Quereinsteiger einstellen: Wie Du Berufswechsler findest, förderst und sicher einarbeitest
Quereinsteiger einstellen heißt: Du besetzt eine Stelle mit einem Seiteneinsteiger, der die übliche Ausbildung für den Beruf nicht hat, und schließt die Lücke durch Einarbeitung und Qualifizierung. Laut IAB gingen 57 Prozent der Unternehmen, die 2024 Fachkräfte einstellten, dabei Kompromisse ein, am häufigsten einen höheren Einarbeitungsaufwand.
Gemeldete Stellen bleiben im Schnitt 167 Tage offen. Wer nur Bewerber mit passendem Abschluss akzeptiert, wartet in vielen Berufen lange. Mit klaren Muss-Kriterien, einem Einarbeitungsplan und der richtigen Förderung wird aus einem Berufswechsler in wenigen Monaten eine verlässliche Arbeitskraft.
Dieser Leitfaden zeigt, für welche Berufe sich Quereinsteiger eignen, sechs Wege zur Suche mit Aufwand und typischem Fehler, den Ablauf in sieben Schritten, die Förderung mit Rechtsstand, einen Einarbeitungsplan für 90 Tage, die Kosten mit Rechenweg und die häufigsten Fehler.
Stand: 26. Oktober 2026 · Zahlen und Rechtsstand prüfen wir jährlich im Dezember.

Kurzfassung
- Quereinsteiger sind Menschen, die ohne die übliche Ausbildung in einen Beruf wechseln. Du gleichst die Lücke mit Einarbeitung und Qualifizierung aus.
- Geeignet sind Berufe ohne vorgeschriebene Ausbildung, etwa Lager, Produktion, Reinigung, Verkauf, Montage und Gastronomie. Zulassungspflichtige Berufe wie Pflegefachkraft sind ausgeschlossen.
- Die Förderung ist erheblich: Der Eingliederungszuschuss beträgt bis zu 50 Prozent des Arbeitsentgelts für bis zu zwölf Monate (§ 89 SGB III). Beantragen musst Du ihn vor der Einstellung.
- Der Erfolg entscheidet sich in den ersten 90 Tagen: fester Pate, schriftlicher Plan, Gespräche nach 30, 60 und 90 Tagen.
- Ein Abschluss ist nachholbar, über Teilqualifizierung, Externenprüfung (§ 45 BBiG, § 37 HwO) oder seit 2025 das Validierungsverfahren (§ 50b BBiG).
Was ist ein Quereinsteiger? Definition und Abgrenzung
Ein Quereinsteiger ist eine Person, die in einem Beruf oder einer Branche arbeitet, für die sie die übliche Ausbildung oder das übliche Studium nicht abgeschlossen hat. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) beschreibt Quereinsteiger als Menschen, die in ein neues Berufsfeld oder eine fremde Branche wechseln und dafür auch „Seiteneinsteiger“ heißen.
Quereinsteiger einstellen bedeutet, eine Stelle mit einer Person zu besetzen, deren Qualifikation nicht dem formalen Anforderungsprofil entspricht, und die fehlenden Kenntnisse planvoll im Unternehmen aufzubauen: durch Einarbeitung, Praxis im Team und, wo sinnvoll, eine anerkannte Weiterbildung bis zum Berufsabschluss.
Mehrere Begriffe werden im Alltag vermischt, meinen aber Unterschiedliches:
- Seiteneinsteiger: gleichbedeutend mit Quereinsteiger, im Schuldienst auch Fachname für Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium.
- Berufswechsler: der Oberbegriff für alle, die den Beruf wechseln. Wer als Elektroniker in den technischen Vertrieb geht, wechselt, ist aber durch seine Ausbildung kein klassischer Quereinsteiger.
- Umschüler: Menschen, die eine zweite Berufsausbildung in verkürzter Form durchlaufen, meist gefördert von Agentur für Arbeit, Jobcenter oder Rentenversicherung. Am Ende steht ein anerkannter Abschluss.
- An- und Ungelernte: Beschäftigte ohne Berufsabschluss, die als Helfer arbeiten. Diese Gruppe ist oft die erste Zielgruppe, wenn Du Helfer zu Fachkräften entwickeln willst.
- Berufsrückkehrer: Fachkräfte, die nach einer Pause in ihren gelernten Beruf zurückkehren und dafür eine Auffrischung brauchen, keinen Quereinstieg.
Für die Suche ist der Unterschied wichtig: Eine Anzeige für Quereinsteiger spricht eine viel größere Gruppe an als eine Anzeige für ausgebildete Fachkräfte. Wie diese Wege zusammenwirken, wenn Du dauerhaft Mitarbeiter finden willst, beschreibt die gleichnamige Seite.
Warum lohnt es sich 2026, Quereinsteiger einzustellen? Die Zahlen
Es lohnt sich, weil gemeldete Stellen lange offen bleiben und die meisten Unternehmen bei der Einstellung ohnehin schon Abstriche machen. Wer den Quereinstieg planvoll angeht, statt ihn als Notlösung zu sehen, erreicht eine deutlich größere Bewerbergruppe.
Laut dem IAB-Forum (Grau, Leber, Schwengler, 10. Dezember 2025) ist der Anteil der Unternehmen mit Kompromissen bei der Fachkräfteeinstellung mehr als doppelt so hoch wie 2013. Neben dem höheren Einarbeitungsaufwand machten jeweils rund ein Viertel Abstriche bei der fachlichen Qualifikation, der Vergütung und der Arbeitszeit, 21 Prozent nahmen höheren Weiterbildungsbedarf hin. Abstriche bei der Qualifikation sind also längst Alltag. Der Unterschied liegt darin, ob sie geplant oder zufällig passieren.
Auf der anderen Seite stehen viele Menschen, die arbeiten wollen, denen aber der passende Abschluss fehlt. Die Arbeitslosenquote ohne Berufsabschluss lag 2025 laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg bundesweit bei 21,3 Prozent, fast sechsmal so hoch wie mit Abschluss. Dazu kommen Beschäftigte aus anderen Branchen, die wechseln würden: Laut KOFA hatten in einer Befragung von 2.000 Fachkräften im Auftrag von meinestadt.de 41,5 Prozent schon einmal den Beruf gewechselt. Wie stark Dein Beruf vom Engpass betroffen ist, zeigt der Ratgeber zum Fachkräftemangel.
Für welche Berufe eignen sich Quereinsteiger?
Quereinsteiger eignen sich für Berufe, in denen keine Ausbildung gesetzlich vorgeschrieben ist und die Tätigkeit in Wochen bis Monaten erlernbar ist. Bei zulassungspflichtigen Berufen ist der Quereinstieg ausgeschlossen oder nur mit einer zusätzlichen Prüfung möglich.
Die Tabelle ordnet typische Berufe ein. Die Spalte „Arbeitsuchende je Stelle“ stammt aus der Engpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit und gilt für das Fachkraftniveau. Je niedriger der Wert, desto weniger ausgebildete Fachkräfte suchen, und desto eher lohnt der Blick auf Quereinsteiger.
| Beruf | Arbeitsuchende je Stelle 2025 | Voraussetzung für den Einstieg | Eignung für Quereinsteiger |
|---|---|---|---|
| Fachkräfte für Lagerlogistik | 6,1 | keine; Staplerschein im Unternehmen | sehr gut |
| Maschinen- und Anlagenführer | 7,9 | keine; Einweisung an der Anlage | sehr gut |
| Gebäudereiniger | 4,4 | keine | sehr gut |
| Verkäufer | 3,5 | keine | gut |
| Servicekräfte Gastronomie | 3,5 | keine | gut |
| Monteure für Fenster und Türen | 3,0 | keine; handwerkliches Geschick | gut |
| Berufskraftfahrer (C/CE) | 2,9 | Führerschein und Grundqualifikation (§ 2 BKrFQG) | mit Zusatzqualifikation |
| Sicherheitsdienst | 9,7 | Unterrichtung bei der IHK, für manche Tätigkeiten Sachkundeprüfung (§ 34a GewO) | mit Zusatzqualifikation |
| Pflegefachkräfte | 1,3 | Erlaubnis nach § 1 PflBG | nur über Ausbildung oder als Pflegehilfskraft |
Quelle der Spalte „Arbeitsuchende je Stelle“: Bundesagentur für Arbeit, Engpassanalyse 2025, Jahresdurchschnitt 2025, Deutschland; Sicherheitsdienst als „Fachkräfte für Schutz und Sicherheit“. Die rechte Spalte ist eine eigene Einordnung, keine amtliche Statistik.
Die Tabelle zeigt zwei Gruppen. In Berufen mit vielen Arbeitsuchenden je Stelle wie Lager oder Produktion findest Du auch ausgebildete Bewerber, Quereinsteiger erweitern die Auswahl. In knappen Berufen wie Monteur oder Pflege sind Quereinsteiger oft der einzige Weg, überhaupt Personal zu gewinnen, und brauchen dann einen klaren Weg zur Qualifikation. Wie Du die Lage Deiner Stelle insgesamt einschätzt, erklärt der Leitfaden Besetzbarkeit.
Welche Vorteile und Nachteile haben Quereinsteiger?
Der größte Vorteil von Quereinsteigern ist die größere Auswahl an Bewerbern, der größte Nachteil der höhere Einarbeitungsaufwand. Beides lässt sich vorher abschätzen und steuern.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| größere Zielgruppe, auch Menschen aus anderen Branchen | Einarbeitung dauert Wochen bis Monate |
| hohe Motivation, weil der Wechsel bewusst gewählt ist | erfahrene Kollegen werden in der Einarbeitung gebunden |
| Erfahrungen aus anderen Berufen, etwa Kundenkontakt aus dem Verkauf | Fehlerrisiko in der Anfangszeit |
| Einstiegsgehalt unter dem Fachkräfteniveau | Risiko des Abbruchs, wenn die Erwartungen nicht stimmen |
| Förderung durch die Agentur für Arbeit möglich | Anträge und Nachweise kosten Zeit |
| Bindung durch Qualifizierung im eigenen Unternehmen | zulassungspflichtige Tätigkeiten bleiben ausgeschlossen |
Die Nachteile treffen vor allem Unternehmen, die ohne Plan einstellen.
Wie findest Du Quereinsteiger? 6 Wege im Überblick
Quereinsteiger findest Du über Wege, die Menschen außerhalb des eigenen Berufs erreichen: offene Stellenanzeigen, regionale Anzeigen in sozialen Netzwerken, die Agentur für Arbeit, Empfehlungen, Bildungsträger und die eigene Belegschaft. Zu jedem Weg stehen Zielgruppe, Aufwand und der häufigste Fehler.
1. Stellenanzeige mit dem Zusatz „auch für Quereinsteiger“
Die einfachste Maßnahme: Beruf in die Überschrift, dahinter „auch für Quereinsteiger“. Im Text trennst Du Muss- von Kann-Kriterien und beschreibst die Einarbeitung konkret. Viele Berufswechsler lesen eine Liste mit „abgeschlossene Ausbildung, mehrjährige Erfahrung“ und bewerben sich nicht. Aufbau, Muster und Pflichtangaben zeigt der Leitfaden Stellenanzeige schreiben.
- Am besten für
- alle Berufe ohne Zulassung
- Aufwand
- gering
- Typischer Fehler
- Muss-Liste aus der Fachkräfteanzeige kopiert
2. Regionale Anzeigen in sozialen Netzwerken
Wer heute als Verkäufer, Koch oder Helfer arbeitet, sucht selten aktiv in Jobbörsen für Lagerlogistik oder Montage. Regionale Anzeigen in Facebook und Instagram erreichen diese Menschen im Umkreis, auch wenn sie nicht suchen, und ein kurzes Formular senkt die Hürde. Wie das Schritt für Schritt funktioniert, erklärt der Leitfaden Social Recruiting.
- Am besten für
- mehrere Stellen, gewerbliche Berufe
- Aufwand
- mittel, Budget nötig
- Typischer Fehler
- Bewerbung nur mit Lebenslauf
3. Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und Jobcenter
Der Arbeitgeber-Service schlägt passende Arbeitsuchende vor, auch ohne Abschluss, und berät zu Eingliederungszuschuss und Weiterbildung. Eine eigene Vorauswahl bleibt nötig.
- Am besten für
- Einstieg mit Förderung
- Aufwand
- gering bis mittel
- Typischer Fehler
- Förderung erst nach Vertragsschluss erfragt
4. Empfehlungen aus dem Team
Deine Mitarbeiter kennen Menschen aus Sportverein, Nachbarschaft und früheren Jobs, die wechseln würden. Frag konkret: „Wen kennst Du, der zuverlässig ist und lieber im Lager als im Einzelhandel arbeiten würde?“ Laut IAB-Stellenerhebung waren eigene Beschäftigte und persönliche Kontakte 2025 bei 27 Prozent der Neueinstellungen der entscheidende Weg.
- Am besten für
- alle Berufe
- Aufwand
- gering
- Typischer Fehler
- Prämie aushängen, aber nie fragen
5. Bildungsträger und Umschulungen
Bildungsträger führen Umschulungen und Teilqualifizierungen durch, deren Teilnehmer einen Praxisbetrieb suchen. Wer dort als Praktikumsunternehmen bekannt ist, lernt Kandidaten über Wochen kennen, bevor er einstellt.
- Am besten für
- Berufe mit Abschluss als Ziel
- Aufwand
- mittel, dauerhaft
- Typischer Fehler
- Praktikum ohne Betreuung
6. Interne Umsteiger und Helfer
Helfer, Aushilfen und Mitarbeiter aus anderen Abteilungen kennen Dein Unternehmen schon. Wer mehr Verantwortung will, ist ein Quereinsteiger mit kurzer Einarbeitung. Für die Weiterbildung bis zum Abschluss gibt es eigene Förderung (Abschnitt Förderung).
- Am besten für
- Fachkräfte aus dem eigenen Team
- Aufwand
- gering
- Typischer Fehler
- nie gefragt, wer aufsteigen will
Welcher Weg passt zu Deiner Stelle? Alle 6 im Vergleich
Am besten passt der Weg, der zu Zahl der Stellen und Zeitdruck passt: Anzeige und Empfehlungen für Einzelstellen, regionale Kampagnen für mehrere Stellen, Bildungsträger und interne Umsteiger für langfristigen Aufbau. Die Angaben zur Dauer sind Erfahrungswerte.
| Weg | Erreicht | Kosten | Dauer bis zur ersten Bewerbung | Am besten für |
|---|---|---|---|---|
| Stellenanzeige für Quereinsteiger | aktiv Suchende | Anzeigengebühr | Tage bis Wochen | Einzelstellen |
| Regionale Anzeigen in sozialen Netzwerken | auch nicht aktiv Suchende im Umkreis | Werbebudget | wenige Tage | mehrere Stellen, gewerbliche Berufe |
| Agentur für Arbeit und Jobcenter | gemeldete Arbeitsuchende | keine | Tage bis Wochen | Einstieg mit Förderung |
| Empfehlungen | Bekanntenkreis des Teams | Prämie | Tage bis Wochen | alle Berufe |
| Bildungsträger | Umschüler, Teilnehmer an Teilqualifizierungen | Betreuungszeit | Monate | Abschluss als Ziel |
| Interne Umsteiger | eigene Helfer und Aushilfen | Weiterbildung | sofort | Aufstieg im Unternehmen |
Für eine Stelle reicht meist eine gute Anzeige plus Empfehlungen. Suchst Du fünf Lagermitarbeiter oder zehn Reinigungskräfte, brauchst Du Reichweite. Wie das in der Logistik konkret aussieht, zeigt der Leitfaden Lagermitarbeiter finden; was zu tun ist, wenn trotz Anzeige nichts kommt, steht im Beitrag keine Bewerbungen.
Wie stellst Du Quereinsteiger ein? Ablauf in 7 Schritten
Quereinsteiger stellst Du in sieben Schritten ein: Anforderungen trennen, Anzeige schreiben, Förderung klären, Telefoninterview, Probetag, Vertrag mit Qualifizierungsplan und strukturierte Einarbeitung. Der dritte Schritt ist der, den die meisten zu spät machen.
- Muss- und Kann-Kriterien trennen. Schreib auf, was am ersten Tag nötig ist (etwa Führerschein, Schichtbereitschaft, körperliche Belastbarkeit) und was Du beibringen kannst (Warenwirtschaft, Maschinenbedienung, Fachbegriffe). Nur die erste Liste ist ein Ausschlussgrund.
- Anzeige mit Einarbeitung schreiben. Beruf und „auch für Quereinsteiger“ in die Überschrift, Gehaltsspanne mit Stufen, Pate und Dauer der Einarbeitung im Text, Bewerbung ohne Anschreiben.
- Förderung vor der Einstellung klären. Ruf den Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit an, sobald Du einen Kandidaten hast. Leistungen der Agentur für Arbeit werden nach § 324 SGB III nur erbracht, wenn sie vor dem Ereignis beantragt wurden; den Eingliederungszuschuss beantragst Du also vor Beginn des Arbeitsverhältnisses.
- Telefoninterview innerhalb von 24 Stunden. Zehn Minuten: Warum der Wechsel, was die Person bisher gemacht hat, Arbeitszeiten, Gehaltsvorstellung, frühester Start. Ein schneller Rückruf ist bei Berufswechslern besonders wichtig, weil viele noch zweifeln.
- Probetag statt langem Gespräch. Ein halber Tag im Team zeigt mehr als jede Frage. Beide Seiten sehen, ob Tätigkeit, Tempo und Umgangston passen. Kläre vorher Versicherung und Vergütung.
- Vertrag mit Probezeit und Qualifizierungsplan. Volle Probezeit von sechs Monaten (§ 622 Abs. 3 BGB), schriftlich vereinbarte Gehaltsstufen und die geplante Qualifizierung als Anlage.
- Einarbeitung mit Pate und Gesprächen nach 30, 60 und 90 Tagen. Der Plan dazu steht im nächsten Abschnitt.
Wie diese Schritte in einen vollständigen Ablauf mit Zuständigkeiten passen, zeigt der Leitfaden Recruiting-Prozess. Wenn es schnell gehen muss, hilft der Beitrag schnell Mitarbeiter finden mit realistischen Zeiten je Weg.
Welche Förderung gibt es für Quereinsteiger? Rechtsstand 26. Oktober 2026
Für Quereinsteiger gibt es vier Arten von Förderung: Lohnzuschuss in der Einarbeitung, Zuschüsse zur Weiterbildung Beschäftigter, Förderung eines nachgeholten Berufsabschlusses und die Anerkennung von Berufserfahrung ohne Ausbildung. Zuständig sind Agentur für Arbeit, Jobcenter und die Kammern.
- Eingliederungszuschuss (EGZ): Nach § 88 SGB III können Arbeitgeber einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt erhalten, wenn die Vermittlung einer Person erschwert ist; er gleicht eine anfängliche Minderleistung aus. Nach § 89 SGB III beträgt er bis zu 50 Prozent des berücksichtigungsfähigen Arbeitsentgelts für höchstens zwölf Monate, für Beschäftigte ab 55 Jahren bis zu 36 Monate, wenn die Förderung bis 31. Dezember 2028 beginnt. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht.
- Weiterbildung Beschäftigter: Nach § 82 SGB III übernimmt die Agentur für Arbeit Lehrgangskosten und zahlt Zuschüsse zum Arbeitsentgelt während der Weiterbildung. Die Zuschüsse zum Lohn betragen bis zu 75 Prozent bei weniger als 50 Beschäftigten, bis zu 50 Prozent bei 50 bis 499 und bis zu 25 Prozent ab 500 Beschäftigten. Unter 50 Beschäftigten soll eine Kostenbeteiligung an den Lehrgängen entfallen.
- Berufsabschluss nachholen: § 81 Abs. 2 SGB III fördert den nachträglichen Erwerb eines Berufsabschlusses für Menschen ohne Abschluss, etwa als Umschulung oder in Modulen einer Teilqualifizierung. Bei weniger als drei Jahren Berufstätigkeit gilt das nur in Ausnahmefällen, unter anderem wenn ein Engpassberuf angestrebt wird.
- Externenprüfung: Wer das Eineinhalbfache der Ausbildungsdauer im Beruf gearbeitet hat, wird nach § 45 Abs. 2 BBiG zur Abschlussprüfung zugelassen, im Handwerk nach § 37 Abs. 2 HwO zur Gesellenprüfung. Bei drei Jahren Ausbildungsdauer sind das viereinhalb Jahre Praxis. Welche weiteren Wege im Handwerk zu Gesellen führen, vergleicht der Leitfaden Mitarbeiter im Handwerk finden.
- Validierungsverfahren: Seit 1. Januar 2025 stellt die zuständige Kammer nach § 50b BBiG auf Antrag fest, ob berufliche Handlungsfähigkeit überwiegend oder vollständig einem Ausbildungsberuf entspricht. Voraussetzung sind unter anderem 25 Jahre Mindestalter und Berufspraxis im Umfang des Eineinhalbfachen der Ausbildungsdauer.
| Förderung | Rechtsgrundlage | Was gefördert wird | Wann beantragen |
|---|---|---|---|
| Eingliederungszuschuss | §§ 88, 89 SGB III | bis zu 50 % des Arbeitsentgelts, bis 12 Monate | vor Beginn des Arbeitsverhältnisses |
| Weiterbildung Beschäftigter | § 82 SGB III | Lehrgangskosten, Lohnzuschuss nach Unternehmensgröße | vor Beginn der Weiterbildung |
| Abschluss nachholen | § 81 Abs. 2 SGB III | Umschulung, Teilqualifizierung | vor Beginn, nach Beratung |
| Externenprüfung | § 45 Abs. 2 BBiG, § 37 Abs. 2 HwO | Zulassung zur Prüfung ohne Ausbildung | bei der Kammer |
| Validierungsverfahren | § 50b BBiG | Bescheinigung beruflicher Handlungsfähigkeit | bei der Kammer |
Die Förderung entscheidet die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter im Einzelfall. Kommt Dein Quereinsteiger aus dem Ausland, gelten zusätzlich die Regeln zu Aufenthalt und Anerkennung, beschrieben im Leitfaden ausländische Fachkräfte einstellen. Dieser Abschnitt ersetzt keine Rechtsberatung.
Wie gelingt die Einarbeitung von Quereinsteigern? Plan für 90 Tage
Die Einarbeitung gelingt mit einem festen Paten, einem schriftlichen Plan mit Lernzielen und kurzen Gesprächen nach 30, 60 und 90 Tagen. Quereinsteiger brechen selten wegen der Arbeit ab, sondern weil niemand Zeit für sie hat oder unklar bleibt, was erwartet wird.
Erster Tag: Begrüßung durch die Führungskraft, Rundgang, Arbeitsschutz und Unterweisung, Vorstellung des Paten, Arbeitskleidung und Werkzeug liegen bereit.
Woche 1 bis 2: Mitlaufen beim Paten, drei bis fünf Kernaufgaben unter Anleitung, Fachbegriffe als einseitige Liste. Täglich zehn Minuten Rückfrage am Ende der Schicht.
Tag 30: Gespräch mit Führungskraft und Pate: Was läuft, was fehlt, welche Aufgaben folgen? Erste Aufgaben allein.
Tag 60: Selbstständige Arbeit in den Kernaufgaben, Planung der ersten Qualifizierung (Staplerschein, Maschinenschein, Modul einer Teilqualifizierung).
Tag 90: Bilanz und Entscheidung über die nächste Gehaltsstufe; Zeitplan für den Weg bis zur Fachkraft oder zum Abschluss.
Wähle als Paten jemanden, der gern erklärt, nicht automatisch den besten Fachmann. Plane die Zeit des Paten fest ein, etwa eine Stunde am Tag in den ersten zwei Wochen. Das kostet Leistung, ist aber genau der Ausfall, den der Eingliederungszuschuss ausgleichen soll.
Was kostet es, Quereinsteiger einzustellen? Rechenweg
Ein Quereinsteiger kostet ein niedrigeres Einstiegsgehalt als eine Fachkraft, dazu Einarbeitungszeit und Weiterbildung; dagegen stehen Förderung und die Kosten der unbesetzten Stelle. Die Rechnung fällt in den meisten Fällen zugunsten der schnellen Besetzung aus.
Untergrenze: Mindestlohn
Seit 1. Januar 2026 gilt ein Mindestlohn von 13,90 Euro brutto je Stunde, ab 1. Januar 2027 von 14,60 Euro (IHK Hannover zur Fünften Mindestlohnanpassungsverordnung). Bei 40 Stunden je Woche sind das rund 2.409 Euro im Monat (13,90 Euro mal 173,3 Stunden). Tarifverträge und Branchenmindestlöhne gehen vor, wenn sie höher liegen.
Beispielrechnung mit Förderung
Die folgenden Werte sind Annahmen für einen Quereinsteiger im Lager, keine Statistik. Ersetze sie durch Deine Zahlen:
- Einstiegsgehalt: 2.800 Euro brutto im Monat. Zum Vergleich: Der Median für Fachkräfte für Lagerlogistik liegt laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit bei 3.382 Euro (Stichtag 31.12.2025, Vollzeit).
- Einarbeitung: eine Stunde Pate täglich für 20 Arbeitstage, bei 45 Euro internem Stundensatz 900 Euro.
- Staplerschein: Kurs bei einem Anbieter vor Ort; Preis vorher einholen.
- Förderung: Bewilligt die Agentur einen Eingliederungszuschuss nach § 89 SGB III von 30 Prozent für sechs Monate, sind das vereinfacht 2.800 Euro mal 0,3 mal 6, also 5.040 Euro, ohne Arbeitgeberanteile gerechnet.
Kosten der unbesetzten Stelle
Dagegen steht der Deckungsbeitrag, den die Stelle je Arbeitstag erwirtschaften würde, mal der Tage ohne Besetzung. Gemeldete Stellen blieben 2025 laut Bundesagentur für Arbeit im Schnitt 167 Tage offen. Bei 250 Euro Deckungsbeitrag je Tag und 60 Arbeitstagen, die Du durch einen Quereinsteiger früher besetzt, sind das 15.000 Euro. Die Kosten aller Wege mit Durchschnittswerten und Quellen vergleicht der Beitrag Recruiting Kosten.
Was musst Du rechtlich beachten?
Rechtlich gelten für Quereinsteiger dieselben Regeln wie für jede Einstellung; besonders wichtig sind eine neutrale Ausschreibung, der Mindestlohn, die Probezeit und die Grenzen zulassungspflichtiger Tätigkeiten.
- Ausschreibung: Nach § 11 AGG darf eine Stelle nicht diskriminierend ausgeschrieben werden. „Auch für Quereinsteiger“ ist neutral, „junges Team“ oder „Berufseinsteiger bis 30“ sind es nicht.
- Probezeit: höchstens sechs Monate, Kündigungsfrist darin zwei Wochen (§ 622 Abs. 3 BGB).
- Zulassungspflichtige Tätigkeiten: Berufskraftfahrer brauchen neben dem Führerschein eine Grundqualifikation oder beschleunigte Grundqualifikation (§ 2 BKrFQG). Im Bewachungsgewerbe ist eine Unterrichtung bei der IHK Pflicht, für Tätigkeiten wie Kontrollgänge im öffentlichen Raum oder den Einlass von Diskotheken eine Sachkundeprüfung (§ 34a GewO).
- Unterweisung: Vor der ersten Arbeit an Maschinen, Staplern oder Gefahrstoffen braucht jede neue Kraft eine dokumentierte Unterweisung, unabhängig von der Vorbildung.
Wie sieht das in der Praxis aus? Zwei Fälle
Berufe ohne vorgeschriebene Ausbildung lassen sich mit regionalen Kampagnen und kurzem Bewerbungsweg in großer Zahl besetzen, weil die Anzeige auch Menschen aus anderen Berufen erreicht. Zwei Fälle aus Berufen, in denen Quereinsteiger typischerweise einsteigen, zeigen die Größenordnung.
Die Paul Geißler GmbH aus der Spezialreinigung erhielt 50 Bewerbungen und stellte 10 Service-Assistenten für Spezialreinigungen ein. Video und Zahlen zum Fall: Paul Geißler: 10 Service-Assistenten eingestellt. Die Plantas Germany GmbH aus Montage und Logistik erhielt 60 Bewerbungen und stellte 4 Lageristen ein (Ergebnis der Plantas Germany GmbH). Die Fallseiten weisen nicht aus, wie viele der Eingestellten aus anderen Berufen kamen.
In beiden Fällen kamen die Bewerbungen über regionale Kampagnen. Candidate Flow® führt die Telefonate, prüft Qualifikation, Eignung, Wechselmotivation, Gehaltsvorstellung und Verfügbarkeit und terminiert die Gespräche; das Unternehmen führt das Gespräch und entscheidet. In den öffentlich dokumentierten Fällen kamen auf eine Einstellung im Schnitt 6,8 Bewerbungen. Weitere Fälle stehen unter Ergebnisse, die Branche beschreibt die Seite Fachkräfte in der Logistik.
6 Fehler beim Einstellen von Quereinsteigern
Die meisten Quereinstiege scheitern nicht an der Person, sondern an vermeidbaren Fehlern in Anzeige, Förderung und Einarbeitung. Jeder Fehler hat eine Folge, die Du in Deinen Zahlen siehst.
- Fachkräfteanzeige mit Zusatz „Quereinsteiger willkommen“. Folge: Die Muss-Liste schreckt genau die Menschen ab, die Du erreichen willst.
- Förderung erst nach der Einstellung beantragen. Folge: Der Eingliederungszuschuss entfällt, weil er vor Beginn des Arbeitsverhältnisses beantragt werden muss.
- Kein Pate, kein Plan. Folge: Der Neue steht in der ersten Woche herum, fühlt sich überflüssig und kündigt in der Probezeit.
- Erwartungen im Gespräch schönen. Folge: Schichtarbeit, Kälte im Lager oder körperliche Arbeit überraschen nach dem Start. Ein Probetag verhindert das.
- Gehalt ohne Perspektive. Folge: Wer nach der Einarbeitung voll leistet, aber dauerhaft unter Fachkräfteniveau bezahlt wird, wechselt. Feste Stufen binden; weitere Hebel beschreibt der Leitfaden Mitarbeiterbindung.
- Zu langsam reagieren. Folge: Berufswechsler zweifeln ohnehin. Wer drei Tage auf einen Rückruf wartet, bleibt im alten Job.
Fazit
Quereinsteiger einstellen lohnt sich in allen Berufen ohne vorgeschriebene Ausbildung, und in knappen Berufen ist es oft der schnellste Weg zur Besetzung. Entscheidend sind eine Anzeige, die Berufswechsler gezielt anspricht, die Förderung vor der Einstellung, ein Einarbeitungsplan mit Pate und Gehaltsstufen bis zum Fachkräfteniveau.
Wer diesen Weg dauerhaft geht, baut sich eigene Fachkräfte auf, bis zum anerkannten Abschluss über Teilqualifizierung, Externenprüfung oder Validierungsverfahren. Wie das in die gesamte Personalgewinnung passt, beschreiben die Leitfäden Mitarbeitergewinnung und Personalbeschaffung.
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Candidate Flow® ist das Recruiting-System für den Mittelstand und besetzt Stellen in über 50 Branchen. Wir spielen regionale Kampagnen aus, auch an Menschen, die nicht aktiv suchen, gleichen die Stelle mit über 210.000 Kandidaten im Pool ab, prüfen jede Bewerbung am Telefon und terminieren die Gespräche. Du führst das Gespräch und entscheidest. Die erste Einstellung erfolgt im Schnitt nach 23 Tagen; über 5.000 Unternehmen haben so mehr als 19.000 Einstellungen erreicht. Die Einstellung in 30 Tagen ist schriftlich garantiert, mit Einstellungs- und Probezeitgarantie. Umfang und Bedingungen vereinbaren wir individuell und halten sie vor dem Start schriftlich im Vertrag fest. Was eine Recruiting Agentur leistet und wann eine Social Recruiting Agentur passt, steht auf den jeweiligen Seiten. Ob Deine Stelle in Deiner Region besetzbar ist, klärt der kostenlose Kurzcheck.
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Quellen
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Fast sechs von zehn Betrieben gingen im ersten Halbjahr 2024 Kompromisse bei der Einstellung von Fachkräften ein, Katrin Grau, Ute Leber, Barbara Schwengler, IAB-Forum, 10. Dezember 2025; IAB-Betriebspanel.
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): IAB-Stellenerhebung 1/2026: Online-Medien sind bei der Personalsuche auf dem Vormarsch, IAB-Forum, 8. Juni 2026.
- Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Arbeitslosenquote 2025 auch unter Hochqualifizierten in allen Bundesländern gestiegen, Pressemitteilung 55/2026, 17. März 2026; Datenbasis Statistik der Bundesagentur für Arbeit.
- Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA): Was sind Quereinsteiger?, Stand 30. April 2025; Befragung im Auftrag von meinestadt.de.
- Bundesagentur für Arbeit: Presseinfo 34/2026, 14. September 2026; Engpassanalyse 2025; Entgeltatlas, Stichtag 31.12.2025.
- IHK Hannover: Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2026.
- Gesetze im Internet: § 81, § 82, § 88, § 89 und § 324 SGB III; § 1 PflBG; § 45 und § 50b BBiG; § 37 HwO; § 11 AGG; § 622 BGB; § 2 BKrFQG; § 34a GewO.
- Eigene Angaben der Candidate Flow® GmbH, siehe Ergebnisse.

Über den Autor
Gian-Marco BlumGeschäftsführerGian-Marco Blum ist Geschäftsführer der Candidate Flow® GmbH in Düsseldorf. Im Blog schreibt er über Recruiting und Fachkräftegewinnung: Social Recruiting, Arbeitgebermarke, Bewerbungsprozesse und das, was die Zusammenarbeit mit über 5.000 Partnerunternehmen gezeigt hat.


