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Fachkräftemangel: Wie Du offene Stellen trotz Engpass besetzt – Zahlen, Ursachen und 8 Lösungen

Fachkräftemangel, auch Fachkräfteengpass genannt, heißt: Offene Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte bleiben unbesetzt, weil passend ausgebildete Bewerber fehlen. Laut KOFA waren 2025 im Schnitt 369.516 Stellen rechnerisch nicht besetzbar, jede dritte offene Stelle für Qualifizierte.

Die Elektrofirma lehnt Aufträge ab, die Physiotherapiepraxis nimmt keine neuen Patienten, die Werkstatt schiebt Termine. Gleichzeitig steigt die Zahl der Arbeitslosen. Beides passt nur scheinbar nicht zusammen.

Dieser Ratgeber erklärt, was Fachkräftemangel genau ist, wie groß er 2026 ist, welche Berufe, Branchen und Regionen er am stärksten trifft, woher er kommt und was er kostet. Danach folgen acht Lösungen für Unternehmen mit Aufwand, Dauer und Rechtsstand, ein Vergleich und Beispiele aus dem Mittelstand.

Stand: 20. Oktober 2026 · Zahlen prüfen wir jährlich im Dezember.

Elektromeisterin und Elektroniker besprechen in einer Werkstatt einen offenen Schaltschrank vor leeren Arbeitsplätzen

Kurzfassung

  • Fachkräftemangel heißt: Stellen für Menschen mit Ausbildung oder Studium bleiben unbesetzt, weil passende Bewerber fehlen. Laut KOFA waren das 2025 im Schnitt 369.516 Stellen, jede dritte offene Stelle für Qualifizierte.
  • Es fehlen vor allem Fachkräfte mit Berufsausbildung: Bauelektrik, Pflege, KFZ-Technik, elektrische Betriebstechnik und Physiotherapie führen die Liste an. Die Bundesagentur für Arbeit zählt 157 Engpassberufe.
  • Mehr Arbeitslose lösen das Problem nicht: Beruf, Qualifikation und Wohnort passen selten zur offenen Stelle. Laut IAB war 2025 nur gut jede vierte Bewerbung aus Sicht der Unternehmen geeignet.
  • Die Lücke wächst wieder: Bis 2040 erreichen laut Statistischem Bundesamt 13,3 Millionen Erwerbspersonen das Rentenalter, und Bau- und Elektroberufe ziehen mit dem Sondervermögen an.
  • Der Mittelstand trifft es am härtesten: Laut DIHK haben 44 bis 47 Prozent der Unternehmen mit 20 bis 999 Beschäftigten Besetzungsprobleme.
  • Acht Lösungen helfen Unternehmen, kurzfristig vor allem Tempo, Social Recruiting und Empfehlungen, langfristig Ausbildung, Nachqualifizierung und Zuwanderung.

Was ist Fachkräftemangel? Definition und Abgrenzung

Fachkräftemangel ist ein Zustand am Arbeitsmarkt, in dem Unternehmen offene Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte über längere Zeit nicht besetzen können, weil es nicht genug passend ausgebildete Bewerber gibt. Er betrifft einzelne Berufe, Qualifikationen und Regionen, nicht den Arbeitsmarkt als Ganzes.

Fachkräftemangel liegt vor, wenn in einem Beruf dauerhaft mehr offene Stellen als passend qualifizierte Arbeitsuchende vorhanden sind. Als Fachkräfte zählen in den Daten der Bundesagentur für Arbeit und des KOFA Menschen mit mindestens zweijähriger Berufsausbildung; darüber stehen Spezialisten mit Meister-, Techniker- oder Bachelorabschluss und Experten mit Master oder Diplom. Ist der Mangel zeitlich oder regional begrenzt, spricht man von einem Fachkräfteengpass.

Rund um den Begriff stehen mehrere Fachwörter, die in Studien und Medien oft vermischt werden:

  • Fachkräfteengpass: ein vorübergehendes Missverhältnis von Angebot und Nachfrage in einem Beruf oder einer Region. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt ihn als häufiger als den dauerhaften Mangel.
  • Arbeitskräftemangel: Es fehlen Arbeitskräfte unabhängig von der Qualifikation, also auch Helfer. Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es dafür derzeit keine Belege.
  • Engpassberuf: ein Beruf, den die Bundesagentur für Arbeit in ihrer jährlichen Engpassanalyse nach Vakanzzeit, Arbeitsuchenden je Stelle, Entgeltentwicklung und weiteren Merkmalen als knapp einstuft. Im Alltag heißt das auch Mangelberuf.
  • Fachkräftelücke: die Zahl offener Stellen, für die es rechnerisch keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt. So misst das KOFA des IW Köln.
  • Mismatch oder Passungsproblem: Arbeitslose und Stellen gibt es, aber Beruf, Qualifikation oder Wohnort passen nicht zusammen.

Für ein Unternehmen ist die Unterscheidung praktisch: Bei einem Engpass in Deinem Beruf und Deiner Region reicht eine Stellenanzeige selten aus. Ob das für Deine Stelle gilt, prüfst Du mit dem Ratgeber zur Besetzbarkeit.

Wie groß ist der Fachkräftemangel 2026? Die Zahlen

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist 2025 kleiner geworden, aber er bleibt groß: Laut KOFA konnte jede dritte offene Stelle für qualifizierte Arbeitskräfte rechnerisch nicht besetzt werden, die Bundesagentur für Arbeit zählte 157 Engpassberufe.

Fachkräftemangel in Zahlen

369.516Stellen rechnerisch nicht besetzbarFachkräftelücke, Jahresdurchschnitt 2025 (KOFA, IW Köln, Jahresrückblick 2025)
157Engpassberufe2025, nach 163 im Jahr 2024 (Bundesagentur für Arbeit, Engpassanalyse 2025)
167 Tagebis eine Stelle besetzt istalle Berufe, im Handwerk 242 Tage (Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo 34/2026)
36 %der Unternehmen mit Besetzungsproblemenfast 22.000 befragte Unternehmen (DIHK-Fachkräftereport 2025/2026)

Die wichtigsten Werte im Einzelnen:

  • Fachkräftelücke: Laut KOFA-Jahresrückblick 2025 sank die Lücke gegenüber 2024 um 24,1 Prozent auf 369.516 Stellen. In 287 von 558 Berufsgattungen für Qualifizierte gab es mehr offene Stellen als passend qualifizierte Arbeitslose, also in 51,4 Prozent der Berufe.
  • Anforderungsniveau: 61,1 Prozent der rechnerisch nicht besetzbaren Stellen verlangten laut KOFA eine abgeschlossene Berufsausbildung, 20,3 Prozent eine Fortbildung oder einen Bachelor und 18,6 Prozent einen Master oder ein Diplom.
  • Engpassberufe: Die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zählt 157 Engpassberufe für 2025, nach 163 im Jahr 2024 und 183 im Jahr 2023. Weitere 161 Berufe stehen unter Beobachtung. Die meisten Engpassberufe liegen auf Fachkraftniveau.
  • Offene Stellen: Laut IAB-Stellenerhebung gab es im zweiten Quartal 2026 rund 1,02 Millionen offene Stellen, 35.000 weniger als ein Jahr zuvor. Auf 100 offene Stellen kamen 291 Arbeitslose.

Warum es trotz steigender Arbeitslosigkeit an Fachkräften fehlt

2025 gab es laut KOFA erstmals seit der Pandemie mehr qualifizierte Arbeitslose als offene Stellen: knapp 1,25 Millionen gegenüber gut 1,1 Millionen. Die Lücke blieb, weil die Profile nicht passen. Laut IAB-Stellenerhebung stieg die Zahl der Bewerbungen je Stelle von 9 im Jahr 2022 auf 16 im Jahr 2025, aus Sicht der Unternehmen waren davon im Schnitt nur rund 4 geeignet, also 28 Prozent.

Welche Berufe sind vom Fachkräftemangel am stärksten betroffen?

Am stärksten betroffen sind Bau- und Elektroberufe sowie Gesundheits- und Sozialberufe: Laut KOFA fehlten 2025 die meisten Fachkräfte in der Bauelektrik, der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege, der KFZ-Technik und der elektrischen Betriebstechnik. Wie Kliniken offene Stellen in Pflege, OP und ärztlichem Dienst besetzen, zeigt der Ratgeber zum Recruiting im Krankenhaus.

NiveauBerufFachkräftelücke 2025Anteil nicht besetzbarer Stellen
FachkraftBauelektrik16.27075,6 %
FachkraftAltenpflege15.23378,1 %
FachkraftGesundheits- und Krankenpflege13.39067,1 %
FachkraftKraftfahrzeugtechnik13.32760,6 %
FachkraftElektrische Betriebstechnik13.01178,2 %
SpezialistKinderbetreuung und -erziehung13.35151,3 %
SpezialistPhysiotherapie12.54385,1 %
ExperteSozialarbeit und Sozialpädagogik11.07758,8 %
ExperteAufsicht und Führung im Verkauf10.16675,4 %
ExperteBauplanung und -überwachung6.08378,2 %

Quelle: KOFA Kompakt 03/2026, Jahresrückblick 2025, Tabelle 1, Jahresdurchschnitt 2025. Die Spalte rechts ist die Stellenüberhangsquote: der Anteil offener Stellen, für die es keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt.

Wo der Mangel 2025 zugenommen hat

Während die Lücke insgesamt sank, stieg sie laut KOFA in einigen Berufen deutlich: im Verkauf von Fleischwaren um 40,6 Prozent, bei Führern von Erdbewegungsmaschinen um 38,0 Prozent, bei Berufskraftfahrern im Güterverkehr um 20,6 Prozent, in der Schweiß- und Verbindungstechnik um 19,3 Prozent, in der Kältetechnik um 18,7 Prozent und im Tiefbau um 6,9 Prozent.

Wie lange Stellen in Engpassberufen offen bleiben

Die Vakanzzeit zeigt, wie lange ein Unternehmen auf die Besetzung wartet. Amtliche Werte der Bundesagentur für Arbeit für ausgewählte Engpassberufe auf Fachkraftniveau, Deutschland, 2025:

BerufVakanzzeit 2025Arbeitsuchende je StelleMediangehalt brutto im Monat
Physiotherapeuten168 Tage0,83.452 €
Fleischereifachverkäufer142 Tage0,82.672 €
Mechatroniker für Kältetechnik141 Tage0,54.264 €
KFZ-Mechatroniker118 Tage1,63.755 €
Steuerfachangestellte118 Tage1,03.654 €
Elektroniker Bauelektrik109 Tage1,03.935 €
Berufskraftfahrer91 Tage2,93.196 €
Pflegefachkräfte85 Tage1,34.587 €
Tiefbaufacharbeiter78 Tage0,64.046 €

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Engpassanalyse 2025 und Entgeltatlas, Stichtag 31.12.2025, Vollzeit. Liegt die Zahl der Arbeitsuchenden je Stelle unter 1, gibt es rechnerisch weniger Arbeitsuchende als gemeldete Stellen. Leitfäden für einzelne Berufe findest Du unter Elektroniker finden, Pflegekräfte finden, KFZ-Mechatroniker finden und Berufskraftfahrer finden.

Welche Branchen und Regionen trifft der Fachkräftemangel am härtesten?

Am härtesten trifft der Fachkräftemangel Gesundheit und Soziales, Bau, Verkehr und den Mittelstand: Laut DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 können 36 Prozent der befragten Unternehmen Stellen zumindest teilweise nicht besetzen, in einzelnen Branchen mehr als die Hälfte.

BrancheAnteil mit StellenbesetzungsproblemenPassende Seite
Tiefbau62 %Fachkräfte im Tiefbau
Gesundheits- und Sozialdienstleister61 %Fachkräfte in der Pflege
Hochbau56 %Fachkräfte im Baugewerbe
Straßengüterverkehr54 %Fachkräfte in der Logistik
Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung53 %Fachkräfte in der Steuerberatung
KFZ-Handel und -Reparatur45 %Fachkräfte im KFZ-Gewerbe
Gastgewerbe40 %Fachkräfte in Hotellerie und Gastronomie
Industrie36 %Fachkräfte in der Industrie

Quelle: DIHK-Fachkräftereport 2025/2026, Befragung von fast 22.000 Unternehmen. Alle Branchen mit Arbeitsmarktdaten und Fällen stehen in der Branchenübersicht.

Mittelstand stärker betroffen als Konzerne

Laut DIHK sind die Engpässe inzwischen im Mittelstand am stärksten: 44 Prozent der Unternehmen mit 20 bis 199 Beschäftigten und 47 Prozent mit 200 bis 999 Beschäftigten haben Besetzungsprobleme, bei Großunternehmen mit über 1.000 Beschäftigten sind es 40 Prozent und bei Kleinstunternehmen mit unter zehn Beschäftigten 25 Prozent. 2023 lagen die Großunternehmen noch vorn. Wie mittelständische Unternehmen gegenhalten, zeigt der Leitfaden Fachkräfte finden im Mittelstand.

Große Unterschiede zwischen Regionen

Laut KOFA war die Lage 2025 in den bayerischen Agenturbezirken Schwandorf und Weiden am angespanntesten: Dort waren 70,2 und 67,9 Prozent der offenen Stellen rechnerisch nicht besetzbar. In Köln und Berlin waren es 23,1 und 23,7 Prozent. Auf dem Land fehlen also oft mehr Fachkräfte als in Großstädten.

Was sind die Ursachen des Fachkräftemangels?

Die Hauptursache des Fachkräftemangels ist der demografische Wandel, verstärkt durch zu wenig Nachwuchs in der Berufsausbildung, Passungsprobleme zwischen Arbeitsuchenden und Stellen und neue Aufgaben, die bestimmte Berufe besonders stark nachfragen.

  1. Demografie: Laut Statistischem Bundesamt erreichen bis 2040 rund 13,3 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter von 67 Jahren, 30,0 Prozent der Erwerbspersonen von 2025. Der Anteil der 55-Jährigen und Älteren an allen Erwerbspersonen stieg von 20,7 Prozent im Jahr 2015 auf 27,0 Prozent im Jahr 2025.
  2. Weniger Nachwuchs in der Ausbildung: Laut DIHK suchen 57 Prozent der Unternehmen mit Besetzungsproblemen Beschäftigte mit dualer Berufsausbildung ohne Erfolg. Laut KOFA rücken deutlich weniger junge Menschen nach, viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt.
  3. Passung: Arbeitslose und offene Stellen unterscheiden sich in Beruf, Qualifikation und Region. Deshalb blieb 2025 jede dritte Stelle für Qualifizierte rechnerisch unbesetzbar, obwohl es mehr qualifizierte Arbeitslose als Stellen gab.
  4. Alternde Gesellschaft als Kunde: In Pflege, Medizin und Therapie steigt laut KOFA die Nachfrage, weil die Bevölkerung altert. Dort fällt der Personalbedarf auch in schwacher Konjunktur kaum.
  5. Neue Aufgaben: Energiewende, Infrastruktur und Digitalisierung brauchen Elektroniker, Kältetechniker, Tiefbauer und Ingenieure. Laut KOFA stieg die Lücke 2025 in mehreren Berufen, die für Infrastruktur und Klimaneutralität wichtig sind, möglicherweise als Vorbote des Sondervermögens.

Dass die Lücke 2025 trotzdem gesunken ist, liegt vor allem an der Konjunktur: Laut KOFA schrieben Unternehmen weniger Stellen aus, und die Arbeitslosigkeit stieg. Laut DIHK haben 48 Prozent der Unternehmen derzeit keinen Personalbedarf. Zieht die Wirtschaft an, trifft die neue Nachfrage auf eine kleinere Zahl von Erwerbspersonen.

Gibt es den Fachkräftemangel wirklich? Die Einordnung

Den Fachkräftemangel gibt es in vielen Berufen und Regionen, einen allgemeinen Arbeitskräftemangel derzeit nicht: Das ist die Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit in ihrer Engpassanalyse 2025.

Kritiker halten den Begriff für überzogen. Ein Teil der Kritik trifft zu: Wer für eine Stelle mit Schichtarbeit und Wochenenden ein Gehalt unter dem regionalen Median bietet, erlebt keinen Fachkräftemangel, sondern ein Angebot, das nicht konkurrenzfähig ist. Die amtlichen Messgrößen zeigen aber in Engpassberufen ein klares Bild: lange Vakanzzeiten, weniger Arbeitsuchende als Stellen und überdurchschnittlich steigende Löhne. Bei Elektronikern in der Bauelektrik stiegen die Entgelte laut Engpassanalyse von Dezember 2021 bis Dezember 2024 um 14,8 Prozent.

Für Dein Unternehmen zählt nicht der Durchschnitt, sondern Deine Stelle: Beruf, Region, Gehalt, Arbeitszeit und wie schnell Du auf Bewerbungen reagierst. Wie Du diese Faktoren prüfst, erklärt der Beitrag zur Besetzbarkeit.

Was kostet der Fachkräftemangel Unternehmen?

Der Fachkräftemangel kostet die deutsche Wirtschaft laut Institut der deutschen Wirtschaft jedes Jahr Milliarden: 2024 gingen durch fehlende Fachkräfte Produktionskapazitäten im Wert von 49 Milliarden Euro verloren, für 2027 rechnet das Modell mit 74 Milliarden Euro (IW, Mai 2024).

Im einzelnen Unternehmen zeigen sich die Kosten an drei Stellen. Laut DIHK erwarten 83 Prozent der Unternehmen negative Folgen durch den Fachkräftemangel, am häufigsten steigende Arbeitskosten (63 Prozent), Mehrbelastung der Belegschaft (55 Prozent) und Einschränkungen beim Angebot (36 Prozent). In der Bauwirtschaft sorgen sich 54 Prozent, Aufträge nicht im möglichen Umfang annehmen zu können.

Rechenweg: Was eine offene Stelle kostet

Die offene Stelle kostet den Deckungsbeitrag, den die fehlende Fachkraft erwirtschaften würde. Rechne geplanten Deckungsbeitrag je Woche × Wochen ohne Besetzung. Beispiel mit angenommenem Wert: Ein Elektroniker in der Bauelektrik erwirtschaftet 1.500 Euro Deckungsbeitrag in der Woche. Bei der Vakanzzeit von 109 Tagen laut Engpassanalyse, gut 15 Wochen, fehlen rund 23.400 Euro, eigene Rechnung.

Was die Suche über einen Dienstleister kostet

Personalberatungen berechneten laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen 2024 im Schnitt 27,5 Prozent des Zieleinkommens. Auf den Medianlohn laut Entgeltatlas gerechnet sind das in Engpassberufen:

BerufMedianlohn im Monat27,5 % der Jahresbasis
Berufskraftfahrer3.196 €rund 10.550 €
Physiotherapeut3.452 €rund 11.390 €
KFZ-Mechatroniker3.755 €rund 12.390 €
Elektroniker Bauelektrik3.935 €rund 12.990 €
Mechatroniker für Kältetechnik4.264 €rund 14.070 €
Pflegefachkraft4.587 €rund 15.140 €

Rechenweg: Medianlohn × 12 × 0,275, eigene Rechnung ohne Sonderzahlungen und Mehrwertsteuer. Alle Kostenarten einer Einstellung vergleicht der Ratgeber Recruiting Kosten, die Honorarmodelle erklärt der Beitrag Headhunter.

Was können Unternehmen gegen den Fachkräftemangel tun? 8 Lösungen

Gegen den Fachkräftemangel helfen Unternehmen acht Lösungen: ein schneller Bewerbungsprozess, Social Recruiting, Empfehlungen, Ausbildung, Nachqualifizierung, die Bindung älterer Beschäftigter, Quereinsteiger und Zuwanderung. Die ersten drei wirken in Wochen, die übrigen in Monaten bis Jahren. Einen Überblick über alle Wege der Suche gibt die Seite Mitarbeiter finden (Rechtsstand dieses Abschnitts: 20. Oktober 2026).

1. Schneller Bewerbungsprozess

Wirkt nach
Tagen
Kosten
Zeit, Organisation
Hebel
weniger verlorene Bewerber
Typischer Fehler
Rückruf nach einer Woche

In Engpassberufen hat eine gute Fachkraft mehrere Angebote. Wer innerhalb eines Tages anruft und das Gespräch in derselben Woche anbietet, gewinnt sie, bevor der Wettbewerber reagiert. Bewerbung ohne Lebenslauf, Gehaltsspanne in der Anzeige, klare Zusage nach dem Gespräch: Zeitvorgaben je Schritt stehen im Leitfaden Recruiting-Prozess, Sofortmaßnahmen im Beitrag Schnell Mitarbeiter finden.

2. Social Recruiting: Fachkräfte erreichen, die nicht suchen

Wirkt nach
Tagen bis Wochen
Kosten
Werbebudget plus Zeit oder Dienstleister
Hebel
Wechselwillige mit Job
Typischer Fehler
Anzeige ohne Gehalt und Ort

In Engpassberufen sind fast alle Fachkräfte beschäftigt und lesen keine Jobbörsen. Eine bezahlte Anzeige auf Facebook oder Instagram im Umkreis Deines Standorts erreicht sie abends am Smartphone, ein kurzes Formular ersetzt den Lebenslauf. Laut IAB-Stellenerhebung waren Online-Portale, eigene Homepage und Social Media 2025 zusammen bei 52 Prozent der Neueinstellungen entscheidend (IAB-Forum, Juni 2026). Wie Du eine Kampagne aufsetzt, steht im Leitfaden Social Recruiting; wer das abgeben will, beauftragt eine Social Recruiting Agentur.

3. Empfehlungen aus Team und Netzwerk

Wirkt nach
Wochen
Kosten
Prämie je Einstellung
Hebel
Vertrauen, gute Passung
Typischer Fehler
Prämie, die niemand kennt

Laut IAB-Stellenerhebung waren persönliche Kontakte über eigene Mitarbeiter 2025 bei 27 Prozent aller Neueinstellungen der entscheidende Weg, häufiger als jeder andere einzelne Kanal. Dein Elektroniker kennt andere Elektroniker und weiß, wer zuverlässig arbeitet. Zahl die Prämie in zwei Raten, bei Einstellung und nach der Probezeit, und erinnere das Team regelmäßig daran.

4. Ausbildung

Wirkt nach
zwei bis dreieinhalb Jahren
Kosten
Vergütung, Ausbilderzeit
Hebel
neue Fachkräfte statt Abwerben
Typischer Fehler
Azubi ohne Übernahmeperspektive

Ausbildung ist der einzige Weg, der neue Fachkräfte schafft, statt sie anderen Unternehmen abzuwerben. Laut KOFA braucht es dafür gute Berufsorientierung, Ausbildungsmarketing über die Kanäle, die Jugendliche nutzen, und enge Zusammenarbeit mit Schulen und Kammern.

5. Nachqualifizierung von Helfern bis zum Abschluss

Wirkt nach
Monaten
Kosten
teils gefördert
Hebel
eigene Beschäftigte
Typischer Fehler
Förderung nicht beantragt

Viele Helfer arbeiten seit Jahren im Beruf, ohne Abschluss. Nach § 45 Absatz 2 BBiG wird zur Abschlussprüfung zugelassen, wer mindestens das Eineinhalbfache der Ausbildungsdauer im Beruf tätig war; ausländische Berufszeiten zählen mit. Teilqualifizierungen bereiten Schritt für Schritt darauf vor. Die Agentur für Arbeit kann Weiterbildung im bestehenden Arbeitsverhältnis nach § 82 SGB III fördern: In Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten soll sie auf eine Kostenbeteiligung des Arbeitgebers an den Lehrgangskosten verzichten, der Zuschuss zum Arbeitsentgelt beträgt dort 75 Prozent.

6. Ältere Beschäftigte halten

Wirkt nach
sofort
Kosten
Arbeitszeitmodelle
Hebel
Erfahrung und Wissen
Typischer Fehler
Ruhestand ohne Gespräch

Laut DIHK rechnet fast jedes vierte Unternehmen damit, dass mit dem Ausscheiden älterer Beschäftigter betriebsspezifisches Wissen verloren geht. Sprich Mitarbeiter ab 60 früh auf Teilzeit, weniger Baustelle und mehr Ausbildung jüngerer Kollegen an.

7. Quereinsteiger und Arbeitsuchende

Wirkt nach
Wochen bis Monaten
Kosten
Einarbeitung, teils gefördert
Hebel
größerer Bewerberkreis
Typischer Fehler
nur auf Zeugnisse schauen

Laut KOFA bieten Quereinstiege Arbeitslosen ohne passende Stelle und Unternehmen mit Bedarf eine Chance, wenn Unternehmen ihre Anforderungen stärker an Kompetenzen statt an formalen Abschlüssen ausrichten. Ein Industriemechaniker aus einem Unternehmen mit Stellenabbau kann mit gezielter Einarbeitung in der Kältetechnik oder im Service arbeiten. Der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit vermittelt kostenfrei.

8. Fachkräfte aus dem Ausland

Wirkt nach
vier Monaten und mehr
Kosten
Gebühren, Anerkennung, Sprache, Wohnung
Hebel
planbarer Serienbedarf
Typischer Fehler
ohne Integrationsplan starten

Fachkräfte mit anerkannter Berufsausbildung erhalten nach § 18a Aufenthaltsgesetz eine Aufenthaltserlaubnis für jede qualifizierte Beschäftigung. Im beschleunigten Fachkräfteverfahren nach § 81a stellt der Arbeitgeber den Antrag bei der Ausländerbehörde; laut Land Berlin kostet das 411 Euro, zwischen Verfahrensbeginn und Visum liegen mindestens 15 Wochen. Mit der Chancenkarte nach § 20a dürfen Fachkräfte bis zu einem Jahr in Deutschland Arbeit suchen, im Schnitt bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten und Probebeschäftigungen von jeweils höchstens zwei Wochen aufnehmen. Alle sieben Aufenthaltswege, die Gehaltsschwellen 2026 und Deine Pflichten als Arbeitgeber erklärt der Ratgeber Ausländische Fachkräfte einstellen.

Die 8 Lösungen gegen den Fachkräftemangel im Vergleich

Für eine Stelle, die jetzt offen ist, wirken ein schneller Prozess, Social Recruiting und Empfehlungen am schnellsten; Ausbildung, Nachqualifizierung und Zuwanderung sichern den Bedarf der nächsten Jahre.

LösungWen sie erreichtBis zur WirkungKostenAufwand internAm besten für
Schneller Prozessalle BewerberTagegeringmitteljede Stelle, Grundlage aller Wege
Social RecruitingFachkräfte mit Job in der RegionTage bis WochenBudget plus Zeit oder Dienstleistermittel oder abgegebenakute Stellen in Engpassberufen, mehrere Stellen
EmpfehlungenNetzwerk des TeamsWochenPrämiegeringlaufend, begrenzte Zahl
AusbildungSchulabgänger, UmsteigerJahreVergütung, AusbilderzeithochBedarf in drei Jahren
Nachqualifizierungeigene HelferMonateteils gefördertmittelUnternehmen mit erfahrenen Helfern
Ältere haltenBeschäftigte ab 60sofortArbeitszeitmodellegeringWissenssicherung, Ausbildung
QuereinsteigerArbeitsuchende, UmsteigerWochen bis MonateEinarbeitungmittelService, Produktion, Logistik
ZuwanderungFachkräfte im Auslandvier Monate und mehrGebühren, Integrationhochplanbarer Serienbedarf, Pflege, Produktion

Die meisten Unternehmen kombinieren: Empfehlungen und Ausbildung laufen dauerhaft mit, für die akute Stelle kommt Social Recruiting oder ein Dienstleister dazu. Wann sich eine Recruiting Agentur lohnt und wann eine Personalvermittlung, erklärt der Ratgeber Personalvermittlung. Alle Wege der Mitarbeitergewinnung mit Kosten und Dauer stehen dort im Vergleich.

Wie hat eine Physiotherapiepraxis trotz Fachkräftemangel zwei Therapeuten eingestellt?

Die Physio Da Ros GmbH hat über eine regionale Kampagne von Candidate Flow® 6 Bewerbungen erhalten und 2 Physiotherapeuten eingestellt, in dem Beruf mit dem höchsten Anteil rechnerisch nicht besetzbarer Stellen. Hier findest Du Video und Zahlen zum Fall.

Vorher hatte die Praxis laut Fallstudie Printanzeigen, Radiowerbung und Werbung auf Einkaufswagen ausprobiert, ohne qualifizierte Bewerbungen. Geschäftsführer Oliver Da Ros beschreibt die Folge des Mangels so: „Es kam in den letzten Jahren vermehrt vor, dass wir Patienten nicht annehmen konnten, weil wir zu wenige Fachkräfte hatten.“ Die erste Einstellung kam laut Fallstudie nach 8 Tagen.

Weitere Fälle aus Engpassberufen der KOFA-Liste:

Elektrotechnik Hürth38 Bewerbungen, 6 Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik eingestellt. Ergebnis
Autofit Kaßelmann18 Bewerbungen, 2 KFZ-Mechatroniker eingestellt. Ergebnis
Amandum, ambulanter Pflegedienst16 Bewerbungen, 4 Pflegefachkräfte eingestellt. Ergebnis
Gebr. Silbe20 Bewerbungen, 5 Facharbeiter im Tief- und Straßenbau eingestellt. Ergebnis

Der Ablauf ist in jeder Kampagne gleich: Candidate Flow® schaltet regionale Kampagnen, führt die Telefonate mit den Bewerbern, prüft Qualifikation, Eignung, Wechselmotivation, Gehaltsvorstellung und Verfügbarkeit und terminiert die Vorstellungsgespräche. Das Unternehmen führt das Gespräch und entscheidet. Die erste Einstellung erfolgt im Schnitt nach 23 Tagen, in den öffentlich dokumentierten Fällen kamen 6,8 Bewerbungen auf eine Einstellung (Ergebnisse).

Candidate Flow® ist das Recruiting-System für den Mittelstand und besetzt Stellen in über 50 Branchen. Wie der Engpass im Handwerk im Einzelnen aussieht, zeigt der Beitrag Fachkräftemangel im Handwerk, die Lage in Werkstätten der Beitrag Fachkräftemangel in der KFZ-Werkstatt.

6 Fehler im Umgang mit dem Fachkräftemangel

Die häufigsten Fehler sind Warten auf Bewerbungen, Anzeigen ohne Gehalt, langsame Rückrufe, zu enge Anforderungen, fehlende Bindung und ein einziger Suchweg.

  1. Auf Bewerbungen warten. In Engpassberufen kommen über die Anzeige kaum passende Bewerbungen, weil fast alle Fachkräfte beschäftigt sind. Die Stelle bleibt Monate offen.
  2. „Attraktive Vergütung“ statt Zahl. Ohne Gehaltsspanne bewirbt sich die Fachkraft beim Wettbewerber, der eine nennt. Den Aufbau zeigt der Leitfaden Stellenanzeige schreiben.
  3. Rückruf nach einer Woche. Der Kandidat hat bis dahin zugesagt, beim Unternehmen, das am selben Tag angerufen hat.
  4. Anforderungen wie im Konzern. Wer für eine Gesellenstelle Meistertitel, zehn Jahre Erfahrung und perfekte Zeugnisse verlangt, sortiert gute Leute aus, die in vier Wochen eingearbeitet wären.
  5. Neue Leute gewinnen, alte verlieren. Jede Kündigung im Team reißt in einem Engpassberuf eine Lücke, die Monate dauert. Bindung ist billiger als Suche.
  6. Nur ein Weg. Wer allein auf Jobbörse oder allein auf Ausland setzt, wartet. Kombiniere einen schnellen Weg für heute mit einem langfristigen.

Fazit

Fachkräftemangel ist 2026 kein allgemeiner Mangel an Arbeitskräften, sondern ein Engpass bei Menschen mit Berufsausbildung, Fortbildung oder Studium in bestimmten Berufen und Regionen: Laut KOFA blieben 2025 im Schnitt 369.516 Stellen rechnerisch unbesetzbar, laut Bundesagentur für Arbeit gab es 157 Engpassberufe. Die Lücke ist mit der schwachen Konjunktur gesunken, doch Demografie, Infrastrukturausbau und eine alternde Gesellschaft lassen sie wieder wachsen. Unternehmen, die schnell reagieren, Fachkräfte mit Job aktiv ansprechen, Empfehlungen nutzen und parallel ausbilden und nachqualifizieren, besetzen ihre Stellen auch im Engpass.

Welche Wege im Mittelstand über alle Berufe hinweg wirken, zeigt der Ratgeber Fachkräfte finden im Mittelstand, die Kanäle mit Kosten je Bewerbung der Beitrag Personalsuche.

Willst Du Deine Stelle trotz Fachkräftemangel besetzen?

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Unverbindlich · schriftliche Einstellungs- und Probezeitgarantie · 2-fach TÜV-geprüft

Quellen

Gian-Marco Blum

Über den Autor

Geschäftsführer

Gian-Marco Blum ist Geschäftsführer der Candidate Flow® GmbH in Düsseldorf. Im Blog schreibt er über Recruiting und Fachkräftegewinnung: Social Recruiting, Arbeitgebermarke, Bewerbungsprozesse und das, was sich aus über 5.000 Partnerunternehmen gelernt hat.

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