16 Min. Lesezeit

Steuerfachangestellte finden: Wie Deine Kanzlei Fachkräfte gewinnt, mit 8 Wegen, Kosten und Prozess

Die Abschlusssaison steht vor der Tür, zwei Schreibtische sind leer, und auf die Anzeige für eine Steuerfachangestellte kam seit Wochen keine passende Bewerbung. So geht es vielen Kanzleien: Laut Bundessteuerberaterkammer konnte nicht einmal jede vierte suchende Kanzlei alle offenen Stellen besetzen.

Steuerfachangestellte finden: Dieser Leitfaden zeigt Dir den Weg in sieben Teilen: was den Beruf ausmacht und wie er sich von Steuerfachwirt und Bilanzbuchhalter unterscheidet, wie eng der Markt laut Bundesagentur für Arbeit ist, was Fachkräfte verdienen und erwarten, acht Wege mit Kosten und Aufwand im Vergleich, ein Einstellungsprozess in sechs Schritten, Rechenbeispiele und ein Fall aus der Kanzlei.

Stand: 6. Oktober 2026 · Zahlen prüfen wir jährlich im Dezember.

Steuerfachangestellte und Steuerberater gehen in der Kanzlei gemeinsam einen Ordner mit Belegen durch

Kurzfassung

  • Steuerfachangestellte sind Fachkräfte mit dreijähriger dualer Ausbildung in Steuerkanzleien. Sie bearbeiten Finanzbuchhaltung, Lohnabrechnung, Steuererklärungen und Jahresabschlüsse.
  • Der Markt ist praktisch leer: Laut Bundesagentur für Arbeit kam 2025 rechnerisch 1,0 arbeitsuchende Person auf eine gemeldete Stelle, und eine Stelle blieb im Median 118 Tage offen.
  • Einzelkanzleien trifft es am härtesten: Laut STAX 2024 der Bundessteuerberaterkammer blieben dort 59,1 Prozent aller offenen Stellen unbesetzt, 2018 waren es 35,9 Prozent.
  • Die meisten guten Steuerfachangestellten sind fest angestellt und suchen nicht. Kanzleien, die nur inserieren, erreichen einen kleinen Teil des Marktes.
  • Entscheidend sind ein konkretes Angebot (Gehaltsspanne, Arbeitszeit, Homeoffice, Mandantenstruktur), ein kurzer Bewerbungsweg und ein Rückruf am selben Tag.

Was sind Steuerfachangestellte? Definition und Abgrenzung

Steuerfachangestellte sind kaufmännische Fachkräfte, die in Steuerberatungskanzleien die laufende Arbeit für Mandanten erledigen: Belege buchen, Löhne abrechnen, Steuererklärungen vorbereiten und Jahresabschlüsse erstellen. Wer bei Google „Steuerfachangestellte finden“ eingibt, ist fast immer Kanzleiinhaber oder Personalverantwortlicher und sucht Wege, die heute noch Bewerbungen bringen.

Steuerfachangestellte ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz. Die Ausbildung dauert drei Jahre und folgt seit dem 1. August 2023 der neuen Steuerfachangestellten-Ausbildungsverordnung vom 3. August 2022. Zuständige Stelle sind die Steuerberaterkammern. Die Abschlussprüfung umfasst Steuerrecht und Steuererklärungen, Finanzbuchhaltung, Entgeltabrechnung und Jahresabschluss, Mandantenberatung sowie Wirtschafts- und Sozialkunde.

Rund um den Beruf gibt es mehrere Bezeichnungen, die Kanzleien in Anzeigen oft durcheinanderwerfen. So grenzen sie sich ab:

  • Steuerfachwirt: Fortbildung für erfahrene Steuerfachangestellte, Prüfung bei der Steuerberaterkammer. Steuerfachwirte übernehmen anspruchsvollere Abschlüsse, betreuen Mandate eigenständig und führen oft Teams.
  • Bilanzbuchhalter: Fortbildung mit Schwerpunkt Rechnungswesen und Abschluss, in Kanzleien und in Unternehmen gefragt. Die Bundesagentur für Arbeit fasst Steuerfachwirte und Bilanzbuchhalter in der Steuerberatung auf Spezialistenniveau zusammen.
  • Fachassistent Lohn und Gehalt oder Fachassistent Rechnungswesen und Controlling: Fortbildungen der Steuerberaterkammern für Spezialisierungen.
  • Steuerberater: Berufsträger nach bestandener Steuerberaterprüfung. Nach § 36 Absatz 2 Steuerberatungsgesetz können Steuerfachangestellte nach acht Jahren praktischer Tätigkeit zur Prüfung zugelassen werden, mit Steuerfachwirt oder Bilanzbuchhalter nach sechs Jahren.
  • Finanz- und Lohnbuchhalter: kaufmännische Fachkräfte mit Buchhaltungserfahrung, oft aus Unternehmen. Sie sind ein möglicher Quereinstieg in die Kanzlei, aber ohne Steuerrecht in der Breite.

Für die Suche ist diese Abgrenzung wichtig: Je genauer die Anzeige sagt, ob Du eine Steuerfachangestellte für Finanzbuchhaltung, einen Steuerfachwirt für Abschlüsse oder eine Lohnspezialistin suchst, desto passender sind die Bewerbungen. Wie ein Anforderungsprofil in 20 Minuten entsteht, beschreibt der Leitfaden Recruiting-Prozess.

Warum ist es so schwer, Steuerfachangestellte zu finden? Die Zahlen 2026

Steuerfachangestellte finden ist schwer, weil es bundesweit rechnerisch nur eine arbeitsuchende Person je gemeldeter Stelle gibt und weil Kanzleien seit Jahren mehr Stellen ausschreiben, als sie besetzen können. Die Bundesagentur für Arbeit führt den Beruf in der Engpassanalyse 2025 als Engpassberuf, auf Fachkraft- wie auf Spezialistenniveau.

Steuerfachangestellte in Zahlen

118 TageVakanzzeit im MedianBerufe in der Steuerberatung, Fachkraftniveau, Jahresdurchschnitt 2025 (BA, Engpassanalyse 2025)
1,0Arbeitsuchende je gemeldeter StelleFachkraftniveau, Jahresdurchschnitt 2025 (BA, Engpassanalyse 2025)
59,1 %offene Stellen unbesetztin Einzelkanzleien, 2022 und 2023, 2018 noch 35,9 % (BStBK, STAX 2024)
17.081Auszubildendezum 1. Januar 2026, 1,3 % weniger als im Vorjahr (BStBK, Berufsstatistik 2025)

Die wichtigste Quelle zur Lage in den Kanzleien ist das Statistische Berichtssystem für Steuerberater, kurz STAX 2024. Das Institut für Demoskopie Allensbach hat dafür im Frühjahr 2024 im Auftrag der Bundessteuerberaterkammer 5.815 Steuerberater befragt, Bezugsjahr ist 2023. Fast vier von zehn Einzelkanzleien und neun von zehn Berufsausübungsgesellschaften haben in den zwei Jahren davor offene Stellen besetzen wollen. Gesucht wurden vor allem Steuerfachangestellte: 32 Prozent der Einzelkanzleien und 75,7 Prozent der Berufsausübungsgesellschaften hatten hier Vakanzen. In Einzelkanzleien waren 39 Prozent aller offenen Stellen solche für Steuerfachangestellte.

Die Besetzung gelingt immer seltener. Nur 23,2 Prozent der suchenden Kanzleien konnten alle offenen Stellen besetzen, in beiden Kanzleiformen. 2018 lag dieser Wert bei 51,8 Prozent in Einzelkanzleien und 58,5 Prozent in Berufsausübungsgesellschaften. 43,4 Prozent der suchenden Einzelkanzleien konnten gar keine Stelle besetzen. Berufsausübungsgesellschaften ließen im Schnitt 29,1 Prozent ihrer offenen Stellen unbesetzt, am häufigsten Stellen für Steuerfachwirte (49,0 Prozent) und Fachassistenten (42,6 Prozent). Als häufigsten Grund nennen die Kanzleien, dass es keine oder keine geeigneten Bewerber gab. An dritter Stelle stehen zu hohe Gehaltsforderungen.

Der Nachwuchs gleicht die Lücke nicht aus. Laut Berufsstatistik 2025 der Bundessteuerberaterkammer waren zum 1. Januar 2026 bundesweit 17.081 Ausbildungsverhältnisse registriert, 220 weniger als ein Jahr zuvor, dazu 2.113 Umschüler. Gleichzeitig liegt das Durchschnittsalter der Steuerberater bei 53,7 Jahren. Viele Kanzleien stehen also gleichzeitig vor Nachfolge, Fristendruck und leerem Bewerbermarkt.

Was Steuerfachangestellte verdienen

Die Gehälter sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, ein typisches Zeichen für einen Engpass. Die Tabelle zeigt die amtlichen Werte für die beiden Niveaus der Steuerberatungsberufe.

BerufsgruppeEinstufungVakanzzeit (Median)Arbeitsuchende je StelleMedianlohn im MonatMittlere HälfteLohnplus 2021–2024
Steuerfachangestellte (Fachkraft)Engpassberuf118 Tage1,03.654 €2.998 bis 4.472 €16,4 %
Steuerfachwirte und Bilanzbuchhalter (Spezialist)Engpassberuf142 Tage1,24.629 €3.839 bis 5.772 €13,7 %

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Engpassanalyse 2025 (Jahresdurchschnitt 2025, Entgeltentwicklung Dezember 2021 bis Dezember 2024) und Entgeltatlas (Stichtag 31.12.2025, Vollzeit, brutto, Deutschland). Die mittlere Hälfte reicht vom unteren bis zum oberen Quartil. Im Entgeltatlas sind auf Fachkraftniveau gut 70.000 Vollzeitbeschäftigte in der Steuerberatung erfasst. Ob Deine Stelle in Deiner Region besetzbar ist, hängt stark vom Gehalt im Vergleich zum Umfeld ab; wie Du das einschätzt, erklärt der Ratgeber zur Besetzbarkeit.

Was wollen Steuerfachangestellte von einer Kanzlei?

Steuerfachangestellte wechseln, wenn eine Kanzlei ihnen konkret mehr bietet als die jetzige: ein besseres Gehalt, planbare Arbeitszeiten auch in der Abschlusssaison, Homeoffice, moderne Arbeitsweise und eine klare Entwicklung bis zum Steuerfachwirt oder Steuerberater. Allgemeine Versprechen reichen nicht, weil jede Kanzlei sie macht.

Fünf Punkte entscheiden in der Praxis, ob eine erfahrene Steuerfachangestellte überhaupt antwortet:

  • Gehalt mit Spanne: Wer vergleichen kann, bewirbt sich eher. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (Richtlinie (EU) 2023/970) gibt Bewerbern ein Recht auf Angaben zum Einstiegsentgelt oder dessen Spanne und verbietet die Frage nach dem bisherigen Gehalt. Die Frist zur Umsetzung endete am 7. Juni 2026.
  • Arbeitszeit und Saison: Wie viele Überstunden fallen von Januar bis Mai und vor den Fristen an, und wie werden sie ausgeglichen? Gleitzeit, Teilzeit und eine Vier-Tage-Woche sind starke Argumente.
  • Homeoffice: Mit digitalen Belegen und Kanzleisoftware ist die Arbeit ortsunabhängig möglich. Sag, wie viele Tage gehen.
  • Mandantenstruktur und Aufgaben: Eigene Mandate, Branchen, Anteil Fibu, Lohn und Abschluss. Wer Lohn hasst, will das vorher wissen.
  • Entwicklung: Bezahlte Fortbildung zum Steuerfachwirt, Fachassistenten oder Bilanzbuchhalter, Freistellung für die Steuerberaterprüfung, klarer Weg zur Teamleitung.

Die Branche selbst setzt genau hier an. Bundessteuerberaterkammer, Deutscher Steuerberaterverband und DATEV haben am 13. Mai 2024 eine gemeinsame Fachkräfteinitiative gestartet: eine Imagekampagne für 14- bis 20-Jährige unter zahltsichausbildung.de und Hilfen für Kanzleien unter initiative-gemeinsam-handeln.de. Das hilft beim Nachwuchs in einigen Jahren. Für die offene Stelle heute brauchst Du ausgebildete Fachkräfte, die schon in einer anderen Kanzlei arbeiten. Was ein Arbeitgeber dafür nach außen zeigen muss, beschreibt der Ratgeber Personalmarketing.

Steuerfachangestellte finden: 8 Wege mit Kosten, Dauer und Aufwand

Steuerfachangestellte finden kannst Du über acht gängige Wege: eigene Karriereseite, Jobbörsen, Arbeitsagentur, Empfehlungen aus dem Team, Ausbildung und Umschulung, Social Recruiting, Personalvermittlung oder Headhunter und eine Recruiting Agentur mit Kampagnen. Sie unterscheiden sich darin, ob sie nur aktiv Suchende erreichen oder auch Fachkräfte in fester Anstellung.

Laut STAX 2024 suchen Kanzleien heute vor allem online: 62 Prozent schrieben offene Stellen auf der eigenen Website aus, 59,7 Prozent in Online-Stellenbörsen, 43,5 Prozent setzten auf die Vermittlung durch Arbeitsagentur oder Jobcenter, 37,4 Prozent auf soziale Medien wie Instagram, 35,5 Prozent auf Netzwerke der Mitarbeiter, 33,2 Prozent auf LinkedIn oder XING, 25,2 Prozent auf die Steuerberaterkammern und 24,6 Prozent auf Headhunter. Berufsausübungsgesellschaften nutzten im Schnitt 4,3 Wege, Einzelkanzleien 3,2.

1. Eigene Karriereseite

Die Karriereseite ist selten der Ort, an dem Bewerber Dich finden, aber fast immer der Ort, an dem sie Dich prüfen. Fotos vom echten Team, die Arbeitsweise (digitale Belege, Kanzleisoftware, Homeoffice-Regel), ein paar Sätze von Kolleginnen und je Stelle eine Seite mit Gehaltsspanne wirken stärker als ein allgemeiner Text über Werte.

Kosten
einmalig für Seite und Fotos
Dauer
wirkt nur mit Besuchern
Aufwand
mittel, dann gering
Typischer Fehler
Stelle ohne Gehalt und Homeoffice-Regel

2. Jobbörsen und Kammer-Stellenbörsen

Allgemeine Jobbörsen und die Stellenbörsen der Steuerberaterkammern erreichen Menschen, die aktiv suchen. Bei 1,0 Arbeitsuchenden je Stelle sind das wenige, und jede Kanzlei im Umkreis inseriert für dieselben Leute. Anzeigen funktionieren besser für Auszubildende und in Ballungsräumen mit vielen Kanzleien. Wie eine Anzeige aufgebaut sein muss, steht im Leitfaden Stellenanzeigen schreiben.

Kosten
kostenlos bis je Anzeige
Dauer
Wochen bis Monate
Aufwand
gering bis mittel
Typischer Fehler
dieselbe Anzeige seit Monaten

3. Arbeitsagentur

Der Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit ist für Unternehmen kostenlos. Er erreicht Menschen, die arbeitsuchend gemeldet sind. Für Steuerfachangestellte sind das bundesweit kaum mehr als offene Stellen. Interessant ist die Agentur für Umschulungen: Zum 1. Januar 2026 waren bei den Steuerberaterkammern 2.113 Umschüler zum Steuerfachangestellten registriert. Frag bei der Agentur nach, welche Förderung für eine Umschulung in Deiner Kanzlei möglich ist; so bekommst Du eine Fachkraft, die Du selbst prägst.

Kosten
kostenlos
Dauer
Wochen bis Monate
Aufwand
gering
Typischer Fehler
nur melden, nie nachfassen

4. Empfehlungen aus dem Team

Steuerfachangestellte kennen andere Steuerfachangestellte aus Berufsschule, Fortbildung und früheren Kanzleien. Laut IAB-Stellenerhebung gaben persönliche Kontakte 2025 bei 27 Prozent aller Neueinstellungen den Ausschlag (IAB-Forum, Juni 2026). Eine klare Prämie, gezahlt in zwei Raten nach Arbeitsbeginn und nach der Probezeit, macht Empfehlungen planbar. Die Grenze: Das Netzwerk ist klein und nach ein, zwei Einstellungen ausgeschöpft.

Kosten
Prämie je Einstellung
Dauer
Tage bis Wochen
Aufwand
gering
Typischer Fehler
Prämie, von der niemand weiß

5. Ausbildung und Umschulung

Wer selbst ausbildet, baut den eigenen Nachwuchs auf. Die Bundessteuerberaterkammer weist in ihrer Berufsstatistik 2025 für Mecklenburg-Vorpommern eine Ausbildungsquote von 30,9 Prozent aus, bundesweit liegt sie bei 16,1 Prozent. Praktika in den Ferien, Kooperationen mit Wirtschaftsgymnasien und eine Antwort auf jede Anfrage innerhalb von 24 Stunden helfen. Die Grenze: Eine Auszubildende ist frühestens nach drei Jahren eine Fachkraft, eine erfahrene Kollegin für eigene Mandate ersetzt sie nicht.

Kosten
Ausbildungsvergütung, Zeit
Dauer
drei Jahre
Aufwand
hoch
Typischer Fehler
Übernahme nicht früh zugesagt

6. Social Recruiting

Beim Social Recruiting erscheint Deine Stelle als Anzeige bei Menschen mit passendem Beruf in Deiner Region, auf Facebook, Instagram oder anderen Netzwerken. So erreichst Du Steuerfachangestellte, die in einer anderen Kanzlei arbeiten und keine Jobbörse öffnen. Entscheidend sind ein Motiv aus dem echten Kanzleialltag, ein Formular, das am Handy in einer Minute ausgefüllt ist, und der Rückruf am selben Tag. Was das am Markt kostet, vergleicht der Ratgeber Was kostet Social Recruiting.

Kosten
Werbebudget plus Erstellung
Dauer
erste Bewerbungen in Tagen
Aufwand
hoch, wenn selbst gemacht
Typischer Fehler
Rückruf erst nach Tagen

7. Personalvermittlung und Headhunter

Ein Vermittler oder Headhunter sucht Kandidaten und erhält bei Einstellung eine Provision. Personalberatungen berechneten 2024 laut BDU im Schnitt 27,5 Prozent des Zieleinkommens. Für angestellte Steuerberater und Teamleitungen ist das oft angemessen, für mehrere Steuerfachangestellte wird es teuer. Modelle und Vertragsfallen erklären die Ratgeber Personalvermittlung und Headhunter.

Kosten
Provision je Einstellung
Dauer
Wochen bis Monate
Aufwand
gering
Typischer Fehler
Vertrag ohne Regel für die Probezeit

8. Recruiting Agentur mit Kampagnen

Eine Recruiting Agentur übernimmt Kampagnen und oft auch die Vorauswahl. Du stellst fest an und zahlst in der Regel einen vorher vereinbarten Preis statt einer Provision je Kopf. Wer nur die Kampagnen in sozialen Netzwerken abgeben will, sucht eine Social Recruiting Agentur. Der Unterschied liegt darin, wer die Bewerber anruft und prüft: Manche Agenturen schicken Dir nur Kontaktdaten, andere übergeben vorqualifizierte Kandidaten mit Termin.

Kosten
fester Preis je Auftrag
Dauer
erste Bewerbungen in Tagen
Aufwand
gering bis mittel
Typischer Fehler
Agentur ohne Kanzleierfahrung

Welcher Weg passt zu welcher Stelle in der Kanzlei? Die Wege im Vergleich

Für eine angestellte Steuerberaterin passt oft ein Headhunter, für zwei Steuerfachangestellte eine Kampagne, für den Nachwuchs die eigene Ausbildung und für jede Stelle eine aktuelle Karriereseite als Prüfstein. Die Tabelle fasst zusammen, wen jeder Weg erreicht und was er kostet.

WegErreichtAbrechnungBis zur ersten BewerbungAufwand in der KanzleiPasst für
KarriereseiteMenschen, die Dich schon kenneneinmaligunbestimmtgeringPrüfstein für alle Wege
Jobbörsen, Kammer-Börsenaktiv Suchendekostenlos bis je AnzeigeWochenmittelAuszubildende, Ballungsräume
ArbeitsagenturArbeitsuchende, UmschülerkostenlosWochen bis MonategeringUmschulung, Quereinstieg
EmpfehlungenNetzwerk des TeamsPrämie je EinstellungTagegeringjede Stelle, wenige Köpfe
AusbildungSchulabgängerVergütungMonatehochNachwuchs in drei Jahren
Social Recruiting selbstauch nicht aktiv SuchendeWerbebudgetTagehochKanzleien mit Zeit und Know-how
Personalvermittlung, HeadhunterKartei, DirektanspracheProvision je KopfWochengeringBerufsträger, Teamleitung
Recruiting Agentur mit Kampagnenauch nicht aktiv Suchendefester Preis je AuftragTagegering, wenn vorqualifiziertmehrere Fachkräfte, laufender Bedarf

In der Praxis kombinieren erfolgreiche Kanzleien zwei bis drei Wege: eine Empfehlungsprämie, eine Karriereseite mit Gehaltsspanne und einen Kanal, der auch Fachkräfte erreicht, die nicht suchen. Den Überblick über alle Kanäle der Personalsuche und eine Bewertung nach Wirkung und Aufwand gibt der Katalog Recruiting-Maßnahmen. Branchenübergreifend beschreibt Mitarbeiter finden die Grundlagen.

Wie läuft die Einstellung einer Steuerfachangestellten ab? 6 Schritte

Eine gute Einstellung dauert von der ersten Bewerbung bis zur Zusage höchstens zwei Wochen und hat sechs Schritte: Profil, Anzeige mit Gehalt, kurzer Bewerbungsweg, Rückruf am selben Tag, Gespräch mit Kanzleirundgang und schnelle Zusage. Wer langsamer ist, verliert gute Kandidatinnen an die Kanzlei nebenan.

  1. Profil in 20 Minuten: Welche Aufgaben (Fibu, Lohn, Abschluss, Erklärungen), welche Mandate, welche Software, welche Arbeitszeit, welches Gehalt? Was ist Pflicht (Abschluss als Steuerfachangestellte), was ist schön (Erfahrung mit Lohn im Baugewerbe, Fortbildung zum Steuerfachwirt)?
  2. Anzeige mit Fakten: Gehaltsspanne, Stunden, Homeoffice-Tage, Regel für Überstunden in der Saison, Ansprechpartner mit Namen und Telefonnummer. Die Ausschreibung muss nach § 11 AGG diskriminierungsfrei sein, deshalb „(m/w/d)“ und keine Altersvorgaben.
  3. Bewerbung in einer Minute: Name, Telefonnummer, Abschluss, Berufserfahrung, Schwerpunkt, frühester Start. Lebenslauf und Zeugnisse lässt Du im Gespräch nachreichen.
  4. Rückruf am selben Tag: Im ersten Telefonat klärst Du Abschluss, Schwerpunkte, Softwarekenntnisse, Wechselgrund, Gehaltsvorstellung und Kündigungsfrist.
  5. Gespräch innerhalb einer Woche: Zeig das Team, den Arbeitsplatz und die Arbeitsweise. Eine kleine Fallaufgabe aus dem Kanzleialltag (Buchungssatz, Lohnfrage) zeigt mehr als jedes Zeugnis. Der Steuerberater sollte dabei sein, denn er ist der künftige Chef.
  6. Zusage innerhalb von 48 Stunden: Schriftliches Angebot mit Gehalt, Start, Homeoffice-Regel und Fortbildungszusage. Danach bis zum ersten Arbeitstag Kontakt halten, denn bei drei Monaten Kündigungsfrist macht die alte Kanzlei oft ein Gegenangebot.

Zeitvorgaben und Vorlagen für Rückruf, Einladung und Zusage enthält der Leitfaden Recruiting-Prozess. Welche Kennzahlen Du dabei misst, erklärt Recruiting-KPIs.

Was kostet es, eine Steuerfachangestellte zu finden?

Eine Steuerfachangestellte zu finden kostet je nach Weg zwischen nichts (Arbeitsagentur) und rund einem Viertel eines Jahresgehalts. Bei einem Personalberater mit dem Durchschnittshonorar von 27,5 Prozent laut BDU sind das für eine Steuerfachangestellte mit Mediangehalt rund 12.060 Euro, für einen Steuerfachwirt rund 15.280 Euro.

Rechenbeispiel: Provision je Berufsgruppe

Rechenweg: Medianlohn im Monat laut Entgeltatlas × 12 × 0,275. Eigene Rechnung, ohne Sonderzahlungen und Mehrwertsteuer. Vermittler arbeiten teils mit anderen Sätzen oder Festpreisen; der Wert zeigt die Größenordnung.

BerufsgruppeMedianlohn im MonatJahreslohnProvision bei 27,5 %
Steuerfachangestellte3.654 €43.848 €rund 12.060 €
Steuerfachwirte und Bilanzbuchhalter4.629 €55.548 €rund 15.280 €

Die Kosten der offenen Stelle

Teurer als jede Suche ist oft die Stelle, die nicht besetzt wird. Bei 118 Tagen Vakanzzeit im Median fehlt einer Kanzlei rund vier Monate lang eine Fachkraft. Die Kosten rechnest Du so: abrechenbare Stunden, die die fehlende Kollegin im Monat geleistet hätte, mal Deckungsbeitrag je Stunde, mal Monate ohne Besetzung. Dazu kommen Überstunden im Team und Mandate, die Du ablehnen musst. Ein Beispiel mit angenommenen Werten: 110 abrechenbare Stunden im Monat und 30 Euro Deckungsbeitrag je Stunde ergeben 3.300 Euro im Monat, über vier Monate 13.200 Euro, bevor ein einziges abgelehntes Mandat eingerechnet ist. Setz Deine eigenen Zahlen ein. Der Vergleich zeigt meist, dass sich eine schnellere Besetzung rechnet.

Wie haben Kanzleien Steuerfachangestellte gefunden? Ein Beispiel

Kanzleien, bei denen Anzeigen kaum noch Bewerbungen bringen, besetzen Stellen über regionale Kampagnen mit telefonischer Vorqualifizierung. Die Die-Treu Treuhand- und Steuerberatungsgesellschaft erhielt über Candidate Flow® 11 Bewerbungen und stellte 2 Steuerfachangestellte ein.

Die-Treu Treuhand- und Steuerberatungsgesellschaft11 Bewerbungen, 2 Steuerfachangestellte eingestellt. Ergebnis ansehen
Bosch Car Service Wankendorf31 Bewerbungen, darunter ein Finanzbuchhalter eingestellt, außerhalb der Kanzlei. Ergebnis ansehen

Der Ablauf ist in jeder Kampagne gleich: Candidate Flow® schaltet regionale Kampagnen, führt die Telefonate mit den Bewerbern, prüft Qualifikation, Eignung, Wechselmotivation, Gehaltsvorstellung und Verfügbarkeit und terminiert die Vorstellungsgespräche. Bei Kanzleien gehören dazu Abschluss, Schwerpunkt in Fibu, Lohn oder Abschluss und die Erfahrung mit der Kanzleisoftware. Die Kanzlei führt das Gespräch und entscheidet, wen sie einstellt. Die erste Einstellung erfolgt im Schnitt nach 23 Tagen, in den öffentlich dokumentierten Fällen kamen 6,8 Bewerbungen auf eine Einstellung (Ergebnisse).

Candidate Flow® ist das Recruiting-System für den Mittelstand und besetzt Stellen in über 50 Branchen. Im Candidate Flow® Pool stehen über 210.000 Kandidaten, über 5.000 Unternehmen haben mit uns mehr als 19.000 Einstellungen erreicht. Welche Positionen wir für Kanzleien besetzen, steht auf der Seite Fachkräfte in der Steuerberatung.

6 Fehler bei der Suche nach Steuerfachangestellten

Die häufigsten Fehler bei der Suche nach Steuerfachangestellten sind Anzeigen ohne Gehalt, langsame Rückrufe, Pflicht-Anschreiben, Schweigen über die Saison, ein einziger Kanal und fehlender Kontakt bis zum ersten Arbeitstag.

  1. Anzeige ohne Gehalt. Die Kandidatin vergleicht drei Kanzleien. Zwei nennen eine Spanne, Deine nicht. Sie ruft bei den anderen beiden an.
  2. Rückruf nach drei Tagen. Die Bewerberin hat sich an einem Dienstagabend gemeldet. Die Kanzlei im Nachbarort hat am Mittwochmorgen angerufen und für Freitag eingeladen.
  3. Anschreiben und Zeugnisse als Pflicht. Die erfahrene Steuerfachangestellte hat seit acht Jahren keine Bewerbung geschrieben. Sie schiebt es auf die Zeit nach den Fristen und vergisst es.
  4. Schweigen über die Saison. Im Gespräch fällt kein Wort zu Überstunden von Januar bis Mai. Die Kandidatin fragt nach und hört eine ausweichende Antwort. Sie sagt ab.
  5. Nur ein Kanal. Die Anzeige läuft seit einem halben Jahr in derselben Börse. Bei einer arbeitsuchenden Person je Stelle erreicht sie fast niemanden, der wechseln würde.
  6. Funkstille nach der Zusage. Zwischen Unterschrift und Start liegen drei Monate Kündigungsfrist. Die alte Kanzlei bietet mehr Geld und einen Homeoffice-Tag, und von Dir hat sie nichts gehört.

Fazit

Steuerfachangestellte finden ist für Kanzleien schwer: 118 Tage Vakanzzeit im Median, eine arbeitsuchende Person je Stelle und in Einzelkanzleien mehr als die Hälfte der offenen Stellen unbesetzt. Wer nur Anzeigen für aktiv Suchende schaltet, erreicht deshalb einen kleinen Teil des Marktes. Erfolgreich sind Kanzleien, die ein konkretes Angebot mit Gehaltsspanne und Homeoffice-Regel machen, auch Fachkräfte in fester Anstellung ansprechen, am selben Tag zurückrufen und innerhalb von 48 Stunden zusagen.

Weiterlesen: Fachkräfte finden im Mittelstand für den Blick auf andere Branchen und Employer Branding für den Ruf als Arbeitgeber.

Willst Du die Suche nicht selbst machen?

Das Candidate Flow® System übernimmt Kampagnen, Telefonate und Terminierung bis zum Vorstellungsgespräch, mit Einstellungs- und Probezeitgarantie: Einstellung in 30 Tagen, schriftlich garantiert. Umfang und Bedingungen vereinbaren wir individuell und halten sie vor dem Start schriftlich im Vertrag fest. Ob Deine Stelle in Deiner Region besetzbar ist, klärt der kostenlose Kurzcheck.

Besetzbarkeit prüfen

Unverbindlich · schriftliche Einstellungs- und Probezeitgarantie · 2-fach TÜV-geprüft

Quellen

Gian-Marco Blum

Über den Autor

Geschäftsführer

Gian-Marco Blum ist Geschäftsführer der Candidate Flow® GmbH in Düsseldorf. Im Blog schreibt er über Recruiting und Fachkräftegewinnung: Social Recruiting, Arbeitgebermarke, Bewerbungsprozesse und das, was sich aus über 5.000 Partnerunternehmen gelernt hat.

Häufige Fragen.

Prüfe die Besetzbarkeit Deiner offenen Stellen.

Wir prüfen Position, Region und Bedarf und zeigen Dir, welche Besetzung wir verbindlich absichern können.

Besetzbarkeit prüfen 4.7 TrustScore auf Trustpilot · 479 Bewertungen