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Recruiting Gesundheitswesen: Wie Praxen, Kliniken, Pflege und Apotheken Fachkräfte gewinnen

Recruiting Gesundheitswesen, auch Personalgewinnung im Gesundheitswesen, umfasst alle Schritte, mit denen Praxen, MVZ, Kliniken, Pflegedienste, Apotheken und Labore Fachpersonal gewinnen. Laut Bundesagentur für Arbeit blieb eine Stelle für Physiotherapeuten 2025 im Median 168 Tage offen.

Knapp 6,2 Millionen Menschen arbeiten im Gesundheitswesen, und trotzdem fehlen in fast jeder Einrichtung Fachkräfte. Der Markt ist dabei nicht einer, sondern viele: Eine Zahnarztpraxis sucht anders als eine Intensivstation, eine Apotheke anders als ein ambulanter Pflegedienst.

Dieser Ratgeber zeigt die amtlichen Werte für elf Gesundheitsberufe, vergleicht acht Wege und sechs Anbieterarten, rechnet Honorare nach Lohndaten vor und erklärt, welche Nachweise vor dem ersten Arbeitstag vorliegen müssen.

Stand: 27. Oktober 2026 · Zahlen prüfen wir jährlich im Dezember.

Pflegefachkraft, Physiotherapeut und Medizinische Fachangestellte im Gespräch auf dem Flur eines Gesundheitszentrums

Kurzfassung

  • Recruiting im Gesundheitswesen umfasst alle Schritte, mit denen Praxen, MVZ, Kliniken, Pflegedienste, Apotheken, Therapiepraxen und Labore Fachpersonal gewinnen, vom Stellenprofil bis zum ersten Arbeitstag.
  • Der Markt ist groß und eng zugleich: Knapp 6,2 Millionen Menschen arbeiten laut Statistischem Bundesamt im Gesundheitswesen, und acht der elf hier verglichenen Berufe stuft die Bundesagentur für Arbeit als Engpassberuf ein.
  • Stellen bleiben lange offen: im Median 69 Tage bei MFA, 85 bei Pflegefachkräften, 116 bei ZFA und 168 bei Physiotherapeuten (Engpassanalyse 2025).
  • Acht Wege stehen zur Wahl, von Stellenbörse und Empfehlung über regionale Kampagnen, Ausbildung und Quereinstieg bis zu Anwerbung, Vermittlung und Zeitarbeit. Welcher passt, hängt vom Beruf ab.
  • Vor dem ersten Arbeitstag müssen in Kliniken und Praxen Masernschutz und Berufserlaubnis vorliegen. Wer das erst nach der Zusage klärt, verliert Wochen.

Was ist Recruiting im Gesundheitswesen? Definition und Abgrenzung

Recruiting im Gesundheitswesen ist die Gewinnung von Personal für Einrichtungen, die Menschen behandeln, pflegen oder mit Arzneimitteln und Hilfsmitteln versorgen. Dazu gehören Bedarf festlegen, passende Fachkräfte erreichen, Bewerbungen prüfen, Gespräche führen und Verträge schließen.

Recruiting Gesundheitswesen, auch Personalgewinnung im Gesundheitswesen oder Healthcare Recruiting, bezeichnet die Suche, Ansprache, Auswahl und Einstellung von Beschäftigten für Arzt- und Zahnarztpraxen, MVZ, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Apotheken, Therapiepraxen und Labore. Anders als in den meisten Branchen setzen viele Stellen eine staatliche Berufserlaubnis voraus, und vor dem ersten Arbeitstag gelten gesetzliche Nachweispflichten.

Wer nach „Recruiting Gesundheitswesen“, „Personalgewinnung Gesundheitswesen“ oder „Mitarbeitergewinnung Gesundheitswesen“ sucht, trifft auf Begriffe, die oft vermischt werden. So grenzt Du sie ab:

  • Recruiting und Personalgewinnung: meinen dasselbe, den ganzen Prozess von der Stellenbeschreibung bis zur Zusage. Den allgemeinen Überblick über alle Branchen gibt der Ratgeber zur Mitarbeitergewinnung.
  • Employer Branding: macht die Einrichtung als Arbeitgeber bekannt und attraktiv. Es bereitet das Recruiting vor, bringt aber allein noch keine Bewerbung. Was eine Employer Branding Agentur leistet und wo die Grenze liegt, steht im eigenen Ratgeber.
  • Personalvermittlung und Headhunter: Dienstleister, die Kandidaten vorstellen und bei Einstellung ein Honorar erhalten. Die Fachkraft wird bei Dir angestellt.
  • Zeitarbeit und Honorarkräfte: überbrücken Ausfälle. Die Leihkraft bleibt beim Verleiher angestellt.
  • Anwerbung aus dem Ausland: gewinnt Pflegefachkräfte, Ärzte und Therapeuten aus anderen Ländern und begleitet die Anerkennung.

Dieser Ratgeber gibt den Überblick über das ganze Gesundheitswesen. Für einzelne Bereiche gibt es eigene Leitfäden: Recruiting im Krankenhaus, Pflegekräfte finden, Ärzte gewinnen und MFA finden.

Wie groß ist der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen 2026?

Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ist trotz wachsender Beschäftigung groß: Laut Engpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit sind acht der elf hier verglichenen Gesundheitsberufe Engpassberufe, die übrigen stehen unter Beobachtung.

Personal im Gesundheitswesen

6,2 Mio.Beschäftigteim Gesundheitswesen am 31.12.2024, 1,7 % mehr als im Vorjahr (Statistisches Bundesamt)
16,3 %sind 60 oder älterAnteil am Gesundheitspersonal, Frauenanteil 74,4 % (Statistisches Bundesamt)
168Tage offenbleibt eine Stelle für Physiotherapeuten im Median (BA, Engpassanalyse 2025)
72 %der Klinikenhaben Probleme, Intensivpflegestellen zu besetzen (DKG-Fachkräftemonitoring 2026)

Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten zum 31. Dezember 2024 knapp 6,2 Millionen Menschen im Gesundheitswesen, 102.000 mehr als ein Jahr zuvor. Umgerechnet auf Vollzeit waren es gut 4,4 Millionen. In Krankenhäusern kamen 38.000 Beschäftigte hinzu, in der ambulanten Pflege 11.000 und in Praxen für Physio- und Ergotherapie 14.000. Die Apotheken stagnierten bei 237.000 Beschäftigten.

Das Wachstum reicht nicht, weil der Bedarf schneller steigt und viele Beschäftigte bald gehen. Laut Destatis-Themenseite Gesundheitspersonal sind 16,3 Prozent des Gesundheitspersonals 60 Jahre oder älter. Das DKG-Fachkräftemonitoring 2026 meldet für Krankenhäuser, dass offene Stellen in Pflege, OP und Anästhesie im Mittel 21 bis 23 Wochen unbesetzt bleiben. Wie sich der Mangel über alle Branchen verteilt, zeigt der Ratgeber Fachkräftemangel.

Elf Gesundheitsberufe im Vergleich

Am längsten offen bleiben Stellen für Physiotherapeuten, Zahntechniker, Zahnärzte und Zahnmedizinische Fachangestellte. Die Tabelle zeigt die amtlichen Werte für elf Berufe. Wege, Tarif und Recht für Zahnarztpraxen erklärt der Ratgeber ZFA finden.

BerufEinstufungVakanzzeit (Median)Arbeitsuchende je StelleMedianlohn im MonatSeite oder Ratgeber
PhysiotherapeutenEngpassberuf168 Tage0,83.452 €Fachkräfte in der Physiotherapie
ZahntechnikerEngpassberuf126 Tage2,43.277 €Fachkräfte in Dentallaboren
ZahnärzteEngpassberuf120 Tage8,66.152 €Fachkräfte in Zahnarztpraxen
Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA)Engpassberuf116 Tage1,72.841 €ZFA finden
PTAunter Beobachtung106 Tage6,63.316 €Fachkräfte in Apotheken
ErgotherapeutenEngpassberuf90 Tage0,93.695 €Fachkräfte in der Physiotherapie
PflegefachkräfteEngpassberuf85 Tage1,34.587 €Fachkräfte in der Pflege
Apothekerunter Beobachtung80 Tage6,95.404 €Fachkräfte in Apotheken
Ärzteunter Beobachtung79 Tage9,57.450 €Fachkräfte für Krankenhäuser und Praxen
Pflegefachkräfte mit WeiterbildungEngpassberuf70 Tage1,45.057 €Pflegedienstleitung finden
Medizinische Fachangestellte (MFA)Engpassberuf69 Tage3,13.329 €MFA finden

Quellen: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Engpassanalyse 2025 (Jahresdurchschnitt 2025, Vakanzzeit gemeldeter Stellen, Arbeitsuchende je gemeldeter Stelle); Bundesagentur für Arbeit, Entgeltatlas, Stichtag 31.12.2025, Vollzeit, Kerngruppe, Deutschland. Ärzte, PTA und Apotheker stuft die Bundesagentur als „unter Beobachtung“ ein.

Lies die Werte zusammen. Bei Physio- und Ergotherapie kommt rechnerisch weniger als ein Arbeitsuchender auf eine gemeldete Stelle; wer dort einstellen will, muss Fachkräfte gewinnen, die heute woanders arbeiten. Bei Ärzten, Apothekern und PTA gibt es mehr Arbeitsuchende, aber oft nicht in der Region, im Stundenumfang oder mit der Spezialisierung, die Du brauchst. Wie Du solche Werte für eine einzelne Stelle liest, erklärt der Ratgeber zur Besetzbarkeit.

Wie unterscheidet sich das Recruiting in Praxis, Klinik, Pflege und Apotheke?

Das Recruiting unterscheidet sich je Bereich vor allem in drei Punkten: wie groß das Team ist, wer die Personalarbeit macht und was Fachkräfte zum Wechsel bewegt. Eine Praxis mit acht Beschäftigten hat keine Personalabteilung, ein Klinikverbund hat eine, aber lange Wege bis zur Entscheidung.

  • Arzt- und Zahnarztpraxen, MVZ: Gesucht werden vor allem MFA, ZFA, Praxismanagement und angestellte Ärzte. Die Inhaberin oder der Inhaber entscheidet selbst, oft neben der Sprechstunde. Wechselgründe sind Arbeitszeiten, Teamklima, Bezahlung nach Tarif und der Weg zur Arbeit. Bewerbungen bleiben hier am häufigsten liegen, weil niemand Zeit für den Rückruf hat.
  • Krankenhäuser und Reha-Kliniken: Pflege, Ärzte, OP- und Anästhesiepersonal, Medizinische Technologen. Gesetzliche Personalvorgaben machen jede offene Stelle teuer. Details im Ratgeber Recruiting im Krankenhaus.
  • Ambulante Pflege und Pflegeheime: Pflegefachkräfte, Pflegeassistenz und die verantwortliche Pflegefachkraft. Entscheidend sind Tourenplanung, Dienstwagen, Wochenenddienste und Einspringen. Die Leitungsstelle behandelt der Ratgeber Pflegedienstleitung finden.
  • Apotheken: PTA, PKA und approbierte Apotheker. Ohne Apotheker darf die Apotheke nicht öffnen, eine Vakanz trifft hier sofort die Öffnungszeiten. Wechselgründe sind Samstags- und Notdienste, Filialverbund und Gehalt über Tarif.
  • Physio- und Ergotherapie: Therapeuten für Praxis, Hausbesuche und Zentren. Der engste Markt im Gesundheitswesen; die Webflow-Reihe Physiotherapeuten finden beschreibt die Wege für Praxisinhaber.
  • Labore, Dentallabore und Medizintechnik: Zahntechniker, Medizinische Technologen, Servicetechniker. Kleine Märkte, in denen jede Fachkraft mehrere Angebote hat.

Gemeinsam ist allen Bereichen: Die meisten Fachkräfte arbeiten bereits und suchen nicht aktiv. Diese Fachkräfte wechseln, wenn ein Angebot konkret besser ist und der Wechsel einfach wirkt.

Recruiting Gesundheitswesen: 8 Wege im Vergleich

Für das Recruiting im Gesundheitswesen gibt es acht Wege, die sich in Reichweite, Kosten und Tempo unterscheiden. Die meisten Einrichtungen kombinieren drei davon: einen für den Bedarf heute, einen für den Nachwuchs und einen für Ausfälle.

1. Stellenbörsen und Karriereseite

Für wen: alle Berufe, vor allem Menschen, die gerade aktiv suchen. Kosten: Anzeigen in allgemeinen und medizinischen Jobbörsen, dazu die Jobbörse der Bundesagentur kostenfrei. Dauer: Bewerbungen kommen nur, solange jemand sucht. Typischer Fehler: Anzeige mit Aufgabenliste statt Arbeitszeiten, Team und Ansprechperson, und ein Formular, das einen Lebenslauf verlangt. Wie eine gute Anzeige aufgebaut ist, zeigt der Leitfaden Stellenanzeige schreiben.

2. Mitarbeiterempfehlung

Für wen: Praxen, Pflegedienste und Kliniken, in denen sich die Fachkräfte einer Region kennen. Kosten: eine Prämie je Einstellung, oft in zwei Raten bis zum Ende der Probezeit. Dauer: wenige Wochen, wenn das Team regelmäßig daran erinnert wird. Typischer Fehler: Das Programm existiert, aber niemand weiß, wie hoch die Prämie ist und an wen eine Empfehlung geht.

3. Regionale Kampagnen in sozialen Netzwerken

Für wen: MFA, ZFA, PTA, Pflegefachkräfte und Therapeuten, die heute bei einem anderen Arbeitgeber arbeiten. Kosten: Anzeigenbudget plus Erstellung und Betreuung. Dauer: erste Bewerbungen meist nach wenigen Tagen. Typischer Fehler: Die Kampagne läuft, aber niemand ruft am selben Tag zurück. Den Aufbau beschreibt der Leitfaden zum Social Recruiting.

4. Eigene Ausbildung

Für wen: Praxen, Apotheken, Pflegeeinrichtungen und Kliniken, die in drei Jahren noch Personal brauchen. MFA, ZFA, PKA und Pflegefachkräfte werden in der Einrichtung ausgebildet, PTA an Schulen mit Praktikum in der Apotheke. Kosten: Ausbildungsvergütung und Zeit für die Anleitung. Dauer: drei Jahre bis zur Fachkraft. Typischer Fehler: Kein Übernahmeangebot vor der Abschlussprüfung, die Absolventin geht zur Praxis nebenan.

5. Teilzeit aufstocken und Rückkehrer gewinnen

Für wen: eigene Beschäftigte in Teilzeit und frühere Fachkräfte, die den Beruf verlassen haben. Kosten: gering, vor allem Organisation. Dauer: sofort wirksam, wenn die Arbeitszeiten passen. Typischer Fehler: pauschal nach mehr Stunden fragen, statt feste Tage, Schulzeiten oder ein garantiertes freies Wochenende anzubieten. Das DKG-Fachkräftemonitoring 2026 zeigt für Krankenhäuser, dass nur rund jedes fünfte Haus ein festes Frei krankenhausweit garantieren kann.

6. Quereinsteiger und Assistenzberufe

Für wen: Empfang, Praxisorganisation, Pflegeassistenz und Betreuung, nicht für Tätigkeiten mit Berufserlaubnis. Laut Statistischem Bundesamt wuchs die Zahl der Pflegehelferinnen und -helfer 2024 um 5,2 Prozent auf 485.000, schneller als die der examinierten Pflegekräfte. Kosten: Einarbeitung und gegebenenfalls Weiterbildung. Dauer: Wochen bis zur Einsatzfähigkeit. Typischer Fehler: Quereinsteiger ohne Einarbeitungsplan auf die volle Stelle setzen. Wie es richtig geht, steht im Ratgeber Quereinsteiger einstellen.

7. Anwerbung aus dem Ausland

Für wen: Einrichtungen mit mehreren Stellen und Kapazität für Integration. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2025 rund 32.000 ausländische Abschlüsse als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann und 13.900 als Ärztin oder Arzt anerkannt. Kosten: Agenturpauschale, Sprachkurs, Wohnung, Begleitung. Dauer: oft viele Monate bis zum ersten Arbeitstag. Typischer Fehler: Keine feste Ansprechperson im Team, die neue Kollegin geht im ersten Jahr wieder. Den Rechtsrahmen erklärt der Ratgeber Ausländische Fachkräfte einstellen.

8. Personalvermittlung, Headhunter und Zeitarbeit

Für wen: einzelne Schlüsselstellen und kurzfristige Ausfälle. Kosten: Honorar je Einstellung oder Stundensatz, Rechenbeispiele im Abschnitt zu den Kosten. Dauer: Laut Barometer Personalvermittlung 2025 des Gesamtverbands der Personaldienstleister werden 62,2 Prozent der Positionen innerhalb von zwei Monaten besetzt. Typischer Fehler: Vermittlung für fünf MFA-Stellen, bei der das Honorar fünfmal anfällt. Für die Pflege vertieft der Ratgeber Personalvermittlung Pflege das Thema.

Die acht Wege in der Übersicht

WegReichweiteKostenDauer bis zur BewerbungAufwand in der EinrichtungPasst für
Stellenbörsen, Karriereseiteaktiv Suchendeniedrig bis mittelTage bis Monatemittelalle Berufe, Grundausstattung
MitarbeiterempfehlungNetzwerk des TeamsPrämie je EinstellungWochenniedrigPraxis, Pflege, Klinik
Regionale Kampagnenauch nicht aktiv Suchende im UmkreisBudget plus BetreuungTageniedrig, wenn extern betreutMFA, ZFA, PTA, Pflege, Therapeuten
Eigene Ausbildungeigener NachwuchslaufendJahrehochMFA, ZFA, PKA, Pflege
Teilzeit, Rückkehrereigene und frühere Beschäftigtegeringsofortmittelalle Berufe
Quereinsteiger, AssistenzMenschen aus anderen BerufenEinarbeitungWochenmittel bis hochEmpfang, Pflegeassistenz, Betreuung
Anwerbung AuslandDrittstaaten und EUhoch je PersonMonatehochPflege, Ärzte, mehrere Stellen
Vermittlung, Headhunter, ZeitarbeitKartei, Netzwerk, Bestandhoch je PersonWochen bis Monateniedrig bis mittelLeitung, Spezialisten, Ausfälle

Anbieterarten im Vergleich: Welcher Dienstleister passt zu welcher Stelle im Gesundheitswesen?

Für das Recruiting im Gesundheitswesen gibt es sechs Arten von Dienstleistern: Personalvermittlung, Headhunter oder Personalberatung, Zeitarbeit und Honorarkraft-Agentur, Anwerbeagentur, Recruiting-Agentur mit Kampagnen und den Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit. Welche passt, hängt davon ab, ob Du eine Schlüsselstelle, mehrere Fachkraftstellen oder einen Ausfall besetzen willst.

AnbieterartWie sie Kandidaten findetAbrechnungAnstellungAm besten für
PersonalvermittlungKartei, Anzeigen, NetzwerkPauschale oder Prozent, meist bei EinstellungFestanstellung bei Direinzelne Fachkraftstellen, Übernahme bewährter Leihkräfte
Headhunter, PersonalberatungDirektansprache bei anderen EinrichtungenProzent des Zieleinkommens, oft Raten ab AuftragFestanstellung bei DirChefarzt, Facharzt, Pflegedirektion, Geschäftsführung, Apothekenleitung
Zeitarbeit, Honorarkraft-AgenturBestand des VerleihersStundensatzbeim Verleiher oder selbstständigKrankheit, Urlaub, Überbrückung bis zur Besetzung
Anwerbeagentur AuslandFachkräfte aus Drittstaaten, AnerkennungPauschale je PersonFestanstellung bei DirKliniken und Pflegeträger mit vielen Pflegestellen und Integrationsteam
Recruiting-Agentur mit Kampagnenregionale Kampagnen, auch unter nicht aktiv Suchendenfester Preis je AuftragFestanstellung bei Dirmehrere Stellen für MFA, ZFA, PTA, Pflege und Therapeuten
Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeitarbeitsuchend gemeldete MenschenkostenfreiFestanstellung bei DirEmpfang, Assistenz, Umschulung, Ausbildung

Für Chefarzt, Facharzt und Leitungsstellen lohnt sich die Direktansprache; Modelle und Honorare erklären die Ratgeber Headhunter, Personalberatung und Personalvermittlung. Für mehrere Stellen in Praxis, Pflege und Therapie passt eine Recruiting Agentur mit regionalen Kampagnen besser; Kampagnen in Facebook und Instagram übernimmt eine Social Recruiting Agentur.

Was kostet Recruiting im Gesundheitswesen?

Recruiting im Gesundheitswesen kostet je Einstellung zwischen einer Empfehlungsprämie und einem Vermittlungshonorar von rund einem Viertel des Jahresgehalts. Laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen lag das durchschnittliche Honorar der Personalberatungen 2024 bei 27,5 Prozent des Zieleinkommens.

Für Fachkräfte nennt der Gesamtverband der Personaldienstleister Pauschalen von 4.000 bis 10.000 Euro als vage Richtwerte, für gehobene Führungskräfte 25 bis 40 Prozent des Jahresbruttogehalts. Übernimmst Du eine Leihkraft, darf der Verleiher nach § 9 Absatz 1 Nummer 3 AÜG eine angemessene Vermittlungsvergütung verlangen.

Rechenbeispiele je Beruf

BerufMedianlohn im MonatZwei Monatsgehälter27,5 % der Jahresbasis
Zahnmedizinische Fachangestellte2.841 €5.682 €rund 9.380 €
Medizinische Fachangestellte3.329 €6.658 €rund 10.990 €
PTA3.316 €6.632 €rund 10.940 €
Physiotherapeuten3.452 €6.904 €rund 11.390 €
Pflegefachkräfte4.587 €9.174 €rund 15.140 €
Ärzte7.450 €14.900 €rund 24.590 €

Rechenweg: Medianlohn × 2 und Medianlohn × 12 × 0,275, eigene Rechnung ohne Jahressonderzahlung, Zuschläge und Mehrwertsteuer. Quelle der Löhne: Bundesagentur für Arbeit, Entgeltatlas, Stichtag 31.12.2025, Vollzeit, Berufsgattungen 81112, 81102, 81822, 81713, 81302, 81404.

Für eine Praxis mit zwei offenen MFA-Stellen bedeutet ein Prozenthonorar damit mehr als 20.000 Euro. Frag bei jedem Angebot nach der Bezugsgröße und danach, ob das Honorar bei Abbruch in der Probezeit anteilig zurückgeht. Alle Kostenarten einer Einstellung vergleicht der Ratgeber Recruiting Kosten.

Was die offene Stelle kostet

Teurer als jedes Honorar ist oft die Stelle, die monatelang offen bleibt. Rechne mit Deinen Zahlen: Tage ohne Besetzung × (ausgefallene Termine oder Behandlungen je Tag × Umsatz je Termin, plus Überstunden und Leihkräfte). Bleibt eine Physiotherapeutenstelle so lange offen wie im Median, 168 Tage, fallen diese Kosten fast ein halbes Jahr lang an. In der Apotheke kommen kürzere Öffnungszeiten hinzu, in der Klinik gesperrte Betten.

Welche Regeln gelten beim Recruiting im Gesundheitswesen?

Beim Recruiting im Gesundheitswesen gelten neben dem allgemeinen Arbeitsrecht Nachweispflichten vor dem ersten Arbeitstag, Berufserlaubnisse und die Regeln für Vermittlung und Arbeitnehmerüberlassung. Stand der Angaben: 27. Oktober 2026.

  • Masernschutz vor Arbeitsbeginn: Nach § 20 Absatz 8 und 9 IfSG müssen nach 1970 Geborene, die in Einrichtungen nach § 23 Absatz 3 IfSG tätig werden, der Leitung vor Beginn der Tätigkeit einen Masernschutz nachweisen. Dazu zählen unter anderem Krankenhäuser, Arzt-, Zahnarzt- und psychotherapeutische Praxen, Praxen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe, Dialyseeinrichtungen und Rettungsdienste. Ohne Nachweis darf die Person dort nicht tätig werden.
  • Berufserlaubnis: Ärzte, Zahnärzte und Apotheker brauchen eine Approbation, Pflegefachkräfte, Physiotherapeuten und PTA die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung. Bei ausländischen Abschlüssen entscheidet die zuständige Landesbehörde über die Anerkennung.
  • Gleichbehandlung: Stellenanzeigen dürfen nach § 11 AGG niemanden wegen Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, Behinderung oder sexueller Identität benachteiligen. Das gilt auch für Formulierungen wie „junges Team“.
  • Datenschutz: Bewerberdaten unterliegen der DSGVO. Gesundheitsdaten wie der Impfnachweis werden erst nach der Zusage und nur so weit erhoben, wie das Gesetz es verlangt.
  • Keine Exklusivbindung: Nach § 297 Nummer 4 SGB III sind Vereinbarungen unwirksam, die einen Arbeitgeber an einen einzigen Vermittler binden.
  • Zeitarbeit: Der Verleiher braucht eine Erlaubnis nach § 1 AÜG. Ein Verbot, die Leihkraft später selbst einzustellen, ist nach § 9 AÜG unwirksam.

Für Krankenhäuser kommen Pflegepersonaluntergrenzen und Regeln zum Pflegebudget hinzu; beides erklärt der Ratgeber Recruiting Krankenhaus.

Wie läuft ein schneller Recruiting-Prozess im Gesundheitswesen ab? 6 Schritte

Ein schneller Recruiting-Prozess im Gesundheitswesen braucht sechs Schritte und für jeden eine feste Zuständigkeit. Die meisten Bewerbungen gehen nicht im Kanal verloren, sondern zwischen Eingang und Rückruf.

  1. Bedarf festlegen: Beruf, Stundenumfang, Arbeitszeiten, Qualifikation und Zusatzqualifikationen, etwa Röntgenschein, Abrechnung oder Fachweiterbildung.
  2. Profil und Botschaft: Was Deine Stelle von der nebenan unterscheidet: feste Tage, keine Samstage, Weiterbildung, ein bestimmtes Team, kurzer Weg.
  3. Kanal wählen: regional für MFA, ZFA, PTA, Pflege und Therapeuten, überregional und direkt für Ärzte und Leitungen.
  4. Rückruf binnen zwei Arbeitstagen: kurze Klärung von Abschluss, Berufserlaubnis, Wunschzeiten, Kündigungsfrist und Wechselgrund.
  5. Gespräch und Probearbeit: Praxisinhaber, Stationsleitung oder Filialleitung sind dabei, die Probearbeit folgt innerhalb einer Woche.
  6. Zusage und Nachweise: schriftliches Angebot innerhalb von drei Tagen, gleich mit der Liste der Unterlagen für den ersten Tag, darunter Masernschutz und Berufsurkunde.

Vorlagen für Rückruf, Gespräch und Zusage enthält der Leitfaden zum Recruiting-Prozess. Woran es liegt, wenn trotz Anzeigen kaum jemand reagiert, zeigt der Ratgeber Keine Bewerbungen.

Wie haben Einrichtungen im Gesundheitswesen über regionale Kampagnen eingestellt?

Physio Da Ros hat über eine Kampagne von Candidate Flow® mit telefonischer Vorqualifizierung 6 Bewerbungen erhalten und 2 Physiotherapeuten eingestellt, die erste nach 8 Tagen. Video und Zahlen zum Fall stehen unter Physio Da Ros, den Bericht mit Zitaten des Inhabers zeigt die Fallstudie Physio Da Ros.

Derselbe Weg funktioniert in anderen Bereichen des Gesundheitswesens. Das Sana Gesundheitszentrum Niederlausitz erhielt 13 Bewerbungen und stellte 4 Fachärzte für Allgemeinmedizin ein (Fall Sana Gesundheitszentrum Niederlausitz). Der ambulante Pflegedienst Amandum GmbH erhielt 16 Bewerbungen und stellte 4 Pflegefachkräfte ein (Fall Amandum GmbH). Die Zahnarztpraxis Wojtek Honnefelder in Krefeld erhielt 41 Bewerbungen (Fall Zahnarztpraxis Wojtek Honnefelder), das Dentallabor Luckenwalde 12 Bewerbungen und 2 eingestellte Zahntechniker (Fall Dentallabor Luckenwalde).

Der Ablauf ist in jeder Kampagne gleich: Candidate Flow® schaltet regionale Kampagnen, führt die Telefonate mit den Bewerbern, prüft Qualifikation, Eignung, Wechselmotivation, Gehaltsvorstellung und Verfügbarkeit und terminiert die Vorstellungsgespräche. Die Einrichtung führt das Gespräch und entscheidet. Candidate Flow® ist das Recruiting-System für den Mittelstand und besetzt Stellen in über 50 Branchen. Die erste Einstellung erfolgt im Schnitt nach 23 Tagen, in den öffentlich dokumentierten Fällen kamen 6,8 Bewerbungen auf eine Einstellung (Ergebnisse). Im Candidate Flow® Pool stehen über 210.000 Kandidaten, über 5.000 Unternehmen haben mit uns mehr als 19.000 Einstellungen erreicht.

5 Fehler beim Recruiting im Gesundheitswesen

Die häufigsten Fehler beim Recruiting im Gesundheitswesen sind langsame Rückrufe, austauschbare Anzeigen, ein Kanal für alle Berufe, Vermittlung für Massenbedarf und Nachweise, die erst nach der Zusage geklärt werden.

  1. Rückruf nach einer Woche. Wechselbereite MFA, ZFA und Pflegefachkräfte haben mehrere Angebote. Wer nicht innerhalb von zwei Tagen anruft, erreicht sie nicht mehr.
  2. Anzeige ohne Arbeitszeiten und Team. „Familiäres Team und leistungsgerechte Vergütung“ steht in jeder Anzeige. Fachkräfte wollen wissen, welche Tage, welche Sprechzeiten, wie viele Kolleginnen.
  3. Ein Kanal für alle Berufe. Die Jobbörse erreicht Ärzte und Apotheker, aber kaum die Physiotherapeutin, die in einer anderen Praxis zufrieden genug ist, um nicht zu suchen.
  4. Vermittlung für fünf gleiche Stellen. Das Honorar fällt fünfmal an, und die Kartei ist nach zwei Vorschlägen leer.
  5. Nachweise erst am ersten Tag. Fehlen Masernschutz oder Berufsurkunde, darf die neue Fachkraft in Klinik oder Praxis nicht anfangen. Fordere alles mit der Zusage an.

Fazit

Recruiting im Gesundheitswesen ist die Gewinnung von Fachpersonal für Praxen, MVZ, Kliniken, Pflege, Apotheken, Therapie und Labore in einem Markt, in dem laut Bundesagentur für Arbeit acht von elf verglichenen Berufen Engpassberufe sind und Stellen im Median 69 bis 168 Tage offen bleiben. Für Leitungsstellen passen Headhunter, für Ausfälle Zeitarbeit, für mehrere Stellen in Praxis, Pflege und Therapie ein eigener Bewerberfluss über regionale Kampagnen. Entscheidend ist danach der Prozess: Rückruf in zwei Tagen, Probearbeit in einer Woche, Zusage mit Nachweisliste in drei Tagen.

Willst Du offene Stellen in Praxis, Pflege oder Apotheke über einen eigenen Bewerberfluss besetzen?

Das Candidate Flow® System übernimmt Kampagnen, Telefonate und Terminierung bis zum Vorstellungsgespräch, mit Einstellungs- und Probezeitgarantie: Einstellung in 30 Tagen, schriftlich garantiert, Umfang und Bedingungen vereinbaren wir individuell und halten sie vor dem Start schriftlich im Vertrag fest. Ob Deine Stelle in Deiner Region besetzbar ist, klärt der kostenlose Kurzcheck. Wie wir Unternehmen in allen Branchen beim Mitarbeiter finden unterstützen, steht auf unserer Leistungsseite.

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Quellen

Gian-Marco Blum

Über den Autor

Geschäftsführer

Gian-Marco Blum ist Geschäftsführer der Candidate Flow® GmbH in Düsseldorf. Im Blog schreibt er über Recruiting und Fachkräftegewinnung: Social Recruiting, Arbeitgebermarke, Bewerbungsprozesse und das, was die Zusammenarbeit mit über 5.000 Partnerunternehmen gezeigt hat.

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