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Ärzte gewinnen: Wie Praxis, MVZ und Klinik Ärzte finden und einstellen

Ärzte gewinnen, auch Ärztegewinnung, heißt für Praxis, MVZ und Klinik, Ärztinnen und Ärzte als Angestellte, Weiterbildungsassistenten oder Nachfolger zu finden und einzustellen. Laut KBV sind bundesweit rund 5.000 Hausarztsitze unbesetzt.

Der Sitz ist da, die Ärztin fehlt. Immer mehr Ärzte wollen angestellt und in Teilzeit arbeiten statt eine eigene Praxis zu führen: Laut Bundesärztekammer sind 39 Prozent der Ärzte in der ambulanten Versorgung angestellt. Wer sie gewinnen will, muss wissen, was sie suchen, wo er sie erreicht und welche Genehmigung er braucht.

Dieser Ratgeber vergleicht acht Wege und sechs Anbieterarten, nennt Gehälter nach TV-Ärzte, rechnet Honorare vor und erklärt Förderung, Genehmigung und einen Ablauf in sechs Schritten.

Stand: 23. Oktober 2026 · Zahlen prüfen wir jährlich im Dezember.

Ärztin mit Stethoskop und älterer Arzt mit Mappe im Gespräch im Behandlungsraum einer Hausarztpraxis

Kurzfassung

  • Ärzte gewinnen heißt, Ärztinnen und Ärzte als Angestellte, Weiterbildungsassistenten oder Nachfolger für Deine Praxis, Dein MVZ oder Deine Klinik zu finden und einzustellen.
  • Der Markt dreht sich zur Anstellung: Laut Bundesärztekammer arbeiten 39 Prozent der Ärzte in der ambulanten Versorgung als Angestellte, 48 Prozent mehr als 2020.
  • Der Mangel ist regional: Laut KBV sind bundesweit rund 5.000 Hausarztsitze unbesetzt, vor allem auf dem Land.
  • Acht Wege stehen zur Wahl, von Ärzteblatt und Netzwerk über Weiterbildungsassistenz mit Förderung und regionale Kampagnen bis zu Ausland, Vermittlung und Honorarärzten.
  • Rechtlich brauchst Du in der Vertragsarztpraxis die Genehmigung des Zulassungsausschusses; in gesperrten Planungsbereichen nur mit Leistungsbegrenzung oder freiem Sitz.

Was heißt Ärzte gewinnen? Definition und Abgrenzung

Ärzte gewinnen bedeutet aus Arbeitgebersicht, approbierte Ärztinnen und Ärzte für eine Stelle in Praxis, Medizinischem Versorgungszentrum (MVZ) oder Klinik zu erreichen, zu überzeugen und einzustellen. Der Begriff umfasst Anstellung, Weiterbildungsstellen und die Nachfolge einer Praxis.

Ärzte gewinnen, auch Ärztegewinnung, Ärzte rekrutieren oder Arzt einstellen, bezeichnet alle Maßnahmen, mit denen Arbeitgeber im Gesundheitswesen Ärztinnen und Ärzte für eine Stelle finden. Anders als in den meisten Branchen hängen viele Stellen an Approbation, Facharztstatus, Weiterbildungsbefugnis und, in der vertragsärztlichen Versorgung, an der Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung.

Wer nach „Ärzte finden“ sucht, meint meist einen Arzt als Patient. Dieser Ratgeber richtet sich an die Arbeitgeberseite: Praxisinhaber, MVZ-Geschäftsführung, ärztliche Leitung und Personalabteilungen von Kliniken. So grenzt Du die Begriffe ab:

  • Anstellung: Die Ärztin arbeitet als Angestellte in Deiner Praxis oder Deinem MVZ. In der Vertragsarztpraxis braucht das eine Genehmigung des Zulassungsausschusses.
  • Weiterbildungsassistenz: Ein Arzt in Weiterbildung arbeitet bei Dir, um seinen Facharzt zu erreichen. Dafür brauchst Du eine Weiterbildungsbefugnis der Landesärztekammer.
  • Praxisnachfolge: Ein Arzt übernimmt Deinen Sitz. Das läuft über das Nachbesetzungsverfahren der Kassenärztlichen Vereinigung.
  • Honorararzt und Vertretung: Ein Arzt arbeitet zeitlich begrenzt, etwa als Urlaubsvertretung. Das überbrückt, besetzt aber keine Stelle dauerhaft.
  • Personalvermittlung und Headhunter: Ein Dienstleister sucht Kandidaten und erhält ein Honorar, meist bei Einstellung.

Für Kliniken mit allen Berufsgruppen, von Pflege bis OP, gibt es den eigenen Ratgeber zum Recruiting im Krankenhaus. Wie Du das Praxisteam neben den Ärzten besetzt, erklärt der Ratgeber MFA finden. Den Überblick über alle Branchen gibt der Ratgeber zur Mitarbeitergewinnung.

Wie groß ist der Ärztemangel 2026?

Deutschland hat so viele berufstätige Ärzte wie nie, und trotzdem fehlen Ärzte: Laut Ärztestatistik der Bundesärztekammer waren zum 31.12.2025 rund 446.000 Ärztinnen und Ärzte berufstätig, 2,0 Prozent mehr als im Vorjahr, aber immer mehr arbeiten in Teilzeit und als Angestellte.

Ärzte in Deutschland 2026

39 %angestelltder Ärzte in der ambulanten Versorgung, 48 % mehr als 2020 (Bundesärztekammer, Ärztestatistik 2025)
5.000Hausarztsitzesind bundesweit rund nicht besetzt (Kassenärztliche Bundesvereinigung)
79Tage offenbleibt eine gemeldete Arztstelle im Median (Bundesagentur für Arbeit, Engpassanalyse 2025)
23,4 %sind 60 oder älterder berufstätigen Ärzte (Bundesärztekammer, Ärztestatistik 2025)

Die Ärztestatistik 2025 der Bundesärztekammer zeigt die Verschiebung deutlich. Die Zahl der niedergelassenen Ärzte sank um 1,3 Prozent zum Vorjahr und um 8 Prozent in fünf Jahren. Die Zahl der angestellten Ärzte in der ambulanten Versorgung stieg dagegen um 6,7 Prozent. Der Anteil der Ärzte in Teilzeit wuchs zwischen 2014 und 2024 von 15 auf 28 Prozent. 44 Prozent der Praxisinhaber sind älter als 60 Jahre.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung zählte in ihrer Arztzahlstatistik 2025 191.875 Ärzte und Psychotherapeuten in der vertragsärztlichen Versorgung, davon knapp 60.000 Angestellte und rund 130.000 in eigener Praxis. Das Durchschnittsalter lag bei 53,9 Jahren. Laut KBV fehlen in den kommenden 20 Jahren rund 25.000 vollzeittätige Ärzte, und rund 50.000 Nachfolger wären nötig. Im Dossier Sicherstellung nennt die KBV rund 5.000 unbesetzte Hausarztsitze; fast 40 Prozent der Hausärzte sind 60 Jahre oder älter.

In den Kliniken ist die Lage ähnlich. Laut DKG-Fachkräftemonitoring 2026 hatten im Januar 2026 66 Prozent der befragten Allgemeinkrankenhäuser Probleme, Stellen im ärztlichen Dienst zu besetzen. Betroffene Häuser konnten im Mittel 4,7 Arztstellen nicht besetzen, eine Arztstelle blieb im Durchschnitt 16 Wochen offen. Die Engpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit führt Ärzte als Beruf unter Beobachtung, mit 79 Tagen Vakanzzeit im Median. Wie Du solche Werte für Deine Region einordnest, erklärt der Ratgeber zur Besetzbarkeit; die Lage über alle Berufe zeigt der Ratgeber Fachkräftemangel.

Was erwarten Ärzte von Praxis, MVZ und Klinik?

Ärzte wählen ihren Arbeitgeber heute vor allem nach Arbeitszeit, Weiterbildung, Team und dem Verhältnis von Medizin zu Bürokratie; das Gehalt muss stimmen, entscheidet aber selten allein. Jeder Arbeitgebertyp hat dabei eigene Argumente und eigene Hürden.

ArbeitgeberTypische StellenStärkstes ArgumentTypische Hürde
Einzel- oder Gemeinschaftspraxisangestellter Facharzt, Weiterbildungsassistent, NachfolgerPatientenbindung, kurze Wege, planbare Zeiten ohne Nachtdienstkleines Team, Genehmigung des Sitzes, Abhängigkeit vom Inhaber
MVZangestellte Fachärzte in Teil- und Vollzeit, ärztliche LeitungAnstellung ohne Praxisrisiko, Teilzeit, Kollegen im HausWahrnehmung als Konzern, Wechsel der Leitung
KlinikAssistenz-, Fach-, Ober- und ChefärzteWeiterbildung, Spezialisierung, TarifvertragDienste, Bereitschaft, Dokumentationslast

Die Zahlen der Bundesärztekammer erklären, warum die Anstellung zieht. Wer sich nicht mit Praxiskauf, Personalführung und Abrechnung belasten will, findet im MVZ oder als angestellter Arzt in einer Praxis eine Alternative. Laut KBV arbeiten Vertragsärzte im Schnitt bis zu 53 Stunden pro Woche und verbringen rund 61 Tage im Jahr mit Bürokratie. Ein Arbeitgeber, der genau das abnimmt, hat ein Argument.

Welche Gehälter Ärzte erwarten

Als Vergleichsmaßstab dient den meisten Bewerbern der Tarifvertrag der kommunalen Kliniken. Laut Entgelttabelle TV-Ärzte/VKA ab 1. Juni 2026 beginnt ein Arzt in Weiterbildung (Ä 1) bei 5.722,05 Euro brutto im Monat, ein Facharzt (Ä 2) bei 7.552,19 Euro und ein Oberarzt (Ä 3) bei 9.459,56 Euro, jeweils ohne Dienste und Zulagen. Den Medianlohn aller vollzeitbeschäftigten Ärzte gibt der Entgeltatlas der Bundesagentur mit 7.450 Euro brutto im Monat an (Stichtag 31.12.2025).

Praxen und MVZ sind an diesen Tarif nicht gebunden. Wer darunter bleibt, braucht andere Gründe: keine Nachtdienste, feste Teilzeit, Beteiligung am Umsatz oder eine Perspektive auf Partnerschaft. Schreib diese Gründe in die Anzeige, statt nur „attraktive Vergütung“ zu versprechen.

Ärzte gewinnen: 8 Wege im Vergleich

Um Ärzte zu gewinnen, stehen acht Wege zur Wahl, die sich in Reichweite, Kosten und Tempo unterscheiden. Für eine Praxis mit einer Stelle reichen oft zwei Wege, ein MVZ mit mehreren Standorten braucht meist vier.

1. Stellenbörsen für Ärzte

Für wen: Ärzte, die aktiv suchen, etwa nach der Facharztprüfung oder vor einem Umzug. Kosten: Anzeigen im Stellenmarkt des Deutschen Ärzteblatts, in medizinischen Jobbörsen und in den Ausschreibungen der Kassenärztlichen Vereinigungen. Dauer: Bewerbungen kommen nur, solange jemand gerade sucht. Typischer Fehler: Anzeigen, die Aufgaben auflisten, statt Patientenzahl, Arbeitszeiten, Team und Ausstattung zu nennen. Wie eine Anzeige aufgebaut sein muss, erklärt der Leitfaden Stellenanzeige schreiben.

2. Netzwerk und Empfehlung

Für wen: Fachärzte und Oberärzte, die sich über Qualitätszirkel, Fortbildungen, frühere Kliniken und Fachgesellschaften kennen. Kosten: gering, oft eine Prämie für das Team. Dauer: unvorhersehbar. Typischer Fehler: Niemand im Team weiß, dass gesucht wird, oder die Stelle wird nur beiläufig erwähnt, ohne Arbeitszeit und Gehaltsrahmen.

3. Weiterbildungsassistenz mit Förderung

Für wen: Praxen und MVZ mit Weiterbildungsbefugnis, vor allem in der Allgemeinmedizin. Nach § 75a SGB V fördern Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen die allgemeinmedizinische Weiterbildung bundesweit auf mindestens 7.500 Stellen. Laut KBV beträgt der Zuschuss je Vollzeitstelle aktuell 5.800 Euro im Monat, in unterversorgten Gebieten 500 Euro mehr; für weitere Fächer gibt es höchstens 2.000 geförderte Stellen. Dauer: Die Förderung beantragst Du vor Beginn der Anstellung bei Deiner KV. Typischer Fehler: Der Assistent verlässt die Praxis nach der Facharztprüfung, weil niemand vorher über Anstellung oder Nachfolge gesprochen hat.

4. Regionale Kampagnen in sozialen Netzwerken

Für wen: angestellte Ärzte in Kliniken und Praxen im Umkreis, die nicht aktiv suchen, aber für weniger Dienste oder planbare Zeiten wechseln würden. Kosten: Anzeigenbudget plus Erstellung und Betreuung. Dauer: erste Bewerbungen meist nach wenigen Tagen. Typischer Fehler: Die Kampagne läuft, aber der Inhaber ruft erst am Wochenende zurück. Den Aufbau beschreibt der Leitfaden zum Social Recruiting.

5. Praxisnachfolge und Übergangsanstellung

Für wen: Inhaber, die in einigen Jahren abgeben wollen. Ein Weg ist, den späteren Nachfolger zunächst anzustellen. Nach § 95 Absatz 9b SGB V kann eine genehmigte Anstellung auf Antrag in eine Zulassung umgewandelt werden. Kosten: Gehalt in der Übergangszeit. Dauer: Monate bis Jahre. Typischer Fehler: Die Nachfolge erst ein Jahr vor dem Ruhestand angehen.

6. Ärzte aus dem Ausland

Für wen: Kliniken und MVZ mit Kapazität für Begleitung. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2025 rund 13.900 ausländische Abschlüsse als Ärztin oder Arzt anerkannt, nach der Pflege der zweithäufigste Beruf. Laut Bundesärztekammer haben 16 Prozent der berufstätigen Ärzte keine deutsche Staatsangehörigkeit. Kosten: Agentur, Sprachkurs, Begleitung. Dauer: oft viele Monate bis zur Approbation. Typischer Fehler: Fachsprachprüfung und Kenntnisprüfung unterschätzen. Den Ablauf erklärt der Ratgeber Ausländische Fachkräfte einstellen.

7. Personalvermittlung und Headhunter

Für wen: einzelne Schlüsselstellen wie Chefarzt, ärztliche Leitung eines MVZ oder seltene Fachrichtungen. Kosten: Honorar je Einstellung, Rechenbeispiele im Abschnitt zu den Kosten. Dauer: Laut Barometer Personalvermittlung 2025 des Gesamtverbands der Personaldienstleister werden 62,2 Prozent der Positionen innerhalb von zwei Monaten besetzt. Typischer Fehler: mehrere Vermittler parallel beauftragen, die dieselben Ärzte anschreiben. Modelle und Honorare vergleichen die Ratgeber Headhunter und Personalvermittlung.

8. Honorarärzte und Vertretung

Für wen: Urlaub, Elternzeit, Krankheit oder die Zeit bis zur Besetzung. Kosten: Tages- oder Stundensatz. Dauer: kurzfristig. Typischer Fehler: Die Vertretung wird zur Dauerlösung, und niemand sucht weiter. Kläre außerdem vor dem Einsatz, ob die Vertretung selbstständig oder angestellt tätig ist; arbeitet sie wie eine Angestellte in Deinen Abläufen, kann Sozialversicherungspflicht bestehen.

Die acht Wege in der Übersicht

WegReichweiteKostenDauer bis zur BewerbungAufwand für DichPasst für
Stellenbörsenaktiv suchende Ärzteniedrig bis mittelTage bis Monatemittelalle Stellen, Grundausstattung
Netzwerk, EmpfehlungKollegen des TeamsgeringunvorhersehbarniedrigFach- und Oberärzte
WeiterbildungsassistenzÄrzte in WeiterbildungGehalt, teils gefördertWochen bis MonatemittelPraxen und MVZ mit Befugnis
Regionale Kampagnenauch nicht aktiv Suchende im UmkreisBudget plus BetreuungTageniedrig, wenn extern betreutangestellte Fachärzte, mehrere Stellen
Nachfolge, Übergangsanstellungkünftige InhaberGehalt der ÜbergangszeitMonate bis JahrehochInhaber vor dem Ruhestand
AuslandÄrzte aus EU und Drittstaatenhoch je PersonMonatehochKliniken, große MVZ
Vermittlung, HeadhunterKartei, Direktansprachehoch je PersonWochen bis MonateniedrigChefarzt, Leitung, seltene Fächer
Honorarärzte, VertretungBestand von AgenturenTagessatzTageniedrigAusfälle, Überbrückung

Anbieterarten im Vergleich: Welcher Dienstleister hilft, Ärzte zu gewinnen?

Für die Suche nach Ärzten gibt es sechs Arten von Dienstleistern: Personalvermittlung, Headhunter oder Personalberatung, Honorararzt-Agentur, Anwerbeagentur, Recruiting-Agentur mit Kampagnen und den Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit. Welche passt, hängt davon ab, ob Du eine Leitung, mehrere angestellte Ärzte oder eine Vertretung suchst.

AnbieterartWie sie Kandidaten findetAbrechnungAnstellungAm besten für
PersonalvermittlungKartei, Anzeigen, NetzwerkPauschale oder Prozent, meist bei Einstellungbei Direinzelne Fach- und Assistenzarztstellen
Headhunter, PersonalberatungDirektansprache bei anderen ArbeitgebernProzent des Zieleinkommens, oft in Ratenbei DirChefarzt, Oberarzt, ärztliche Leitung im MVZ
Honorararzt-AgenturBestand an VertretungsärztenTages- oder Stundensatzselbstständig oder beim VerleiherUrlaub, Elternzeit, Überbrückung
Anwerbeagentur AuslandÄrzte aus Drittstaaten, Begleitung bis zur ApprobationPauschale je Personbei DirKliniken und Verbünde mit Integrationsteam
Recruiting-Agentur mit Kampagnenregionale Kampagnen, auch unter nicht aktiv Suchendenfester Preis je Auftragbei Dirangestellte Fachärzte für Praxis und MVZ, mehrere Stellen
Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeitarbeitsuchend gemeldete Ärztekostenfreibei DirErgänzung, Wiedereinstieg nach Pause

Für den Chefarzt lohnt sich die Direktansprache; wann eine Personalberatung ihr Honorar wert ist, steht im eigenen Ratgeber. Für angestellte Fachärzte in Praxis und MVZ passt eine Recruiting Agentur mit regionalen Kampagnen besser; Kampagnen in Facebook und Instagram übernimmt eine Social Recruiting Agentur.

Was kostet es, einen Arzt zu gewinnen?

Einen Arzt zu gewinnen kostet je nach Weg zwischen einer Anzeige und einem Honorar von rund einem Viertel des Jahresgehalts. Laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen lag das durchschnittliche Honorar der Personalberatungen 2024 bei 27,5 Prozent des Zieleinkommens.

Für Fachkräfte nennt der Gesamtverband der Personaldienstleister Pauschalen von 4.000 bis 10.000 Euro als vage Richtwerte, für gehobene Führungskräfte 25 bis 40 Prozent des Jahresbruttogehalts. Für Ärzte liegen Angebote meist im oberen Bereich, weil die Gehälter hoch sind und viele Vermittler prozentual abrechnen.

Rechenbeispiele je Stelle

PositionMonatsgehalt als BasisZwei Monatsgehälter27,5 % der Jahresbasis
Arzt in Weiterbildung (Ä 1, Stufe 1)5.722 €11.444 €rund 18.880 €
Ärzte, Medianlohn7.450 €14.900 €rund 24.590 €
Facharzt (Ä 2, Stufe 1)7.552 €15.104 €rund 24.920 €
Oberarzt (Ä 3, Stufe 1)9.460 €18.920 €rund 31.220 €

Rechenweg: Monatsgehalt × 2 und Monatsgehalt × 12 × 0,275, eigene Rechnung ohne Dienste, Zulagen und Mehrwertsteuer. Quellen: TV-Ärzte/VKA ab 1.6.2026 (gerundet); Bundesagentur für Arbeit, Entgeltatlas, Stichtag 31.12.2025, Vollzeit, Berufsgattung 81404.

Frag bei jedem Angebot nach der Bezugsgröße. Rechnet ein Vermittler auf das Zieleinkommen mit Diensten und Boni, liegt das Honorar höher als in der Tabelle. Alle Kostenarten einer Einstellung vergleicht der Ratgeber Recruiting Kosten.

Was die offene Arztstelle kostet

Teurer als jedes Honorar ist oft die Stelle, die monatelang offen bleibt. Rechne mit Deinen Zahlen: Wochen ohne Besetzung × (abgesagte oder nicht vergebene Termine je Woche × Honorarumsatz je Termin, plus Kosten für Vertretung oder Mehrarbeit). Bleibt die Stelle so lange offen wie laut DKG im Mittel in den Kliniken, 16 Wochen, fallen diese Kosten fast vier Monate an. In einer Praxis kommt hinzu, dass Patienten, die keinen Termin bekommen, oft dauerhaft wechseln.

Welche Regeln gelten, wenn Du einen Arzt anstellst?

Wer einen Arzt anstellt, muss neben dem Arbeitsrecht die Berufszulassung, die Regeln der vertragsärztlichen Versorgung und das Weiterbildungsrecht der Landesärztekammer beachten.

  • Approbation: Wer in Deutschland den ärztlichen Beruf ausüben will, braucht nach § 2 Bundesärzteordnung die Approbation oder eine befristete Berufserlaubnis. Lass Dir das Dokument vor dem Vertrag zeigen.
  • Genehmigung in der Vertragsarztpraxis: Nach § 95 Absatz 9 SGB V und § 32b Ärzte-ZV brauchst Du für die Anstellung die Genehmigung des Zulassungsausschusses; der Arzt muss im Arztregister eingetragen sein.
  • Gesperrte Planungsbereiche: Hat der Landesausschuss für die Arztgruppe Zulassungsbeschränkungen angeordnet, ist eine Anstellung nur mit Leistungsbegrenzung nach § 101 Absatz 1 Nummer 5 SGB V möglich oder auf einem vorhandenen Sitz. Kläre das mit Deiner KV, bevor Du suchst.
  • MVZ: Wer ein MVZ gründen darf, regelt § 95 Absatz 1a SGB V, etwa zugelassene Ärzte, Krankenhäuser und Kommunen. Angestellte Ärzte im MVZ brauchen ebenfalls eine Genehmigung.
  • Weiterbildung: Ärzte in Weiterbildung darfst Du nur mit Befugnis der Landesärztekammer anleiten. Die Förderung nach § 75a SGB V beantragst Du bei der KV vor Beginn der Anstellung.
  • Vermittler und Zeitarbeit: Nach § 297 Nummer 4 SGB III sind Vereinbarungen unwirksam, die Dich an einen einzigen Vermittler binden. Übernimmst Du eine Leihkraft, darf der Verleiher nach § 9 AÜG nur eine angemessene Vermittlungsvergütung verlangen.
  • Gleichbehandlung: Nach § 11 AGG muss die Anzeige neutral sein. Frag nach Fachsprache und Approbation, nicht nach Alter oder Herkunft.

Wie läuft die Suche nach einem Arzt ab? 6 Schritte

Die Suche nach einem Arzt gelingt am schnellsten in sechs Schritten, bei denen die rechtliche Klärung vor der ersten Anzeige steht. Die meisten Kandidaten gehen nicht im Kanal verloren, sondern in der Zeit zwischen Bewerbung und Gespräch.

  1. Rahmen klären: Sitz, Genehmigung, Leistungsbegrenzung oder Weiterbildungsbefugnis mit der KV und der Ärztekammer abstimmen.
  2. Stelle beschreiben: Fachrichtung, Stunden, Sprechzeiten, Dienste, Gehaltsrahmen, Team, Ausstattung, Perspektive auf Partnerschaft.
  3. Kanal wählen: Stellenbörse für aktiv Suchende, regionale Kampagne für angestellte Ärzte im Umkreis, Direktansprache für Leitungen.
  4. Rückruf binnen zwei Arbeitstagen: Approbation, Facharztstatus, Wunschstunden, Kündigungsfrist und Wechselgrund klären.
  5. Gespräch und Hospitation: ein Gespräch mit Inhaber oder ärztlicher Leitung, dann ein Hospitationstag in der Sprechstunde.
  6. Zusage und Antrag: schriftliches Angebot innerhalb weniger Tage, Antrag beim Zulassungsausschuss sofort stellen und Kontakt bis zum ersten Arbeitstag halten.

Vorlagen für Rückruf, Gespräch und Zusage enthält der Leitfaden zum Recruiting-Prozess. Woran es liegt, wenn auf Anzeigen kaum jemand reagiert, zeigt der Ratgeber Keine Bewerbungen.

Wie hat ein Gesundheitszentrum vier Fachärzte für Allgemeinmedizin gewonnen?

Das Sana Gesundheitszentrum Niederlausitz hat über eine regionale Kampagne von Candidate Flow® 13 Bewerbungen erhalten und 4 Fachärzte für Allgemeinmedizin eingestellt. Die Zahlen zum Fall stehen unter Sana Gesundheitszentrum Niederlausitz.

Der Fall zeigt, dass Fachärzte auch in einer Region gewonnen werden können, in der Hausärzte knapp sind. Der Ablauf ist in jeder Kampagne gleich: Candidate Flow® schaltet regionale Kampagnen, führt die Telefonate mit den Bewerbern, prüft Qualifikation, Eignung, Wechselmotivation, Gehaltsvorstellung und Verfügbarkeit und terminiert die Vorstellungsgespräche. Das Gesundheitszentrum führt das Gespräch und entscheidet. Weitere Fälle aus dem Gesundheitswesen und der Zahnmedizin findest Du auf den Seiten Ärzte für Praxen und Kliniken und Fachkräfte für Zahnarztpraxen.

Candidate Flow® ist das Recruiting-System für den Mittelstand und besetzt Stellen in über 50 Branchen. Die erste Einstellung erfolgt im Schnitt nach 23 Tagen, in den öffentlich dokumentierten Fällen kamen 6,8 Bewerbungen auf eine Einstellung (Ergebnisse). Im Candidate Flow® Pool stehen über 210.000 Kandidaten, über 5.000 Unternehmen haben mit uns mehr als 19.000 Einstellungen erreicht.

5 Fehler, wenn Du Ärzte gewinnen willst

Die häufigsten Fehler bei der Suche nach Ärzten sind eine ungeklärte Genehmigung, Anzeigen ohne Arbeitszeiten, ein langsamer Rückruf, Vermittler ohne Absprache und eine Nachfolge, die zu spät beginnt.

  1. Suche ohne geklärten Sitz. Die Wunschkandidatin sagt zu, dann stellt sich heraus, dass der Planungsbereich gesperrt ist. Die Zusage platzt nach Wochen.
  2. Anzeige ohne Zeiten und Dienste. „Flexible Arbeitszeiten“ steht überall. Ärzte wollen wissen: wie viele Stunden, welche Sprechzeiten, Dienste ja oder nein.
  3. Rückruf nach einer Woche. Ein wechselbereiter Facharzt spricht oft mit mehreren Arbeitgebern. Wer nicht in zwei Tagen anruft, ist raus.
  4. Drei Vermittler, dieselben Kandidaten. Ärzte bekommen dieselbe Stelle mehrfach angeboten und halten die Praxis für verzweifelt. Am Ende streiten die Vermittler um das Honorar.
  5. Nachfolge kurz vor dem Ruhestand. Wer erst mit 66 sucht, hat keine Zeit für Übergangsanstellung und Einarbeitung. Plane fünf Jahre vorher.

Fazit

Ärzte gewinnen heißt 2026 vor allem, angestellte Ärzte zu überzeugen: Laut Bundesärztekammer arbeiten 39 Prozent der Ärzte in der ambulanten Versorgung als Angestellte, und laut KBV sind rund 5.000 Hausarztsitze unbesetzt. Für Leitungen passen Headhunter, für Ausfälle Honorarärzte, für angestellte Fachärzte und Weiterbildungsassistenten ein eigener Bewerberfluss über regionale Kampagnen und geförderte Weiterbildung. Entscheidend sind die Klärung von Sitz und Genehmigung vor der Suche und ein Rückruf innerhalb von zwei Tagen.

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Quellen

Gian-Marco Blum

Über den Autor

Geschäftsführer

Gian-Marco Blum ist Geschäftsführer der Candidate Flow® GmbH in Düsseldorf. Im Blog schreibt er über Recruiting und Fachkräftegewinnung: Social Recruiting, Arbeitgebermarke, Bewerbungsprozesse und das, was sich aus über 5.000 Partnerunternehmen gelernt hat.

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