurückruft. Wenn diese Kapazität fehlt, übernehmen wir den Teil bis zum Vorstellungsgespräch.

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Quellen

Gian-Marco Blum

Über den Autor

Geschäftsführer

Gian-Marco Blum ist Geschäftsführer der Candidate Flow® GmbH in Düsseldorf. Im Blog schreibt er über Recruiting und Fachkräftegewinnung: Social Recruiting, Arbeitgebermarke, Bewerbungsprozesse und das, was sich aus über 5.000 Partnerunternehmen gelernt hat.

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