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Recruiting Handwerk: Wie Du Gesellen und Meister findest, mit 8 Wegen, Kosten und Prozess

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Recruiting im Handwerk, auch Personalgewinnung oder Mitarbeitergewinnung im Handwerk, ist der Prozess von der Bedarfsklärung bis zur unterschriebenen Zusage für Gesellen, Meister und Monteure. Weil die meisten Fachkräfte einen Job haben und nicht suchen, wirken im Handwerk vor allem Empfehlungen, regionale Kampagnen in sozialen Medien und ein Rückruf am selben Tag.

Die Anzeige läuft seit Wochen, das Postfach bleibt leer, und Aufträge müssen warten. So sieht Recruiting im Handwerk in vielen Unternehmen aus, denn eine Stelle war 2025 laut Bundesagentur für Arbeit im Schnitt 242 Tage unbesetzt. Wer bei Google „Recruiting Handwerk“ sucht, will wissen, was heute noch Bewerbungen bringt.

Dieser Leitfaden erklärt, warum klassische Stellenanzeigen im Handwerk ins Leere laufen, vergleicht acht Wege der Personalsuche mit Kosten, Dauer und Aufwand, zeigt einen Recruiting-Prozess in sechs Schritten, rechnet die Kosten je Beruf vor und belegt mit Beispielen aus SHK, Bau, Metallbau, Dach und Bäckerei, wie Handwerksunternehmen ihre Stellen besetzt haben.

Stand: 6. Oktober 2026 · Zahlen prüfen wir jährlich im Dezember.

SHK-Meister zeigt einem neuen Gesellen im Heizungskeller eine Rohrverbindung an der Heizungsanlage

Kurzfassung

  • Recruiting im Handwerk ist die planmäßige Suche, Ansprache, Auswahl und Einstellung von Gesellen, Meistern, Monteuren, Helfern und Auszubildenden für Handwerksunternehmen.
  • Eine Stelle im Handwerk war 2025 laut Bundesagentur für Arbeit im Schnitt 242 Tage vakant, über alle Berufe waren es 167 Tage.
  • Die meisten guten Gesellen suchen nicht aktiv. Wer nur auf Jobbörsen inseriert, erreicht einen kleinen Teil des Marktes.
  • Schnelligkeit entscheidet: kurzes Formular am Handy, Rückruf am selben Tag, Gespräch innerhalb einer Woche, Zusage vor der Konkurrenz.
  • Die Kosten reichen von einer Empfehlungsprämie bis zu rund 27,5 Prozent eines Jahresgehalts beim Personalberater (laut BDU); die teuerste Variante ist oft die Stelle, die monatelang offen bleibt.

Was ist Recruiting im Handwerk? Definition und Abgrenzung

Recruiting im Handwerk umfasst alles, was ein Handwerksunternehmen tut, um eine offene Stelle mit einer passenden Fachkraft zu besetzen: Bedarf klären, Menschen erreichen, Bewerbungen prüfen, Gespräche führen, einstellen und einarbeiten. Wer bei Google „Recruiting Handwerk“, „Personalsuche Handwerk“ oder „Personal finden Handwerk“ eingibt, sucht in aller Regel nach Wegen, die heute noch Bewerbungen bringen.

Recruiting (deutsch: Personalgewinnung) ist der Prozess von der Bedarfsklärung bis zur unterschriebenen Zusage. Im Handwerk richtet er sich vor allem an gewerbliche Fachkräfte mit Berufsausbildung, an Meister und Techniker sowie an Auszubildende, die meist regional, mit Führerschein und oft im Kundendienst arbeiten. Die Besonderheit: Ein großer Teil der passenden Kandidaten ist fest angestellt und sucht nicht aktiv.

Die Begriffe rund um Recruiting im Handwerk überschneiden sich. So grenzen sie sich ab:

  • Personalsuche: der sichtbare Teil des Recruitings, also Anzeigen, Kanäle und Ansprache. Einen Überblick über acht Kanäle gibt der Ratgeber Personalsuche.
  • Mitarbeitergewinnung: der weitere Begriff, der auch Bindung und Arbeitgeberattraktivität einschließt. Wer „Mitarbeitergewinnung Handwerk“ oder „Mitarbeiter gewinnen Handwerk“ sucht, will meist dasselbe wie hier: Wege zu neuen Gesellen und Meistern. Wie Du sie danach hältst, steht im Ratgeber Mitarbeiterbindung im Handwerk, den branchenübergreifenden Überblick gibt der Leitfaden Mitarbeitergewinnung.
  • Personalbeschaffung: der betriebswirtschaftliche Oberbegriff für interne und externe Besetzung, beschrieben im Ratgeber Personalbeschaffung.
  • Mitarbeiter finden: die Frage, die hinter allem steht. Den Leitfaden speziell für Handwerksunternehmen findest Du unter Mitarbeiter im Handwerk finden, den branchenübergreifenden Überblick unter Mitarbeiter finden.
  • Employer Branding: die Arbeit am Ruf als Arbeitgeber. Sie macht Recruiting leichter, ersetzt es aber nicht.

Warum ist Recruiting im Handwerk so schwer? Die Zahlen 2026

Recruiting im Handwerk ist schwer, weil es in mehr als der Hälfte der Handwerksberufe weniger passende Arbeitsuchende als offene Stellen gibt. Laut KOFA konnten 2025 knapp 100.000 offene Stellen in Handwerksberufen rechnerisch nicht besetzt werden, und laut Bundesagentur für Arbeit dauerte die Besetzung im Schnitt 242 Tage.

Recruiting im Handwerk in Zahlen

242 TageVakanzzeit im HandwerkDurchschnitt 2025, über alle Berufe 167 Tage (BA, Presseinfo Nr. 34, 14.09.2026)
knapp 100.000Stellen rechnerisch unbesetzbarFachkräftelücke in Handwerksberufen 2025 (KOFA Kompakt 7/2026)
59 von 115Handwerksberufe mit Engpassin 35 davon seit mindestens zehn Jahren (KOFA Kompakt 7/2026)
123.000gemeldete offene Stellenfür Handwerksberufe, Jahresdurchschnitt 2025 (BA, Presseinfo Nr. 34)

Die Bundesagentur für Arbeit meldete zum Tag des Handwerks im September 2026, dass knapp die Hälfte aller bundesweiten Engpassberufe auf Fachkraftebene auf Handwerksberufe entfällt (Presseinfo Nr. 34). Im Handwerk arbeiteten im Juni 2025 rund 3,36 Millionen Menschen, davon etwa 718.000 im Alter von 55 bis 65 Jahren. Diese Gruppe geht in den nächsten Jahren in Rente. Ein Jahr zuvor hatte die Bundesagentur die Vakanzzeit noch mit 224 Tagen für 2024 angegeben, 2015 waren es 104 Tage (Presseinfo Nr. 37/2025).

Laut KOFA Kompakt 7/2026 des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung im IW Köln standen 2025 knapp 210.000 offenen Stellen in Handwerksberufen nur etwa 140.000 arbeitslose Handwerker gegenüber. Die Fachkräftelücke sank im Handwerk um 9,5 Prozent, in der Gesamtwirtschaft um 24,1 Prozent. Die schwache Konjunktur hat den Arbeitsmarkt im Handwerk also kaum entlastet. Rechnerisch konnten drei von zehn offenen Stellen für Gesellen nicht besetzt werden, bei Meistern fast jede zweite. Die größte Lücke meldet die KOFA in der Bauelektrik, wo mehr als sieben von zehn offenen Stellen rechnerisch unbesetzbar waren.

Welche Handwerksberufe am schwersten zu besetzen sind

Die Engpassanalyse 2025 der Bundesagentur zeigt je Beruf, wie lange Stellen offen bleiben und wie viele Arbeitsuchende auf eine gemeldete Stelle kommen. Liegt der Wert unter 2, ist der Markt praktisch leer; dann reicht eine Anzeige für aktiv Suchende selten aus.

BerufEinstufungVakanzzeit (Median)Arbeitsuchende je StelleMedianlohn im MonatBranchenseite
DachdeckerEngpassberuf155 Tage1,43.783 €Dachdecker
Mechatroniker für KältetechnikEngpassberuf141 Tage0,54.264 €Kälte und Klima
FleischerEngpassberuf140 Tage1,62.904 €Fleischerei
Bäcker und KonditorEngpassberuf134 Tage3,22.980 €Bäckerei
Anlagenmechaniker SHKEngpassberuf120 Tage1,13.884 €SHK
KFZ-MechatronikerEngpassberuf118 Tage1,63.755 €KFZ
MetallbauerEngpassberuf116 Tage1,83.760 €Metallbau
Elektroniker Energie- und GebäudetechnikEngpassberuf109 Tage1,03.935 €Elektro
Tischler und Schreinerunter Beobachtung104 Tage3,03.355 €Tischler
Maurerunter Beobachtung103 Tage2,73.894 €Bau
Maler und Lackiererunter Beobachtung101 Tage4,53.327 €Maler

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Engpassanalyse 2025 (Jahresdurchschnitt 2025) und Entgeltatlas (Stichtag 31.12.2025, Vollzeit, brutto). Die Vakanzzeit je Beruf ist ein Median gemeldeter Stellen und deshalb kürzer als der Durchschnitt von 242 Tagen über das gesamte Handwerk. Wie Du einschätzt, ob Deine Stelle in Deiner Region besetzbar ist, erklärt der Ratgeber zur Besetzbarkeit. Für Dachdecker zeigt der Ratgeber zum Fachkräftemangel bei Dachdeckern Wege, Mindestlohn und den richtigen Zeitpunkt im Jahr. Die Ursachen des Mangels beschreibt Fachkräftemangel im Handwerk.

Warum bringen Stellenanzeigen im Handwerk so wenige Bewerbungen?

Stellenanzeigen im Handwerk bringen wenige Bewerbungen, weil sie nur Menschen erreichen, die gerade aktiv suchen, weil sie austauschbar formuliert sind und weil der Bewerbungsweg für Handwerker zu umständlich ist. Jeder dieser drei Gründe lässt sich beheben.

1. Der Großteil der guten Gesellen sucht nicht

Wenn auf eine Stelle für Anlagenmechaniker rechnerisch nur 1,1 Arbeitsuchende kommen, sind fast alle, die den Beruf beherrschen, irgendwo angestellt. Sie lesen keine Jobbörsen. Viele wären trotzdem bereit zu wechseln, wenn ein Angebot sie im richtigen Moment erreicht: weniger Fahrzeit, ein besseres Team, Kundendienst statt Großbaustelle. Recruiting im Handwerk heißt deshalb vor allem, diese Menschen dort zu erreichen, wo sie ohnehin sind, also in sozialen Netzwerken, im Bekanntenkreis und in der eigenen Region.

2. Die Anzeige sagt nichts, was andere nicht auch sagen

„Familiäres Team“, „pünktliche Bezahlung“, „moderner Fuhrpark“: Solche Sätze stehen in fast jeder Anzeige und lösen bei einem erfahrenen Gesellen nichts aus. Was zählt, sind Fakten, die er mit seiner jetzigen Stelle vergleichen kann: Stundenlohn oder Gehaltsspanne, Arbeitszeit, Einsatzgebiet, Fahrzeug zur Privatnutzung, Bereitschaftsdienst ja oder nein, wer der direkte Vorgesetzte ist. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (Richtlinie (EU) 2023/970) gibt Bewerbern ein Recht auf Angaben zum Einstiegsentgelt oder dessen Spanne, etwa in der Stellenausschreibung oder vor dem Gespräch, und verbietet die Frage nach dem bisherigen Gehalt. Die Frist zur Umsetzung in nationales Recht endete am 7. Juni 2026. Wer die Spanne heute schon nennt, ist vorbereitet und bekommt passendere Bewerbungen. Wie eine gute Anzeige aufgebaut ist, steht im Leitfaden Stellenanzeigen schreiben.

3. Der Bewerbungsweg passt nicht zum Alltag eines Handwerkers

Ein Monteur sieht Deine Anzeige abends auf dem Handy. Wenn er jetzt Lebenslauf, Anschreiben und Zeugnisse als PDF hochladen soll, verschiebt er es aufs Wochenende und meldet sich nie. Ein Formular mit wenigen Fragen, das in einer Minute ausgefüllt ist, und ein Rückruf am nächsten Tag senken diese Hürde. Unterlagen kannst Du im Gespräch nachreichen lassen. Eine Musteranzeige für Fenstermonteure mit Telefon-Prüfpunkten steht im Leitfaden Monteure finden.

Wie wichtig Online-Kanäle inzwischen sind, zeigt die IAB-Stellenerhebung: 2025 waren Online-Portale, die eigene Website oder soziale Medien bei gut der Hälfte aller Neueinstellungen entscheidend, nämlich bei 52 Prozent. Persönliche Kontakte gaben bei 27 Prozent den Ausschlag, Internet-Jobbörsen bei 21 und die eigene Website bei 20 Prozent (IAB-Forum, Juni 2026). Gleichzeitig nutzten 2025 laut Bitkom Research 56 Prozent der Handwerksunternehmen eine eigene Präsenz oder Werbung in sozialen Medien, 2022 waren es 40 Prozent (Bitkom, Oktober 2025).

Personalsuche im Handwerk: 8 Wege mit Kosten, Dauer und Aufwand

Für die Personalsuche im Handwerk gibt es acht gängige Wege: Mitarbeiterempfehlung, eigene Website, Jobbörsen und Arbeitsagentur, Social Recruiting, Ausbildung, Personalvermittlung und Headhunter, Zeitarbeit und eine Recruiting Agentur mit Kampagnen. Sie unterscheiden sich darin, wen sie erreichen, was sie kosten und wie viel Arbeit im Unternehmen bleibt.

1. Mitarbeiterempfehlung

Deine Gesellen kennen andere Gesellen. Eine klare Prämie, die in zwei Raten nach Arbeitsbeginn und nach der Probezeit gezahlt wird, macht Empfehlungen planbar. Laut IAB sind persönliche Kontakte der häufigste entscheidende Besetzungsweg. Die Grenze: Das Netzwerk ist klein und nach zwei, drei Einstellungen ausgeschöpft.

Kosten
Prämie je Einstellung
Dauer
Tage bis Wochen
Aufwand
gering
Typischer Fehler
Prämie, von der niemand weiß

2. Eigene Website und Karriereseite

Laut IAB nutzten 70 Prozent der Arbeitgeber 2025 die eigene Homepage bei der Suche. Für Handwerksunternehmen ist sie selten der Ort, an dem Bewerber Dich finden, aber fast immer der Ort, an dem sie Dich prüfen. Fotos vom echten Team, die Fahrzeuge, ein paar Sätze vom Meister und eine Seite je Stelle mit Gehaltsspanne wirken stärker als allgemeine Werbetexte.

Kosten
einmalig für Seite und Fotos
Dauer
wirkt nur mit Besuchern
Aufwand
mittel, dann gering
Typischer Fehler
Stellen von vor zwei Jahren online

3. Jobbörsen und Arbeitsagentur

Jobbörsen und die Jobbörse der Bundesagentur erreichen Menschen, die aktiv suchen. In Berufen mit mehr Arbeitsuchenden als Stellen, etwa Maler und Lackierer (4,5 je Stelle), funktioniert das besser als bei Kältetechnikern (0,5). Eine Anzeige ist schnell geschaltet; ob sie Bewerbungen bringt, hängt am Beruf und an der Region.

Kosten
kostenlos bis je Anzeige oder Klick
Dauer
Wochen bis Monate
Aufwand
gering bis mittel
Typischer Fehler
dieselbe Anzeige seit Monaten

4. Social Recruiting

Beim Social Recruiting erscheint Deine Stelle als Anzeige bei Menschen mit passendem Beruf im Umkreis ihres Wohnorts, auf Facebook, Instagram oder anderen Netzwerken. So erreichst Du Gesellen, die nicht suchen. Entscheidend sind ein Motiv aus dem echten Arbeitsalltag, ein kurzes Formular und der schnelle Rückruf. Was das am Markt kostet, vergleicht der Ratgeber Was kostet Social Recruiting. Kanäle je Gewerk und eine Kampagne in sechs Schritten zeigt der Leitfaden Social Recruiting im Handwerk.

Kosten
Werbebudget plus Erstellung
Dauer
erste Bewerbungen in Tagen
Aufwand
hoch, wenn selbst gemacht
Typischer Fehler
Rückruf erst nach Tagen

5. Ausbildung und Praktika

Wer selbst ausbildet, baut den eigenen Nachwuchs auf. Laut KOFA stieg die Ausbildungsplatznachfrage in Handwerksberufen mit dauerhaftem Engpass seit 2016 sogar um 8,4 Prozent, während sie in Berufen ohne Engpass um knapp 5 Prozent zurückging. Gleichzeitig blieben 2025 fast 22.000 Ausbildungsstellen im Handwerk unbesetzt. Schulkooperationen, Praktika in den Ferien und eine schnelle Antwort auf jede Anfrage helfen. Wie das konkret geht, steht im Ratgeber Azubis finden im Handwerk.

Kosten
Ausbildungsvergütung, Zeit
Dauer
drei bis dreieinhalb Jahre
Aufwand
hoch
Typischer Fehler
keine Antwort auf Praktikumsanfragen

6. Personalvermittlung und Headhunter

Ein Vermittler oder Headhunter sucht Kandidaten und erhält bei Einstellung eine Provision. Personalberatungen berechneten 2024 laut BDU im Schnitt 27,5 Prozent des Zieleinkommens. Für Meister, Bauleiter und Führungskräfte ist das oft angemessen, für mehrere Gesellen wird es teuer. Modelle und Auswahlkriterien erklären die Ratgeber Personalvermittlung im Handwerk und Headhunter im Handwerk.

Kosten
Provision je Einstellung
Dauer
Wochen bis Monate
Aufwand
gering
Typischer Fehler
Vertrag ohne Regel für die Probezeit

7. Zeitarbeit

Eine Zeitarbeitsfirma überlässt Dir Leute gegen Stundensatz. Das hilft bei Auftragsspitzen und Krankheitsvertretung, ist aber im Bauhauptgewerbe für gewerbliche Tätigkeiten nach § 1b AÜG grundsätzlich unzulässig und beim selben Leiharbeiter auf 18 Monate begrenzt. Kosten und Regeln stehen im Ratgeber Zeitarbeitsfirma Handwerk.

Kosten
Stundensatz über dem Lohn
Dauer
Tage, wenn Leute im Bestand
Aufwand
gering
Typischer Fehler
Leiharbeiter als Dauerlösung

8. Recruiting Agentur mit Kampagnen

Eine Recruiting Agentur übernimmt Anzeigen, Kampagnen und oft auch die Vorauswahl. Du stellst fest an und zahlst in der Regel einen vorher vereinbarten Preis statt einer Provision je Kopf. Wer nur die Kampagnen in sozialen Netzwerken abgeben will, sucht eine Social Recruiting Agentur. Der Unterschied liegt darin, wer die Bewerber anruft und prüft: Manche Agenturen schicken Dir nur Kontaktdaten, andere übergeben vorqualifizierte Kandidaten mit Termin. Woran Du eine gute Recruiting-Agentur für das Handwerk erkennst, zeigt unsere Seite für Handwerksunternehmen.

Kosten
fester Preis je Auftrag
Dauer
erste Bewerbungen in Tagen
Aufwand
gering bis mittel
Typischer Fehler
Agentur ohne Handwerksfälle

Welcher Weg passt zu welcher Stelle? Die Wege im Vergleich

Für einen einzelnen Meister passt oft ein Headhunter, für drei Gesellen eine Kampagne, für Auftragsspitzen Zeitarbeit und für den Nachwuchs die eigene Ausbildung. Die Tabelle fasst zusammen, wen jeder Weg erreicht und was er kostet.

WegErreichtAbrechnungBis zur ersten BewerbungAufwand im UnternehmenAm besten für
MitarbeiterempfehlungNetzwerk des TeamsPrämie je EinstellungTagegeringjede Stelle, wenige Köpfe
Eigene WebsiteMenschen, die Dich schon kenneneinmaligunbestimmtgeringPrüfstein für alle Wege
Jobbörsen, Arbeitsagenturaktiv Suchendekostenlos bis je AnzeigeTage bis WochenmittelBerufe ohne starken Engpass
Social Recruiting selbstauch nicht aktiv SuchendeWerbebudgetTagehochUnternehmen mit Zeit und Know-how
AusbildungSchulabgängerVergütungMonatehochNachwuchs in drei Jahren
Personalvermittlung, HeadhunterKartei, DirektanspracheProvision je KopfWochengeringMeister, Bauleiter, Führung
ZeitarbeitBestand des VerleihersStundensatzTagegeringSpitzen, Vertretung, Helfer
Recruiting Agentur mit Kampagnenauch nicht aktiv Suchendefester Preis je AuftragTagegering, wenn vorqualifiziertmehrere Fachkräfte, laufender Bedarf

In der Praxis kombinieren erfolgreiche Handwerksunternehmen zwei bis drei Wege: eine Empfehlungsprämie für das Team, eine aktuelle Karriereseite als Prüfstein und einen Kanal, der auch Menschen erreicht, die nicht suchen. Den gesamten Werkzeugkasten mit Bewertung nach Wirkung und Aufwand zeigt der Katalog Recruiting-Maßnahmen.

Wie läuft ein guter Recruiting-Prozess im Handwerk ab? 6 Schritte

Ein guter Recruiting-Prozess im Handwerk dauert von der ersten Bewerbung bis zur Zusage höchstens zwei Wochen und hat sechs Schritte: Anforderungsprofil, Anzeige mit Gehalt, kurzer Bewerbungsweg, Rückruf am selben Tag, Gespräch mit Probetag und schnelle Zusage. Wer langsamer ist, verliert gute Kandidaten an andere Arbeitgeber.

  1. Anforderungsprofil in 20 Minuten: Welcher Beruf, welche Aufgaben, welcher Einsatzradius, welche Arbeitszeit, welches Gehalt? Was ist Pflicht (Gesellenbrief, Führerschein Klasse B), was ist schön (Kundendiensterfahrung, Wärmepumpen)? Je klarer das Profil, desto weniger unpassende Bewerbungen.
  2. Anzeige mit Fakten: Gehaltsspanne, Arbeitszeit, Fahrzeug, Einsatzgebiet, Ansprechpartner mit Namen und Telefonnummer. Die Ausschreibung muss nach § 11 AGG diskriminierungsfrei sein, deshalb „(m/w/d)“ und keine Altersvorgaben.
  3. Bewerbung in einer Minute: Name, Telefonnummer, Beruf, Erfahrung, frühester Starttermin. Lebenslauf optional. Jede zusätzliche Pflichtfrage kostet Bewerbungen.
  4. Rückruf am selben Tag: Im ersten Telefonat klärst Du Qualifikation, Wechselgrund, Gehaltsvorstellung und Verfügbarkeit. Wer nicht erreichbar ist, bekommt eine kurze Nachricht und einen zweiten Versuch am Abend.
  5. Gespräch und Probetag innerhalb einer Woche: Lade direkt auf die Baustelle oder in die Werkstatt ein, nicht nur ins Büro. Zeige das Fahrzeug, das Werkzeug und die Kollegen. Ein bezahlter Probetag zeigt beiden Seiten mehr als jedes Zeugnis.
  6. Zusage innerhalb von 48 Stunden: Ein schriftliches Angebot mit Lohn, Start und Ansprechpartner. Danach bis zum ersten Arbeitstag Kontakt halten, denn viele Gesellen haben vier Wochen oder mehr Kündigungsfrist.

Zeitvorgaben, Zuständigkeiten und Vorlagen für Rückruf, Einladung und Zusage enthält der Leitfaden Recruiting-Prozess. Welche Kennzahlen Du dabei misst, erklärt Recruiting-KPIs. Damit neue Mitarbeiter bleiben, hilft der Ratgeber Mitarbeiterbindung im Handwerk.

Was kostet Recruiting im Handwerk?

Recruiting im Handwerk kostet je nach Weg zwischen einer Empfehlungsprämie und rund einem Viertel eines Jahresgehalts. Bei einem Personalberater mit dem Durchschnittshonorar von 27,5 Prozent laut BDU sind das für einen Gesellen rund 12.000 bis 13.000 Euro je Einstellung, für einen SHK-Meister knapp 14.700 Euro.

Rechenbeispiel: Provision je Beruf

Die Tabelle rechnet das durchschnittliche Honorar der Personalberatungen von 27,5 Prozent des Zieleinkommens laut BDU (Wert für 2024) auf den Medianlohn laut Entgeltatlas. Rechenweg: Medianlohn im Monat × 12 × 0,275. Eigene Rechnung, ohne Sonderzahlungen, Zuschläge und Mehrwertsteuer. Vermittler im Handwerk arbeiten teils mit niedrigeren Sätzen oder Festpreisen; der Wert zeigt die Größenordnung.

BerufMedianlohn im MonatJahreslohnProvision bei 27,5 %
KFZ-Mechatroniker3.755 €45.060 €rund 12.390 €
Metallbauer3.760 €45.120 €rund 12.410 €
Dachdecker3.783 €45.396 €rund 12.480 €
Anlagenmechaniker SHK3.884 €46.608 €rund 12.820 €
Elektroniker Energie- und Gebäudetechnik3.935 €47.220 €rund 12.990 €
Meister und Techniker SHK4.454 €53.448 €rund 14.700 €

Die Kosten der offenen Stelle

Teurer als jede Suche ist oft die Stelle, die nicht besetzt wird. Bei 242 Tagen durchschnittlicher Vakanzzeit fehlt einem Handwerksunternehmen ein Mitarbeiter für rund acht Monate. Die Kosten rechnest Du so: abrechenbare Stunden, die der fehlende Geselle im Monat geleistet hätte, mal Deckungsbeitrag je Stunde, mal Monate ohne Besetzung. Dazu kommen Überstunden im Team und Aufträge, die Du absagen oder verschieben musst. Ein Beispiel mit angenommenen Werten: 130 abrechenbare Stunden im Monat und 20 Euro Deckungsbeitrag je Stunde ergeben 2.600 Euro im Monat, über acht Monate also 20.800 Euro, bevor ein einziger abgesagter Auftrag eingerechnet ist. Setz Deine eigenen Zahlen ein; der Vergleich zeigt meist, dass sich eine schnellere Besetzung rechnet.

Wie Zeitarbeit im Vergleich abschneidet, rechnet der Ratgeber Zeitarbeitsfirma Handwerk je Beruf vor. Einen Überblick über alle Honorarmodelle gibt der Ratgeber Personalvermittlung, die Modelle der Personalberater erklärt Headhunter.

Worauf kommt es beim Recruiting je Gewerk an?

Recruiting im Handwerk funktioniert in jedem Gewerk nach denselben Grundsätzen, aber die Argumente, die Gesellen überzeugen, unterscheiden sich. Wer die Sprache seines Gewerks trifft, bekommt passendere Bewerbungen.

  • SHK, Elektro, Kälte und Klima: Kundendienst mit eigenem Fahrzeug, planbare Bereitschaft, Weiterbildung zu Wärmepumpe, Photovoltaik oder Kältemitteln. Die Engpässe sind hier am größten; Kandidaten vergleichen genau. Mehr unter Fachkräfte im SHK-Handwerk und im Leitfaden Elektroniker finden. Wege, Nachweise und Telefonfragen für SHK-Gesellen, Kundendienstmonteure und Meister stehen im Leitfaden Anlagenmechaniker finden.
  • Bauhauptgewerbe und Dach: Feierabend ohne lange Anfahrt, Wetterregelung, moderne Maschinen, feste Kolonne. Zeitarbeit ist für gewerbliche Tätigkeiten grundsätzlich unzulässig, deshalb zählt die eigene Suche; wann sich ein Vermittler am Bau lohnt, zeigt der Ratgeber Personalvermittlung Bau. Mehr unter Fachkräfte im Baugewerbe.
  • KFZ: Diagnose und Elektromobilität, Werkstattausstattung, Arbeitszeitmodelle. Mehr unter Fachkräfte im KFZ-Handwerk.
  • Ausbau, Maler, Tischler: saubere Baustellen, eigene Projekte vom Aufmaß bis zur Übergabe, Wertschätzung durch den Kunden. Mehr unter Fachkräfte im Maler- und Lackiererhandwerk.
  • Lebensmittelhandwerk: Arbeitszeiten offen ansprechen, Schichtmodelle, Verantwortung in der Filiale. Mehr unter Fachkräfte in der Bäckerei.
  • Friseurhandwerk: feste freie Tage, Gehalt plus nachvollziehbare Umsatzbeteiligung, Schulungen zu Farbe und Schnitt. Wege, Zahlen und Telefonfragen für Gesellen, Meister und Salonleitung stehen im Leitfaden Friseure finden.

Alle Gewerke mit Fällen und Arbeitsmarktdaten findest Du auf der Seite Fachkräfte im Handwerk.

Wie Handwerksunternehmen ihre Stellen besetzt haben: Beispiele

Handwerksunternehmen, bei denen Anzeigen, Arbeitsagentur und Printmedien nichts gebracht hatten, haben ihre Stellen über regionale Kampagnen mit telefonischer Vorqualifizierung besetzt. Biedermann Sanierung, spezialisiert auf energetische Fassadensanierung, erhielt über Candidate Flow® 35 Bewerbungen und stellte 4 Maler und Lackierer ein.

Inhaber André Biedermann beschreibt den Schritt in der Fallstudie so: „Wir sind Handwerker, keine Recruiting-Profis. Irgendwann muss man Profis ranlassen, wenn man merkt, dass klassische Methoden nicht funktionieren.“ Die ganze Geschichte steht in der Fallstudie André Biedermann, die Kennzahlen im Ergebnis André Biedermann: 4 Maler und Lackierer eingestellt.

Gebrüder Ernsthaus Stahl- und Metallbau17 Bewerbungen, 7 Metallbauer eingestellt. Ergebnis
Reichel Hörstgen36 Bewerbungen, 9 Tischler eingestellt. Ergebnis
WeschBau32 Bewerbungen, 6 Fachkräfte im Baugewerbe eingestellt. Ergebnis
Stadtbäckerei H. Hemmerle104 Bewerbungen, 12 Bäckereifachverkäufer eingestellt. Ergebnis

Der Ablauf ist in jeder Kampagne gleich: Candidate Flow® schaltet regionale Kampagnen, führt die Telefonate mit den Bewerbern, prüft Qualifikation, Eignung, Wechselmotivation, Gehaltsvorstellung und Verfügbarkeit und terminiert die Vorstellungsgespräche. Das Unternehmen führt das Gespräch und entscheidet, wen es einstellt. Die erste Einstellung erfolgt im Schnitt nach 23 Tagen, in den öffentlich dokumentierten Fällen kamen 6,8 Bewerbungen auf eine Einstellung (Ergebnisse).

Candidate Flow® ist das Recruiting-System für den Mittelstand und besetzt Stellen in über 50 Branchen. Im Candidate Flow® Pool stehen über 210.000 Kandidaten, über 5.000 Unternehmen haben mit uns mehr als 19.000 Einstellungen erreicht.

6 Fehler beim Recruiting im Handwerk

Die häufigsten Fehler beim Recruiting im Handwerk sind langsame Rückrufe, Anzeigen ohne Gehalt, komplizierte Bewerbungswege, ein einziger Kanal, Gespräche nur im Büro und fehlender Kontakt zwischen Zusage und erstem Arbeitstag.

  1. Rückruf nach drei Tagen. Der Geselle hat sich bei zwei Unternehmen gemeldet. Das andere hat am selben Abend angerufen und ihn für Donnerstag zum Probetag eingeladen.
  2. Anzeige ohne Gehalt. Wer keine Spanne nennt, bekommt Bewerbungen von Menschen, die am Ende zu viel oder zu wenig erwarten, und verliert die, die vergleichen wollen.
  3. Lebenslauf als Pflicht. Der beste Kandidat hat keinen aktuellen Lebenslauf und schiebt die Bewerbung auf. Am Wochenende hat er sie vergessen.
  4. Nur ein Kanal. Die Anzeige läuft seit vier Monaten in derselben Jobbörse. In einem Engpassberuf erreicht sie fast niemanden mehr, der wechseln würde.
  5. Gespräch nur im Büro. Der Kandidat sieht weder Werkstatt noch Fahrzeug noch Kollegen. Er vergleicht Dich mit einem Arbeitgeber, der ihm all das gezeigt hat.
  6. Funkstille nach der Zusage. Zwischen Unterschrift und erstem Arbeitstag liegen vier Wochen Kündigungsfrist. Der alte Chef macht ein Gegenangebot, und niemand von Dir hat sich gemeldet.

Fazit

Recruiting im Handwerk ist schwerer als in fast jedem anderen Bereich: 242 Tage Vakanzzeit im Schnitt, knapp 100.000 rechnerisch unbesetzbare Stellen und in vielen Berufen weniger als zwei Arbeitsuchende je Stelle. Wer nur Anzeigen für aktiv Suchende schaltet, erreicht deshalb einen kleinen Teil des Marktes. Erfolgreich sind Handwerksunternehmen, die auch Gesellen ansprechen, die nicht suchen, den Bewerbungsweg aufs Handy verkürzen, am selben Tag zurückrufen und innerhalb einer Woche zum Probetag einladen.

Weiterlesen: Mitarbeiter-Benefits im Handwerk für Angebote, die wirklich zählen, und Fachkräfte finden im Mittelstand für den Blick über das Handwerk hinaus.

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Das Candidate Flow® System übernimmt Kampagnen, Telefonate und Terminierung bis zum Vorstellungsgespräch, mit Einstellungs- und Probezeitgarantie: Einstellung in 30 Tagen, schriftlich garantiert. Umfang und Bedingungen vereinbaren wir individuell und halten sie vor dem Start schriftlich im Vertrag fest. Ob Deine Stelle in Deiner Region besetzbar ist, klärt der kostenlose Kurzcheck.

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Unverbindlich · schriftliche Einstellungs- und Probezeitgarantie · 2-fach TÜV-geprüft

Quellen

Gian-Marco Blum

Über den Autor

Geschäftsführer

Gian-Marco Blum ist Geschäftsführer der Candidate Flow® GmbH in Düsseldorf. Im Blog schreibt er über Recruiting und Fachkräftegewinnung: Social Recruiting, Arbeitgebermarke, Bewerbungsprozesse und das, was die Zusammenarbeit mit über 5.000 Partnerunternehmen gezeigt hat.

Häufige Fragen.

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